Melinda Arnoczki und Oliver Merbach vom Friseur-Salon "Obscura" im Nordend können endlich wieder Farbroller und Pinsel gegen Schere, Kamm und Bürste tauschen. Zu renovieren gibt es langsam nichts mehr.
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Melinda Arnoczki und Oliver Merbach vom Friseur-Salon "Obscura" im Nordend können endlich wieder Farbroller und Pinsel gegen Schere, Kamm und Bürste tauschen. Zu renovieren gibt es langsam nichts mehr.

Corona-Shutdown

Frankfurt: Öffnungen ab März – Ansturm auf die Friseure kann beginnen

  • vonSabine Schramek
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Endlich wieder die Haare schön: Ab Montag sind die Salons in Frankfurt nach dem Corona-Shutdown geöffnet. Teilweise sind die ersten Wochen aber längst ausgebucht.

Frankfurt – Insgesamt vier Monate mussten Friseure in der Corona-Pandemie schließen. Zuletzt seit dem 16. Dezember, der Hauptumsatzzeit. Am Montag ist Schluss mit ausgefransten Spitzen und grauen Haaransätzen. Der Ansturm ist groß.

Oliver Merbach und Melinda Arnoczki vom Salon "Obscura" im Nordend können endlich wieder Farbroller und Pinsel gegen Schere, Kamm und Bürste tauschen. "Im ersten Lockdown haben wir den vorderen Raum renoviert, jetzt den hinteren", sagt Merbach. "Ghost"-Graffitis an der Wand und ein "Froschmassaker" an der Decke werden sorgfältig abgedeckt, sattes Grün der Hoffnung gibt dem Salon ironische Frische. "Es wird Zeit. Wir konnten uns mit Gutscheinverkäufen über Wasser halten", erzählt Merbach. Seit 21 Jahren gibt es den Salon. "Unsere Stammkunden haben uns gerettet, sonst wäre es schwierig geworden." Die Arbeit hat den beiden gefehlt. "Vor allem das Zwischenmenschliche." Jetzt geht es weiter mit reichlich Abstand, Maske und strikten Hygieneregeln.

Friseure in Frankfurt haben viel Geld für Sicherheit investiert – riesige Verluste haben sich angehäuft

Klaus Peter Ochs ist ununterbrochen unterwegs. In dritter Generation betreibt er seine neun Salons in Frankfurt. "In den vergangenen fünf Wochen haben wir sehr intensiv Geld ausgegeben, um Sicherheit für alle weit über den Anforderungen ab Montag zu bieten", sagt er und atmet tief ein. Raumluftgeräte mit Hepafiltern und Zwischenwände, 200 Schulungseinheiten für seine 80 Mitarbeiter, Newsletter und SMS-Service für Kunden und Vorbereitungen, um die Salons zweimal in der Woche zu vernebeln und natürlich mehrfach täglich zu desinfizieren.

"Vor dem Lockdown hatten wir 7000 Kunden im Monat. Sie alle betreuen wir. Das kostet viel Manpower und Logistik", sagt Ochs. "Alle sollen sich wohl und sicher fühlen. Unsere Kunden ebenso wie das Team. Deshalb haben wir Flyer gedruckt und positionieren Aufsteller, die Mitarbeiter bekommen täglich neue FFP2-Masken, Kunden weiterhin Umhänge, die nur einmal benutzt und dann vernichtet werden", erzählt er. Auch Covid-Schnelltests stellt er den Mitarbeitern zur Verfügung, damit sie sich "einmal in der Woche testen können und auch, wenn es jemandem nicht gut geht". Ochs hat an alles gedacht. "Es ist die Auswahl zwischen Teufel und Hinkefuß", sagt er. "Die Verluste von über einer Million Euro holen wir kaum mehr rein. Trotzdem wollen wir höchste Sicherheit."

Friseure in Frankfurt: Mitarbeiter leiden unter Lockdown

20 Prozent der Laufkundschaft sei zwischen den beiden Lockdowns ausgeblieben, jetzt darf nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter bedient werden. Gekündigt hat er niemandem, die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. "Das ist bitter für sie, da auch das Trinkgeld komplett ausgeblieben ist. Seit August versuchen wir, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Am Donnerstag haben wir erstmals eine Zusage über einen Zuschuss für die Fixkosten erhalten."

Privateigentum verkauft, um den Salon zu retten

Die Anmeldeseiten seiner Salons laufen heiß. "Für die ersten drei Wochen sind wir komplett ausgebucht", sagt Ochs erleichtert. "Das ist ein guter Anfang." Walk-in geht nicht, aber online-Registrierung und telefonische Vereinbarung laufen gut, seit bekannt ist, dass die 80 000 Frisiersalons in Deutschland wieder öffnen dürfen. Vor 101 Jahren hatte sein Großvater Eugen den ersten Damen- und Herren Salon mit Parfümerie in der Moselstraße eröffnet. Seit 21 Jahren ist Klaus Peter Ochs Weltpräsident der internationalen "Intercoiffure Mondial". "Ich kenne Kollegen mit mehreren Salons auf der ganzen Welt, die ihr Privateigentum verkaufen müssen, um ihre Salons zu halten", erzählt er.

Auch die Friseur- und Kosmetikinnung ist vorsichtig optimistisch. Stefan Treutel, stellvertretender Obermeister der Innung, betreibt gemeinsam mit seiner Frau Anja in Schwanheim einen Salon. "Genauso wie unsere Kunden freuen wir uns, dass es wieder losgeht", sagt er. Er hat noch Trennwände angeschafft und hat die Anmeldung telefonisch zu Hause geregelt. "Für die ersten zweieinhalb Wochen sind wir ausgebucht. Bis Weihnachten noch nicht", sagt Treutel lachend. "Ich habe Hoffnung, dass es keinen weiteren Lockdown gibt. Wir werden sehen, was passiert und arbeiten so vorausschauend, wie es möglich ist." (Sabine Schramek)

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