Abschied nehmen: Es ist eines der letzten Ebbelwei-Fässer, dass Susanne Faller im Hausener Dorfkrug angestochen hat. FOTO: enrico sauda
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Abschied nehmen: Es ist eines der letzten Ebbelwei-Fässer, dass Susanne Faller im Hausener Dorfkrug angestochen hat.

Gastronomie

„Ich wollte nicht untergehen“: Traditionslokal „Dorfkrug“ macht dicht

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Der Pachtvertrag des traditionsreichen Hausener Dorfkrug wird nicht verlängert. Die Betreiberin schließt das Restaurant nach Weihnachten.

Frankfurt – Man sieht Susanne Faller die Anstrengung und Anspannung der vergangenen Monate ein. Sie sitzt an einem der rustikalen Holztische im Hausener Dorfkrug, den sie vor fünf Jahren gepachtet hat. Vor ihr steht eine halbvolle Tasse Espresso, ihre Augen wirken müde. „Ich wollte nicht untergehen. Deshalb habe ich mich zu diesem schweren Schritt entschlossen und die Pacht für den Dorfkrug nicht verlängert“, sagt sie, trinkt einen Schluck, lehnt sich zurück, atmet tief durch und lässt ihren Blick durch den großen Gastraum schweifen. Einige Tische sind schon für den Abendbetrieb eingedeckt, andere hat sie eben erst abgeräumt.

Die vergangenen 15 Jahre hat Susanne Faller im Dorfkrug in Alt-Hausen verbracht, erst als Angestellte, dann als Pächterin. Dementsprechend schwer fällt es ihr, nun endgültig Abschied zu nehmen. „Ein lachendes Auge gibt es da nicht“, sagt sie. Im Gegenteil. Immer wieder werde sie auf die anstehende Schließung angesprochen, vor allem von Stammgästen. Manche fingen gar an zu weinen. „Und ich heule mit“, gibt Faller ganz offen zu. Denn um ihre Gäste, die sie nie im Stich gelassen, ihr auch in den schweren Zeiten der Corona-Pandemie beigestanden hätten, täte es ihr besonders leid.

Gastronomie in Frankfurt: Pachtvertrag im Traditionslokal Hausener Dorfkrug läuft aus

„Ich kann aber leider nicht mehr, als ihnen für ihre Treue und Loyalität zu danken“, sagt die 43-Jährige, die ursprünglich Steuerfachangestellte und in die Gastronomie „hineingerutscht und geblieben“ ist. Bis zu 16 Stunden habe sie täglich in der Gaststätte oder dem daran angeschlossenen Hotel verbracht und gearbeitet. Nach fünf Jahren, sagt sie, sei der Pachtvertrag mit der Krombacher Brauerei, der die Gaststätte für die Eigentümer verwaltet, ausgelaufen. „Wir konnten uns nicht einigen, ich wollte, auch wegen der Corona-Pandemie 30 Prozent weniger zahlen, die Brauerei ließ sich nur auf 10 ein. Das ist mir in den jetzigen Zeiten aber zu unsicher“, sagt die Pächterin.

Vor allem die Einnahmen des Hotels mit seinen 14 Zimmern, das bislang eine sicherere Grundlage war, seien mit der Pandemie spürbar eingebrochen. 50 Prozent Auslastung habe man normalerweise gehabt, vor allem montags bis donnerstags. Das sei „für Frankfurt richtig gut“. Hinzu kämen die Messen, wie die „Light + Building“ im Frühjahr. Doch die fiel 2020 aus, 20.000 Euro fehlten Susanne Faller dadurch. Ganz zu schweigen von der Buchmesse. Die dieses Jahr zwar stattfand, aber in deutlich kleinerem Rahmen. All das zeige sich in den Zahlen. „Ich brauche Planungssicherheit, deshalb wollte ich weniger Pacht bezahlen. Es wäre mir zu unsicher gewesen“, begründet Susanne Faller ihre Entscheidung.

Hausener Dorfkrug in Frankfurt schließt – Hotel soll bleiben

Anstrengend seien die vergangenen Monate gewesen, sagt sie. Geschriebene Dienstpläne mussten wegen veränderter Regelungen wieder umgeschrieben werden, größere Feiern wurden gebucht, dann wieder abgesagt. So auch in diesem Jahr. Weihnachtsfeiern, zumindest größere gebe es kaum. Maximal 20 Leute, sagt sie, träfen sich im Dorfkrug. „Es ist die Gesamtsituation, die mich traurig macht“, sagt sie.

An den beiden Weihnachtsfeiertagen möchte sie ein letztes Mal die Türen zum Dorfkrug auf- und dann für immer zuschließen. Derzeit gebe es wohl noch keinen Nachfolger, das Lokal, mit seiner gut-bürgerlichen Küche, mit vielen Wildgerichten, bleibe erst einmal kalt. Zumindest den Hotelbetrieb wollen die Eigentümer nahtlos weiterführen, sagt Faller.

Für die Hausener bleibt dann nur noch die Ellerfeldschänke, Alt-Hausen 29, für einen Restaurantbesuch im Stadtteil. Und Susanne Faller? Die wird erst einmal als Steuerfachangestellte arbeiten. „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere“, sagt sie und trinkt noch einen Schluck Kaffee. Dann ist die Tasse leer. (Judith Dietermann)

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