Ein knappes Drittel der Betten auf der Intensivstation in Frankfurt wird von Covid-Patienten belegt. (Symbolbid/Archivbild)
+
Ein knappes Drittel der Betten auf der Intensivstation in Frankfurt wird von Covid-Patienten belegt. (Symbolbid/Archivbild)

Corona-Lage im Krankenhaus

Corona in Frankfurt: Intensivbetten werden wieder knapp – Mutation macht Lage immer bedrohlicher

  • vonSarah Bernhard
    schließen

Mehr als 80 Prozent der deutschen Corona-Patienten erkrankt an der gefährlichen britischen Variante. Auch in den Krankenhäusern in Frankfurt steigt die Zahl der Infizierten zusehends.

Frankfurt – Die Zahl der Covid-Fälle in Frankfurt steigt wieder: Nach einer leichten Beruhigung Mitte Februar - ihren Jahres-Tiefstwert erreichte die Sieben-Tage-Inzidenz am 19. Februar mit 49 Fällen pro 100 000 Einwohner - geht es seitdem wieder bergauf. Am Karfreitag erreichte die Inzidenz mit 160 ihren diesjährigen Höchststand, gestern lag sie bei 154.

Eine solch hohe Ansteckungsrate gab es das letzte Mal Ende Oktober, also kurz vor der zweiten Welle. Vor fünf Monaten stiegen die Zahlen allerdings deutlich rasanter. Anfang Januar, als viele die Folgen gemeinsamer Weihnachtsfeiern fürchteten, lag die höchste Inzidenz bei 131.

Intensivbetten in Frankfurt: Knappes Drittel wird von Corona-Patienten belegt

Die Ansteckungsrate wirkt sich auf die Auslastung der Krankenhäuser aus: Nur 32 der 260 Frankfurter Intensivbetten, rund 13 Prozent, waren gestern laut dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) noch frei, an den Tagen davor war die Lage ähnlich.

Ein knappes Drittel der Betten wird von Covid-Patienten belegt, von den 81 Covid-Patienten auf Frankfurter Intensivstationen wurden gestern 30 künstlich beatmet. Christoph Lunkenheimer, Sprecher des Uniklinikums, bestätigt: Auch dort sei die Zahl der Covid-Patienten "in den letzten beiden Wochen sowohl auf Intensiv- als auch Normalstationen wieder merklich gestiegen". Da zwischen einer Infektion und einer Aufnahme auf der Intensivstation in der Regel zwei bis drei Wochen vergehen, könnte sich die Situation in den Kliniken noch deutlich verschärfen.

Corona-Mutation ist leichter übertragbar: Zahl der Gestorbenen in Frankfurt steigt

Ursache dafür ist - neben möglichen Folgen der österlichen Familienzusammenkünfte - insbesondere die britische Virus-Variante B.1.1.7. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass sich mittlerweile mehr als 80 Prozent der deutschen Patienten mit dieser Mutation anstecken, die sich "noch leichter von Mensch zu Mensch überträgt" als der ursprüngliche Erreger. Zudem gibt es laut RKI "Hinweise darauf, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit in allen Altersgruppen" einhergeht. Laut Gesundheitsamt liegt Frankfurt bei der Verbreitung von B.1.1.7 im deutschlandweiten Durchschnitt.

Auch die Zahl der Gestorbenen steigt seit Mitte Februar wieder, zuletzt auf insgesamt 660 Covid-Tote seit Beginn der Pandemie. Das höchste Risiko, an Corona zu versterben, haben in Frankfurt Männer, die über 80 Jahre alt sind, gefolgt von Frauen über 80 und - sehr viel seltener - Männern zwischen 60 und 79 Jahren. Anders sieht es bei den Corona-Fällen aus. Das Risiko, zu erkranken, ist für Männer zwischen 15 und 34 Jahren am höchsten, gefolgt von Frauen über 80 und solchen zwischen 15 und 34 Jahren.

Corona in Frankfurt: Im Vergleich zu umliegenden Gemeinden geringe Inzidenz

Am Gründonnerstag waren laut Gesundheitsamt 1636 Frankfurter an Corona erkrankt, die Zahl der unentdeckten Corona-Infektionen dürfte deutlich höher liegen.

Vergleicht man die Frankfurter Inzidenz von 154 mit den umliegenden Gemeinden, haben die Frankfurter es allerdings noch recht gut getroffen. In der Stadt Offenbach liegt die Inzidenz bei 286. Auch die Landkreise Lahn-Dill mit 223 und Limburg-Weilburg mit 210 liegen über dem Frankfurter Wert. Die Städte Kassel mit 128, Wiesbaden mit 114 und Darmstadt mit 87 hingegen liegen deutlich darunter. Deutschlandweit lag die Inzidenz gestern bei 128, hessenweit bei 140.

Gesundheitsamt Frankfurt betont Risiko für Corona-Übertragungen im Privaten

Anders als gelegentlich behauptet, ist die Gefahr, sich in Bussen und Bahnen anzustecken*, relativ gering, wie eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie der TU Berlin und der Charité ergeben hat. Sie hat gezeigt, dass die Fahrzeuglüftung sowie das gezielte Öffnen von Fenstern und Türen die Aerosolkonzentration um bis zu 80 Prozent senken.

Auch das Frankfurter Gesundheitsamt betont: "Unverändert bleibt, dass ein Großteil der Übertragungen weiterhin im privaten Umfeld und in privaten Haushalten stattfinden." Deshalb sei es "unverändert wichtig", physische Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. (Sarah Bernhard) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch in einer KiTa in Frankfurt traten im Februar 2021 Infektionen mit der britischen Corona-Variante auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare