Sind von dem Remmidemmi genervt und fühlen sich von der Stadt alleingelassen: Anwohner des Deutschherrnviertels. foto: faust
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Sind von dem Remmidemmi genervt und fühlen sich von der Stadt alleingelassen: Anwohner des Deutschherrnviertels.

„Situation wird ignoriert“

„Party-Hotspot“ Mainufer: Anwohnern in Frankfurt platzt jetzt der Kragen

  • vonStefanie Wehr
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Müll, Lärm und Drogen: Die Anwohner im Deutschherrnviertel haben von nächtlichem Krawall am Mainufer in Sachsenhausen die Schnauze voll. Von der Stadt Frankfurt fühlen sie sich im Stich gelassen. 

Frankfurt – "Einen Sommer wie 2020 wollen wie nicht noch einmal erleben", schreibt Miriam Heine (Name redaktionell geändert), Anwohnerin im Deutschherrnviertel. Sie spricht für die Initiative Nachbarn für Nachtruhe, ein loser Zusammenschluss aus mehr als 40 Nachbarn, der sich vergangenes Jahr gegründet hat und auch auf der gegenüberliegenden Mainseite an der Weseler Werft Mitstreiter gewonnen hat. Die Anwohner wollen den im Sommer täglichen Lärm durch Feiernde nicht mehr hinnehmen. Die Party verlagere sich zunehmend ans Mainufer, das im Schutz der Dunkelheit zum Drogenumschlagplatz geworden sei, Haschisch werde konsumiert und verkauft. Das Mainufer quelle zudem über vor Müll, seien es Pizzakartons oder Glasscherben.

Partys am Mainufer in Frankfurt: Anwohner haben genug

Was die Anwohner aber vor allem nicht mehr akzeptieren, ist, dass die Stadt Frankfurt und die Polizei kaum Wirksames dagegen unternehmen. "Die Situation am Hotspot Mainufer wird ignoriert und Partys und Randale wie am vergangenen Wochenende im Hafenpark nichts Adäquates entgegensetzt", monieren sie. "Das Gegenteil ist der Fall: Die Stadtpolizei ist nicht ausreichend ausgestattet. Nachts gibt es nur eine Streife für ganz Frankfurt".

Der Krisengipfel der Stadt am Dienstag nach der Eskalation im Hafenpark habe keine hilfreichen Ergebnisse gebracht. "Es hilft nichts, mehr Schilder aufzuhängen und Sozialarbeiter zu schicken, die an die Masken- und Abstandspflicht erinnern. Das wissen die Leute doch längst. Den Jugendlichen müssen Grenzen gesetzt werden", echauffiert sich die Sachsenhäuserin. Es ärgert sie, dass Corona von der Politik als Grund für die eskalierenden Partys - wie im Sommer am Opernplatz - vorgeschoben werde. Doch die Pandemie habe nur etwas verstärkt, das sich zuvor lange angebahnt hatte, meint die Initiative. "Das Deutschherrnviertel hat sich in den vergangenen drei Jahren sehr verändert."

Drogen und Lärm am Frankfurter Mainufer: Dazu kämen unzählige Partyboote

Am abgelegenen Hochkai, etwa zwischen den Häusern 41 und 43, hielten sich abends und bis weit in die Nacht junge Männer auf. Sie sitzen auf einer Mauer, konsumieren und tauschen Drogen, beschreibt Heine. "Sie sind laut, grölen, drehen Ghettoblaster auf, pinkeln in Büsche und auf den Spielplatz." Unzählige kleine und große Partyboote täten das Übrige, um Sommernächte unerträglich zu machen. "Ohne Ohrstöpsel geht nichts, das Fenster muss nachts verschlossen sein". Wenn man mit den Jugendlichen spreche, seien die teilweise freundlich. Manche sagten aber einfach: "Rufen Sie doch die Polizei!"

Und genau dort liege der Hund begraben: Die Polizei sei überfordert, die Jugendlichen wüssten das. "Eine Streife von zwei Mann kommt gar nicht erst, wenn dort größere Gruppen von Jugendlichen sind." Die Vorgaben für die Polizei, deeskalierend und freundlich vorzugehen, seien unangebracht. "Hier muss mal jemand sagen: Jetzt ist Schluss!"

Party-Hotspot Mainufer in Frankfurt: Briefe an die Stadt haben keinen Effekt

Heine und die Initiative haben Briefe an die Stadt, OB Peter Feldmann (SPD), die Landesregierung geschrieben. Monate später kamen die Antworten, diese seien nichts als Beschwichtigungen gewesen. OB Feldmann verwies auf das Sicherheitstelefon, Kontrollen würden "im Rahmen der Möglichkeiten" erfolgen und die Landespolizei "das Maximale" leisten.

Heine wundert sich: Die Rechtsgrundlagen seien klar, danach würde aber nicht gehandelt. "Der Aufgabe des Staates, seine Bürger zu schützen, kommen Stadt und Landesregierung nicht nach." An die Anwohner werde als Letzte gedacht. Das betreffe besonders die Planung von Kultur-Events wie die Sommerwerft oder den Mainbrückensommer. Jede Großveranstaltung an der Weseler Werft beeinträchtige auch die Anwohner gegenüber im Deutschherrnviertel.

Oft schalle den Anwohnern das Argument entgegen, sie wüssten doch, wo sie hingezogen seien, und wenn sie das "urbane Leben" nicht wollten, müssten sie eben wegziehen. "Da frage ich mich: Wo leben wir eigentlich, wenn es keinen Gemeinschaftssinn, keine Rücksichtnahme und keinen Schutz mehr gibt?" (Stefanie Wehr)

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