Heizkraftwerk im Gutleutviertel: In Frankfurt geht der Stromverbrauch deutlich zurück.
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Heizkraftwerk im Gutleutviertel: In Frankfurt geht der Stromverbrauch deutlich zurück.

Energieversorgung

Corona-Krise: Stromverbrauch zurückgegangen – Was passiert, wenn sich die Lage bei Mainova zuspitzt?

Mainova-Chef Alsheimer spricht im Interview über den Stromverbrauch in Corona-Zeiten, die Verantwortung für den Betrieb von Kliniken und Supermärkten und Notfall-Szenarien, falls sich die Lage noch zuspitzt.

  • Das Coronavirus* trifft die Wirtschaft in Frankfurt hart
  • Energieversorger bekommen die Corona-Krise auch zu spüren
  • Mainova-Chef Alsheimer äußert sich im Interview

Constantin Alsheimer (51) ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Energieversorgers Mainova. Er ist gelernter Bankkaufmann und promovierter Jurist. 

Frankfurt: Mainova in der Corona-Krise – Auswirkungen im Betrieb

Herr Alsheimer, wie stark trifft die Corona-Krise bereits das Geschäft von Mainova?

Wir spüren die Auswirkungen für unseren Betrieb bereits deutlich. Auch haben wir unsere internen Abläufe angepasst. Das fängt damit an, dass wir unsere Mitarbeiter nach Möglichkeit räumlich voneinander trennen. Mehr als 1000 Beschäftigte arbeiten inzwischen vom Homeoffice aus, die Büros sind also deutlich geringer belegt als sonst. Wir sind uns natürlich auch unserer Verantwortung als Betreiber kritischer Infrastrukturen in Frankfurt und der Rhein-Main-Region bewusst. So arbeiten etwa für die weiterhin zuverlässige Versorgung mit Energie in den Leitwarten nur noch geschlossene Teams, die einander auch bei der Übergabe nicht mehr persönlich begegnen. Dafür arbeiten wir mit Schleusen.

Haben Sie schon Beschäftigte kaserniert, die Sie unbedingt brauchen, um die Versorgung sicherzustellen, wie das etwa Eon ankündigt hat?

Nein, noch nicht. Wir sind aber darauf vorbereitet. Wir haben alles dafür Erforderliche in die Wege geleitet, zum Beispiel Schlafmöglichkeiten eingerichtet.

Für welchen Fall wäre eine Kasernierung nötig?

Wenn sich die Dinge weiter zuspitzen, es also substanzielle Krankheitsfälle in den Teams gibt. Dann würden wir als nächsten Schritt für die Mitarbeiter eine betriebliche Quarantäne organisieren.

Corona-Krise in Frankfurt: Stromverbrauch ist deutlich zurückgegangen

Inwiefern trifft die Krise auch schon Ihr Geschäft mit Strom, Gas, Wasser, Wärme?

Die Strommenge, die durch die Verteilnetze in Frankfurt fließt, hat merklich abgenommen. Flughafen, öffentlicher Nahverkehr, die Messe und andere Veranstaltungsorte oder auch Hotels verbrauchen deutlich weniger als sonst. Die Rechenzentren haben dagegen nun eine etwas höhere Nachfrage. Im Saldo verzeichnen wir einen Rückgang des Stromverbrauchs um fast zehn Prozent. Beim Gasbedarf sind derzeit keine signifikanten Veränderungen erkennbar. Auch der monatliche Wasserbedarf liegt auf dem Niveau des Vorjahres.

Dass nun sehr viele Beschäftigte im Homeoffice sind und Streamingdienste Konjunktur haben, gleicht also nicht aus, dass viele Unternehmen stillstehen und nur noch wenig Energie brauchen?

Genau. Je länger die Situation anhält, umso stärker dürfte der Rückgang sein. Falls der Shutdown auch nach Ostern weiter aufrechterhalten wird, rechnen wir im April mit einem Rückgang des Stromverbrauchs um bis zu 15 Prozent.

Das kostet Mainova auch richtig Geld?

Das Unternehmen

Mainova ist einer der größten regionalen Energieversorger in Deutschland. Das Unternehmen gehört zu 75 Prozent der Stadt Frankfurt. 

Wenn wir weniger Strom verkaufen, verdienen wir auch weniger. Wie stark sich das aber auf unser Ergebnis niederschlägt, bleibt abzuwarten.

Corona-Krise in Frankfurt: Zahlungsschwierigkeiten bei Mainova-Kunden

Inwieweit kommt Mainova Kunden entgegen, die nun Probleme haben, Strom, Gas und Wasser zu bezahlen?

Wir haben immer schon versucht, bei Zahlungsschwierigkeiten individuelle Lösungen zu finden, etwa Ratenzahlungen zu vereinbaren. Nun spüren wir eine leicht höhere Nachfrage, auch von größeren Kunden, nach solchen Möglichkeiten. Besonders in der aktuellen Situation stehen wir unseren Kunden beratend zur Seite, um Lösungen zu finden.

Nehmen Sie Stromsperren vor?

Aktuell sehen wir von Sperrungen bei Privatkunden und Kleinstunternehmen ab. Diese Kunden dürfen zurzeit die Zahlungen aussetzen, soweit ihre finanziellen Schwierigkeiten infolge der Corona-Krise aufgetreten sind. Uns sorgt allerdings etwas, dass aufgeschoben natürlich nicht aufgehoben heißt. Bei Kunden, die jetzt nicht zahlen, können sich die Schulden und andere Kosten auftürmen. Wir unterstützen unsere Kunden daher dabei, die staatlichen Hilfen, die es gibt, auch wahrzunehmen.

Corona-Krise in Frankfurt: Versorger sollen Lebensader weiterhin aufrechterhalten

Die Wohnungswirtschaft fordert einen „Sicher-Wohnen-Fonds“. Braucht es auch staatliche Hilfe, die sicherstellt, dass Strom und Gas weiter gezahlt werden?

Wir betreiben Lebensadern für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet und ziehen etwa über Abgaben und Umlagen auf den Strompreis hohe Beträge für den Staat ein. Es hätte niemand etwas davon, wenn Zahlungsprobleme infolge der Corona-Krise nun auf die Energieversorger verlagert würden. Insofern wäre es gut, über eine Art staatlichen Fonds sicherzustellen, dass die Versorger die Lebensadern weiterhin aufrechterhalten können.

Wie wirkt sich die Ausbreitung des Virus auf die laufenden Arbeiten aus? Sie müssen ja die Netze instandhalten, Reparaturen vornehmen, wollen die Netze ausbauen.

Wir handeln in dem Bewusstsein, dass wir die Funktionsfähigkeit von Kliniken, Haushalten, Supermärkten, des Internets – das ja schwerpunktmäßig in Frankfurt beheimatet ist – aufrechterhalten müssen. Insofern können wir uns nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Unsere Mitarbeiter sind draußen an den Netzen, um dafür zu sorgen, dass es keine Störungen gibt, die Leitwarten sind vollständig besetzt. Auch unsere Baustellen für den Netzausbau laufen weiter. Wir betreiben unser Geschäft nahezu vollständig weiter, mit ganz kleinen Ausnahmen.

Welche sind das?

Wenn zum Beispiel ein Hauseigentümer sagt, er wolle aus Sicherheitsgründen nicht, dass jetzt ein neuer Hausanschluss gelegt wird, verschieben wir die Arbeiten. Aber im Grunde sind wir weiter vollständig ausgelastet. Wir werden sicherstellen, dass die Versorgung mit Energie und Wasser wie gewohnt weitergeht.

Das Coronavirus hat Frankfurt weiterhin fest im Griff. Die Zahl der Neuinfizierten steigt und die Nachbarschaftshilfe boomt. Alle Entwicklungen zur Lage in Frankfurt gibt es im Corona-News-Ticker.

Durch die Corona-Krise in Frankfurt* drohen dramatische soziale Folgen. Die Kinderarmut könnte ansteigen. Ab Montag beginnt in Frankfurt an den Schulen nach dem Corona-Lockdown wieder schrittweise der Unterricht. Die Stadt hat einen Hygiene-Plan erarbeitet.

Interview: Christoph Manus

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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