Ein Kind wird mit dem Impfstoff von Biontech geimpft.
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Ein Kind wird mit dem Impfstoff von Biontech geimpft.

Frankfurt

Corona-Impfung für Kinder sind gefragt: Eltern überrennen die Arztpraxen in Frankfurt

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Nach der eingeschränkten Stiko-Empfehlung für die Corona-Impfung ist der Damm bei vielen Eltern in Frankfurt gebrochen.

Frankfurt - Johanna und Joachim Wagner* sind erleichtert. Erleichtert, dass jetzt auch jüngere Kinder gegen das Coronavirus geimpft werden können. Am Montag (13.12.2021) begann die Auslieferung des Biontech-Impfstoffes für Fünf- bis Elfjährige. Das Ehepaar Wagner hat siebenjährige Zwillinge, einen Jungen und ein Mädchen. „Sie haben keine Vorerkrankungen, wir wollen sie aber dennoch so schnell wie möglich impfen lassen“, sagt Joachim Wagner. „Unsere Angst vor Corona ist größer als vor möglichen Nebenwirkungen der Impfung.“

Frankfurt: Auch gesunde Kinder können geimpft werden

Nachdem die europäische Arzneimittelbehörde EMA Ende November grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer bei Kindern unter zwölf Jahren gegeben hatte, hat am vergangenen Donnerstag auch die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren empfohlen, sofern sie Vorerkrankungen oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Das Expertengremium wies aber auch darauf hin, dass Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder impfen lassen können.

Die Telefone in Frankfurts Kinderarztpraxen stehen nun kaum noch still. „Fast alle Eltern von meinen Patienten, die zwischen fünf und elf Jahre alt sind, fragen nach den Impfungen und wollen beraten werden“, erzählt Burkhard Voigt, stellvertretender Vorsitzender des hessischen Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte mit eigener Praxis in Bockenheim. Er begrüßt die Empfehlung der Stiko. „Es ist wichtig, dass es nun die Möglichkeit gibt, kranke Kinder oder gefährdete Familienangehörige zu schützen“, sagt der Mediziner.

Frankfurt: Kinderarzt impft alle, die das wollen

Voigt hat bereits 20 junge Patienten auserkoren, die diese Kriterien erfüllen. Dabei handelt es sich um Frühgeborene, um Kinder mit einer schweren Lungenerkrankung und mit genetischen Defekten wie Trisomie 21. Sie werden bereits am Freitag geimpft, ebenso wie Drillinge, deren Mutter nach einer Organtransplantation besonders gefährdet ist, einen schweren Verlauf nach einer Covid-19-Infektion zu haben. Insgesamt habe er schon vor Wochen 120 Dosen des Vakzins bestellt.

Der Kinderarzt wird aber nicht nur gefährdete Kinder impfen, sondern auch alle, die dies wollen. „Bei ihnen mache ich mir aber keinen Stress. Sie bekommen dann im Januar einen Termin“, sagt Voigt.

Seiner Ansicht nach ist nach der aktuellen Datenlage noch nicht abzuschätzen, ob eine Impfung medizinisch sinnvoll ist. Soll heißen: „Man weiß noch nicht, ob es mehr Nebenwirkungen durch eine Impfung oder die Erkrankung selbst gibt“, sagt Voigt. Gleichwohl könne er die Ängste der Eltern, dass sich ihre kleinen Kinder mit Corona infizieren, nachvollziehen. Deshalb verwehre er ihnen das Vakzin auch nicht. „Keine Mutter und kein Vater geht verantwortungslos mit seinem Kind um“, sagt der Mediziner.

Frankfurt: Auch im Impfzentrum in der Messe Impfungen für Kinder unter zwölf

Der Kinderarzt rechnet damit, dass er in acht Wochen all seine Patienten, die eine Spritze brauchen oder wünschen, geimpft habe. „Es würde eigentlich reichen, wenn die Kinder nur in Kinderarztpraxen geimpft würden“, sagt Voigt. „Aber: Natürlich wollen jetzt alle sofort drankommen.“

Deshalb sollen bereits in dieser Woche auch im Frankfurter Impfzentrum in der Messehalle 1.2 Impfungen für Kinder unter zwölf Jahren möglich sein. Das teilte am Montag die Sprecherin des Gesundheitsamts, Wiebke Reimann, auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Sobald der Impfstoff zur Verfügung steht, kann es losgehen und wir werden zeitnah entsprechend informieren“, so Reimann. Die speziellen Termine für Kinder, die in Begleitung eines Sorgeberechtigten in die Messehalle kommen müssen, werden künftig auf der Internetseite der Stadt unter www.frankfurt.de/corona-aktuell zu finden und online buchbar sein. Nach Angaben der Sprecherin werden die Termine immer sieben Tage im Voraus freigeschaltet. Insgesamt seien im Frankfurter Impfzentrum 60 bis 80 Spritzen pro Tag für die jungen Kinder geplant.

Familie Wagner indes hat bereits in der vergangenen Woche mit ihrer Kinderärztin Kontakt aufgenommen und noch für diesen Monat einen Impftermin bekommen. „Uns fällt wirklich ein Stein vom Herzen“, sagt Joachim Wagner. „Es gibt einfach keinen anderen Schutz für unsere Kinder.“

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen lag in der vergangenen Woche bei einem Wert von 609, bei den 6- bis 10-Jährigen bei 613. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung in Frankfurt lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei einem Wert von 285. (Julia Lorenz) *Namen von der Redaktion geändert

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