Ein Apotheker hält zur Illustration eine Mund- und Nasenschutzmaske an einem Finger.
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Run auf FFP2-Masken in Frankfurt: Apotheker wurden sogar beschimpft (Symbolbild).

Verschärfte Maskenpflicht

Ansturm auf FFP2-Masken in Frankfurt: Apotheker werden beschimpft

  • vonSabine Schramek
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Neben dem verlängerten Corona-Lockdown gilt nun auch eine schärfere Maskenpflicht. Wer in Frankfurt eine FFP2-Maske ergattern will, hat es nicht leicht.

  • Auch in Frankfurt bekommen Apotheker die verschärfte Maskenpflicht zu spüren.
  • Die Menschen „reißen sich um die Masken“, berichtet eine Verkäuferin.
  • Die Stimmung ist aufgeheizt, Apotheker erzählen sogar von Beschimpfungen.

Frankfurt – Stoffmasken sind seit Samstag (23.01.2021) in Geschäften, beim Gottesdienst und öffentlichen Verkehrsmitteln in Hessen tabu. Die Maskenpflicht bleibt. Mit FFP2, KN95 und OP-Masken, weil sie besser vor Corona schützen als die selbstgenähten. Der Run hat längst begonnen. Missverständnisse gibt es immer wieder.

Am Drehständer vom Drogeriemarkt im Hauptbahnhof hängen morgens um 10 Uhr nur noch Stoffmasken. Die anderen Haken sind leer. Die Haken, an denen FFP2- und FFP3-Masken hängen, zeigen nur noch den Hinweis, dass pro Person nur eine Packung des begehrten Mund- und Nasenschutzes verkauft wird. Und die Preise. Drei FFP3-Masken oder fünf FFP2-Masken kosten 9,99 Euro.

FFP2-Masken in Frankfurt: „Leute reißen sich um die Masken“

„Kommen Sie morgen früh um 7 Uhr wieder, dann haben Sie vielleicht Glück“, rät ein freundlicher Kassierer. Jeden Tag bekämen sie eine Lieferung. „Heute sind nur je zehn Packungen gekommen und die waren sofort weg“, sagt er. In einem anderen Drogeriemarkt gibt es noch die mäuseschnauzenförmigen Atemschutzmasken - für 9,95 für fünf Stück - in Plastik eingeschweißt. „Die Nachfrage ist seit der Bekanntgabe der neuen Regelungen gewaltig gestiegen. Am Montag haben die Leute noch Stoffmasken gekauft, jetzt raufen sie um die sichereren Masken“, erzählt eine Verkäuferin

Dass es viele Missverständnisse gibt, erleben vor allem Apotheker. Seit Mittwoch geben sie nicht nur weiterhin die jeweils sechs FFP2-Masken mit Berechtigungsschein bei 2-Euro-Zuzahlung aus, sondern beraten im Akkord zu den neuen Regelungen. „In Bayern ist FFP2 Pflicht, in Hessen werden auch die OP-Masken akzeptiert. Das haben viele aber falsch verstanden und die Leute haben Panik“, erzählt Apothekerin Simone Trummer in der neuen Altstadt in Frankfurt. „Ich rate den Kunden zu OP-Masken. Die sind deutlich günstiger und dürfen in Bussen, Bahnen, Geschäften und Gottesdiensten weiterhin getragen werden.“

FFP2-Masken in Frankfurt: Apothekerin sauer über schlechte Informationen von Jens Spahn

Sie ist sauer über die „schlechte Informationspolitik. Im Dezember haben wir Apotheker aus dem Fernsehen von Bundesminister für Gesundheit Jans Spahn erfahren, dass wir zwei Tage später Unmengen Masken ehrenamtlich verteilen müssen und sie auf eigene Kosten besorgen sollen. Finanziert wurden sie vom Nacht-Notdienstfonds. Als die Lieferungen wegen der kurzen Frist geklemmt haben, wurden wir Apotheker beschimpft.“ In ihrer Hauptapotheke auf der Zeil in Frankfurt hatte Trummer mit ihren Kollegen in drei Tagen 3600 Masken verteilt. „Das war echt heftig. Gleichzeitig hören wir uns an, dass wir uns goldene Nasen verdienen. Das ist Quatsch. Allein auf der Zeil kommt nur noch ein Drittel der Kunden - die Touristen fehlen einfach. Die Zahl der Mitarbeiter haben wir auf ein Drittel herunterfahren müssen.“

In der neuen Altstadt verkauft sie eine FFP2-Maske für 3,95 Euro, fünf Stück für 15,95 Euro. „Das ist teuer für alle, die wenig Geld haben. Normale OP-Masken kosten einen Euro das Stück und ich schätze, dass die Preise sinken werden, weil die Produktionen jetzt gut angelaufen sind.“

Apothekerin Simone Trummer von der Dom-Römer-Apotheke in der neuen Altstadt zeigt eine zertifizierte FFP2-Maske.

Corona-Schutz in Frankfurt: Beratung über FFP2-Masken im Akkord

Die Kunden machen Druck. Preise in Apotheken für die Masken variieren zwischen zwei und fünf Euro pro Stück. Die Unterschiede im Verkaufspreis erklären sich durch unterschiedliche Hersteller und auch den Kaufzeitpunkt. Auf der Kaiserstraße bezweifelt eine Kundin, dass FFP2- und KN95-Masken erlaubt sind. „Ich will die Maske, die von der Politik genehmigt ist“, schimpft sie immer wieder.

Der Apotheker bleibt ruhig und erklärt ihr zum dritten Mal die genauen Regelungen. "Beide sind erlaubt und auch OP-Masken. FFP2, die chinesische KN95 und die amerikanische N95 sind sicherer als OP-Masken und die wiederum sind sicherer als Stoffmasken." Er weist auf CE-Kennzeichnung und vierstellige Nummern hin, die sie zertifizieren. "Das geht seit Mittwoch so", sagt der Apotheker und atmet tief ein. "Die Leute sind verunsichert und wissen nicht, was sie tun sollen. Deshalb beschimpfen sie uns. Zum Glück haben wir genügend Masken auf Lager, aber es wäre einfacher, wenn die Leute weniger panisch wären."

Ansturm auf FFP2-Masken in Frankfurt: Im ersten Lockdown war's noch schlimmer

Viel schlimmer sei es allerdings beim ersten Lockdown gewesen, als es plötzlich hieß, dass Masken schützen. „Das tun sie auch, aber damals gab es so gut wie keine und sie wurden gehandelt wie Gold.“ Atemschutz, der seit Samstag in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften getragen werden muss, gibt es in Frankfurt reichlich. Selbst manche Supermärkte und Kioske haben die begehrten Masken. Die einen für 6,99 Euro für drei Stück, andere für 15,99 Euro. Manche tragen Zertifizierungen, andere nicht.

Im Bahnhofsviertel gibt es ganze Schaufenster voller KN95-Masken. Pro Stück für 1,50 Euro, 15 Stück für 12 Euro. Auf die Frage, ob und wie sie zertifiziert sind, zuckt die Verkäuferin die Schultern. „Der Chef ist nicht da. Die Masken sind gut.“ (Sabine Schramek)

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