Corona-Impfung
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Frankfurter Hausärzte werden derzeit mit Impfanfragen überhäuft. (Archivfoto)

Pandemie

Corona in Frankfurt: Hausärzte werden von Impf-Anfragen überrollt

  • vonSarah Bernhard
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In den Hausarzt-Praxen in Frankfurt klingeln fast ständig die Telefone: Viele wollen geimpft werden. Doch es gibt ein Problem.

Frankfurt – Seit einer Woche steht das Telefon des Allgemeinmediziners Jürgen Burdenski nicht mehr still. "Hier rufen Leute zwischen 20 und 100 an, die auf die Warteliste oder am besten gleich einen Termin wollen", sagt er. Denn seit vergangenem Dienstag dürfen niedergelassene Allgemeinärzte, was bisher fast nur in der Messehalle möglich war: ihre Patienten gegen Corona impfen.

Frankfurt: Hausärzte müssen sich bei Corona-Impfungen an Priorisierungsliste halten

"Von den Hausärzten, die wir versorgen, sind alle mit dabei", sagt Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands, dem auch drei Frankfurter Apotheken gehören. Und von keinem seiner Kollegen habe er bisher etwas anderes gehört. Bereits bei einem Modellprojekt Anfang März war das Land von Interessenten überrannt worden.

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen bei Hausärzten in Frankfurt ist groß. (Symbolfoto)

Die am Projekt beteiligten Praxen bekamen den Impfstoff nicht wie jetzt über die Apotheken, sondern waren an die Impfzentren angebunden. Nun können die Mediziner selbst entscheiden, wen sie impfen. "Das war längst überfällig, da die Hausärzte die Patienten am besten kennen", sagt Seyfarth. "Aber auch wir müssen uns an die Priorisierungsliste halten", betont Burdenski.

Corona: Viel Bürokratie bei Impfungen in Frankfurt – "Das ist völlig überzogen"

Er wird zunächst vor allem Prio-1-Patienten impfen. Denn üppig sind die Rationen, die der Bund zur Verfügung stellt, noch nicht: Jeweils 18 Dosen bekam Burdenski vergangene und diese Woche geliefert. "Und trotzdem haben wir schon einen riesigen Bürokratieaufwand." Sechs statt zwei Seiten brauche es zur Aufklärung und Einwilligung. Jeden Tag muss Burdenski die verimpften Chargen - getrennt nach Hersteller und Indikation - nach Berlin melden. Und auch die Aufkleber für den Impfpass muss er selbst beschriften. "Das alles ist völlig überzogen."

Immerhin: Angst, dass sie wegen ihrer Impf-Entscheidungen verklagt werden, müssen Allgemeinmediziner laut Hessischem Sozialministerium nicht haben: "Außer in offensichtlichen Betrugsfällen sind die Ärzte bei ihrer Impftätigkeit nur ihrem Gewissen unterworfen."

Hessische Hausärzte ärgern sich über Bürokratie und Impfstoff-Knappheit. Zumindest Letzteres soll sich ändern: Verimpften die Hessischen Hausärzte in der ersten Woche rund 940 000 Dosen, sollen in der Woche ab 26. April mehr als drei Millionen Dosen geliefert werden.

Corona-Impfungen in Frankfurt: Ab nächster Woche auch Astrazeneca

Gestern gab es für die Hausarztpraxen noch einmal ausschließlich Biontech, ab kommender Woche liefert der Bund zur Hälfte Astrazeneca (AZ). Noch sei das kein Problem, sagt Hausarzt Burdenski. Doch es werde zu einem werden, wenn irgendwann nur noch AZ geliefert werde. "Etwa 50 Prozent der Patienten sagen, dass Astrazeneca nicht infrage kommt. Auch solche, bei denen eine Impfung damit kein Problem wäre."

Abgesehen vom AZ-Desaster, da sind sich Arzt und Apotheker jedoch einig, gebe es wenig Probleme: "Obwohl im vergangenen Jahr vieles schiefgegangen ist, die Hausarzt-Impfung läuft gut", sagt Holger Seyfarth. Die Ärzte seien gut informiert gewesen und hätten mit genügend Vorlaufzeit bestellt. In Kühlboxen wurde der Impfstoff an die Apotheken geliefert, von dort ging es mit Boten weiter zu den Praxen. "Dieses System wird zum Beispiel auch für die Auslieferung des Grippeimpfstoffs genutzt und hat sich über Jahre eingespielt", sagt Seyfarth.

Deshalb machte sich der Allgemeinmediziner Hans Krippner auch wenig Gedanken, als er vor Ostern Corona-Impfstoff bestellte. "Es hieß, die Hausärzte können impfen, also habe ich ganz normal in der Apotheke bestellt." Dorthin wurde das Vakzin auch geliefert, doch bekommen hat Krippner es nicht. Denn er hat keine Kassenzulassung - und damit im Moment auch kein Recht, gegen Corona zu impfen. Seine Patienten könnten ja ins Impfzentrum gehen, habe Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) in einem Rundschreiben mitgeteilt. Für ihn seien die darauffolgenden Terminabsagen "peinlich", für viele seiner Patienten "schlimm" gewesen, sagt Krippner, der sich diskriminiert fühlt.

Frankfurt: 91-Jährige warten seit drei Monaten auf Hausbesuch

Insbesondere da er – anders als viele andere Hausärzte – noch Hausbesuche mache, und diese deutlich günstiger seien, als wenn ein mobiles Impfteam anrücke. Und auch schneller zu verwirklichen, denn die Wartezeiten für dessen Besuch sind lang: Eine Leserin, die anonym bleiben möchte, etwa wartet seit mehr als drei Monaten auf einen Terminvorschlag für die Erstimpfung ihrer Eltern, die mit 91 Jahren zur Hochrisikogruppe gehören. Zwar impfe nun auch deren Hausarzt. "Aber er hat im Moment noch keine Zeit für Hausbesuche." Denn nach der Impfung ist der Arzt verpflichtet, den Patienten 15 Minuten, bei Erkrankungen wie etwa einer Gerinnungsstörung 30 Minuten zu überwachen. Zeit, in der der Arzt bei einem Hausbesuch nichts Sinnvolles tun kann.

Privatärzte hätten die Möglichkeit, sich - wie beim Pilotprojekt - übers Impfzentrum anbinden zu lassen, teilt das Sozialministerium auf Anfrage mit. Man bereite sich aber auch darauf vor, "Strukturen wie Betriebs-, Fach- und Privatärzte" einzubeziehen, sobald mehr Impfstoff zur Verfügung stehe. Laut Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) soll das spätestens ab 26. April der Fall sein. (Sarah Bernhard)

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