Corona zum Trotz: Die Sorglosigkeit der Menschen in Frankfurt nimmt zu, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer.
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Corona zum Trotz: Die Sorglosigkeit der Menschen in Frankfurt nimmt zu, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer.

Klage über Sorglosigkeit

Frankfurt kurz vor Alarmstufe 4: Jetzt drohen neue Corona-Maßnahmen

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
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  • Julia Lorenz
    Julia Lorenz
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Ein Ausbruch in einer Gemeinschaftsunterkunft in Frankfurt treibt die Corona-Zahlen hoch. Doch das ist nicht das einzige Problem. In Kürze könnten deshalb neue Regeln fällig werden.

  • Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Frankfurt steigt rasant.
  • Bald könnte Frankfurt den kritischen Inzidenz-Wert von 50 erreichen.
  • Die Sorglosigkeit der Menschen nehme zu, klagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer.

+++16.10 Uhr: Frankfurt nähert sich der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen. Derzeit liegt die sogenannte 7-Tage-Inzidenz laut Stadt bei 48,5 und damit kurz vor der 4. Eskalationsstufe des Landes Hessen. Ab einem Wert von 50 greift unter anderem ein „konsequentes Beschränkungskonzept“.

„Wir befürchten, dass wir beim Infektionsgeschehen in den nächsten Tagen die Eskalationsstufe rot erreichen werden. Nachdem in der vergangenen Woche der Fokus auf einem lokal begrenzten Infektionsgeschehen lag, wird diese Woche deutlich, dass zwei Drittel der Infektionen mittlerweile im Bereich des Alltagslebens stattfinden, und nun andere Maßnahmen erforderlich sind“, sagte Stadtrat Stefan Majer.

Alarmstufe Rot: Neue Corona-Regeln für Frankfurt

Welche das sein werden, darüber will der Verwaltungsstab von Frankfurt am Dienstag (06.10.2020) beraten. „Neben den lokalen Maßnahmen für Frankfurt werden wir die Beschlüsse aus der Videokonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder aus der letzten Woche konsequent umsetzen“, sagte Majer. Auch in Frankfurt müsse deshalb damit gerechnet werden, dass bei 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche höchstens 25 Teilnehmende in öffentlichen oder angemieteten Räumen erlaubt sind. Für Feiern in privaten Räumen werde voraussichtlich eine Höchstzahl von 10 Personen dringlich empfohlen.

Corona: Frankfurt kurz vor Alarmstufe 4 – Jetzt drohen neue Maßnahmen

Update vom Montag, 05.10.2020, 12.06 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Frankfurt steigt weiter stark an. Damit nähert sich die Stadt dem kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen 7 Tagen, der neue Einschränkungen notwendig macht. Frankfurt würde dann auch Alarmstufe 4 des hessischen Eskalationskonzepts erreichen. Laut den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die 7-Tage-Inzidenz am Montag (05.10.2020, 0 Uhr) bei 47,7.

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt am Montag in Frankfurt auf 3729 an. Das sind 94 mehr als am Sonntag, als es noch insgesamt 3635 Infizierte waren. Am Montag wollen die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt beraten, welche Maßnahmen jetzt getroffen werden sollen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Corona in Frankfurt: So viele Neuinfektionen wie seit Ende März nicht mehr

Erstmeldung vom Sonntag, 04.10.2020, 20.09 Uhr: Frankfurt – So viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wie jetzt gab es in Frankfurt seit Ende März nicht mehr. Am Freitag lag die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz bei einem Wert von 41,4. Damit hat Frankfurt Phase 3 des Eskalationskonzepts der hessischen Landesregierung erreicht - zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Pandemie.

Zwar ist der Wert übers Wochenende etwas gesunken. Er lag am Sonntag bei 38,4. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) rechnet aber damit, dass der Wert am Montag wieder stark ansteigt. "Wir könnten eine Sieben-Tage-Inzidenz von bis zu 45 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreichen", sagte er am Sonntag im Gespräch mit dieser Zeitung. Und damit rückt Alarmstufe 4 immer näher. Sie gilt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern.

Corona-Hotspot in Frankfurt: 116 Menschen in einer Unterkunft im Gallus infiziert

"Das Infektionsgeschehen ist nicht in der breiten Fläche zu finden, sondern kann zu einem erheblichen Teil auf ein konkretes lokales Ereignis eingegrenzt werden", sagte Majer. Wie wir berichteten, lässt ein Corona-Ausbruch in einer Gemeinschaftsunterkunft im Gallus, in der Geflüchtete, osteuropäische EU-Bürger und Wohnsitzlose leben, den Wert in die Höhe schnellen. Bis Sonntag waren dort insgesamt 116 Bewohner, Mitarbeiter und Kontaktpersonen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Ein oder mehrere Bewohner hatten Kontakt zu dem Postverteilzentrum in Obertshausen (Landkreis Offenbach), in dem sich vor gut eineinhalb Wochen zahlreiche Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert hatten.

Die hohen Infektionszahlen in der Frankfurter Gemeinschaftsunterkunft sollen auf das Nichteinhalten der Hygieneregeln und der Maskenpflicht zurückzuführen sein. Die positiv getesteten Personen sowie Familienangehörige sind in anderen Unterkünften isoliert worden. Die Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne. Mehr als 50 Prozent der Infizierten sind asymptomatisch, manche geben leichte Beschwerden an, zwei Personen mit ausgeprägteren Beschwerden werden von Ärzten des Gesundheitsamtes regelmäßig besucht. Ein Patient mit einer schweren Grunderkrankung wird in der Uniklinik behandelt.

Steigende Corona-Infektionszahlen in Frankfurt: Weitere Maßnahmen besprochen

Zur schnellen Eindämmung des Infektionsgeschehens hat das Gesundheitsamt nach Angaben Majers alle erforderlichen Maßnahmen durchgeführt. In der betroffenen Einrichtung finden bei Bewohnern sowie den Mitarbeitern weitere Folgetestungen statt. Darüber hinaus würde das Gesundheitsamt zusammen mit dem Träger der Einrichtung unter Hinzuziehung von Sprachmittlern daran arbeiten, dass die Hygienevorschriften wie Abstandhalten, Hände waschen und die Maskenpflicht eingehalten werden.

Für ganz Frankfurt gelten bisher noch keine schärferen Corona-Maßnahmen. Am Montagvormittag wollen Stadtrat Majer, der Leiter des Gesundheitsamtes René Gottschalk sowie Antoni Walczok, der im Gesundheitsamt die Abteilung für Infektiologie leitet, das weitere Vorgehen beraten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. So hätte man sich schon vor längerer Zeit Gedanken darüber gemacht, welche Maßnahmen bei bestimmten Szenarien sinnvoll seien.

Trotz Corona: Maskenpflicht in Frankfurter Fußgängerzonen nicht notwendig

"Da schauen wir jetzt, was zur aktuellen Situation passt", sagte Majer. Details wollte er am Sonntag aber noch nicht nennen. Eine Maskenpflicht in Fußgängerzonen wie in München hält der Stadtrat derzeit allerdings nicht für notwendig. "Das bringt bei unvorsichtigem Verhalten in Restaurants und Lokalen natürlich nichts", sagte er.

Majer zeigte sich allerdings besorgt angesichts der rasant steigenden Zahlen in Frankfurt, die nicht allein auf den Corona-Ausbruch in der Gemeinschaftsunterkunft zurückzuführend sind. "Wir sehen vermehrt, dass sich die Menschen nicht mehr an die Regeln halten", sagte er. Viele würden niemanden kennen, der wegen der Lungenerkrankung im Krankenhaus behandelt werde oder gar gestorben sei. "Deshalb werden sie leichtsinniger und sorgloser. Das ist besorgniserregend", so Majer.

Corona-Ansteckungen am Arbeitsplatz oder im Sport

So komme es etwa vermehrt zu Ansteckungen in Sportvereinen, aber auch in Betrieben. Majer berichtete von einem Fall, wo Kollegen zusammen in einem Auto zum Arbeitseinsatz gefahren seien, ohne Masken zu tragen. Hinterher waren alle mit dem Virus infiziert.

Insgesamt sind in Frankfurt seit März nach Angaben des Hessischen Sozialministeriums 3635 Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden. 71 Frankfurter sind an den Folgen der Lungenerkrankung gestorben. (Von Julia Lorenz)

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