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Maske auf statt Schule zu: So lautete das Motto der vergangenen Wochen in Frankfurt. Wie lange das noch so bleibt, ist fraglich.

Corona-Pandemie

Plan B in Frankfurt: Schulen bereiten sich auf Schichtbetrieb vor

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Die Schulen in Frankfurt bereiten sich wegen Corona auf den Schichtbetrieb vor. Über die Sinnhaftigkeit des Wechselunterrichts gibt es aber unterschiedliche Ansichten.

Frankfurt ‒ Die Schulen bleiben offen - zumindest vorerst. Das hat das Bund-Länder-Gespräch Anfang der Woche ergeben. Die Ministerpräsidenten hatten sich gegen die Pläne der Bundesregierung gestellt, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Klassengrößen zu halbieren. Kommende Woche sollen erneute Gespräche geführt werden. Doch wie stehen Frankfurts Schulleiter zu einem Wechselmodell zwischen Präsenz- und Distanzunterricht?

Stadtschülerrat, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Gesamtpersonalrat der Lehrer hatten schon in der vergangenen Woche auf eine Reduzierung der Klassengrößen gepocht. Sind die Frankfurter Schulen aber darauf vorbereitet? „Ja“, sagt Hans-Ulrich Wynecken, Leiter der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen. Die Klassen sind längst in A- und B-Gruppen eingeteilt, damit die Klassengrößen reduziert und die Kinder abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet werden können.

Corona an Schulen in Frankfurt: Lieber Hausaufgaben statt Videokonferenzen

„Ich würde mir wünschen, dass solch ein Hybridmodell endlich von der Politik vorgeschrieben wird“, so Wynecken, der darin viele Vorteile sieht: auf dem Pausenhof, in den Fluren, in der Mensa, in den Klassenräumen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln würde die Personendichte schrumpfen. „Die Erfahrungen vor den Sommerferien haben gezeigt: Das Wechselmodell war besser für das Infektionsgeschehen“, sagt Wynecken, der sich auch sicher ist: „Die Reduzierung der Klassengröße würde massive Ängste abbauen, die es bei den Kollegen, den Eltern und Schülern gibt.“

Von digitalem Unterricht ist Hans-Ulrich Wynecken aber kein Freund, wie er selbst sagt. „Für die Kinder ist es eine Qual, fünf bis sechs Stunden am Tag vor dem Computerbildschirm zu sitzen“, sagt er. Zudem sei das Gymnasium gar nicht mit genügend Kameras ausgestattet. Wenn die Carl-Schurz-Schule in das Wechselmodell übergehen müsste, würden die Kinder für den Unterricht zu Hause mit Lernmaterial versorgt werden.

Schulen in Frankfurt wollen für Corona gewappnet sein

Das Gymnasium Nord in Westhausen hingegen plant derzeit einen „Digital-Tag“, an dem erprobt werden soll, wie es ist, wenn Schüler von zu Hause aus dem Unterricht digital zugeschaltet werden. Man will für alle Fälle gewappnet sein. „Das ist ein ganz neues Feld für uns, wir sind aber neugierig darauf zu experimentieren“, sagt Schulleiter Michael Haas. Er halte es für wünschenswert, den Unterricht, „solange es vertretbar ist“, in Präsenz durchzuführen. „Das ist für die Kinder das Beste“, sagt er. „Eine Klasse lebt von der Gemeinschaft und von Kontinuität.“

Ähnlich beurteilt es auch Anette Günther, Leiterin der Johanna-Tesch-Schule in Frankfurt-Bockenheim. „Kinder brauchen Kontinuität und Eltern Entlastung“, sagt sie. Deshalb würden in ihrer Schule bei einem Wechselmodell auch alle Kinder jeden Tag in Präsenz unterrichtet werden - die eine Hälfte vormittags, die andere nachmittags. Unterrichtet würden dann aber nur die Hauptfächer. Einen tage- oder wochenweisen Präsenzunterricht halte sie nur bei älteren Schülern ab Klasse 7 oder 8 für sinnvoll. „Wir sind da aber auch in einer komfortablen Situation“, sagt Günther. Die Integrierte Gesamtschule ist recht neu und befindet sich noch im Aufbau. Bisher werden in dem Schulgebäude in der Falkstraße lediglich 300 Fünft- und Sechstklässler unterrichtet. „Wir haben noch genug Platz“, sagt Günther.

Corona in der Schule: „Kinder infizieren sich untereinander“

Für die Grundschulen hält Benedikt Gehrling, Leiter der Erich-Kästner-Schule in der Nordweststadt und Sprecher der Frankfurter Grundschulleiter, einen Wechselunterricht für nicht sinnvoll und notwendig. An seiner Grundschule habe man die Erfahrung gemacht, dass die Kinder das Coronavirus nicht weitergeben. Seit März hätten sich insgesamt nur fünf Schüler mit Covid-19 infiziert. „Ich bin ein großer Anhänger davon, weiterhin zu versuchen, so viel Normalität wie möglich in die Schulen zu bringen.“

Jüngst plädierte auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für eine Halbierung der Klassengrößen - nahm die Grundschulen aber davon aus, weil die Infektionszahlen dort geringer seien. Bei den 10- bis 19-Jährigen hingegen sei die Zahl der Coronafälle derzeit ungefähr zehnmal so hoch wie während der ersten Welle im Frühjahr. „Studien zeigen, dass sich Kinder in erster Linie untereinander infizieren in der Schule und dann ihre Eltern infizieren“, sagte Lauterbach beim „Süddeutsche Zeitung Wirtschaftsgipfel“.

Die Stadtelternbeiratsvorsitzende Julia Frank wünscht sich, dass die Schulen so lange es geht Präsenzunterricht anbieten. Das würde auch der Großteil der Eltern so sehen. "Die Schulen sind auf ein Hybridmodell nicht gut vorbereitet", sagt Frank. So seien etwa noch immer nicht alle Laptops ausgeliefert worden für die Schüler, die zu Hause keine digitale Ausstattung haben. "Und es fehlt noch immer ein Konzept seitens des Ministeriums für die Reduzierung der Klassen. Da liegt noch viel Arbeit vor den Schulen." (Julia Lorenz)

Das Gesundheitsamt Frankfurt bearbeitet derweil Corona-Fälle an etlichen Schulen. An einem Gymnasium regte sich Unmut gegen die Behörde. Der Schulelternbeirat forderte mehr Transparenz.

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