Gehört seit gestern fest zum Stundenplan: Schüler im Präsenzunterricht müssen zwei Mal in der Woche einen Corona-Schnelltest machen.
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Gehört seit gestern fest zum Stundenplan: Schüler im Präsenzunterricht müssen zwei Mal in der Woche einen Corona-Schnelltest machen.

Pandemie

Schulstart in Frankfurt: Aufregung um die neue Corona-Testpflicht

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Nach den Osterferien werden an den Schulen in Frankfurt Corona-Tests durchgeführt. Schulleiter erhalten anonyme Schreiben und Post vom Anwalt. Die Eltern sind verunsichert.

Frankfurt – „Haftung der Schulleitung und Lehrerschaft bei anlassloser Testung“: Mit diesen Worten ist ein Schreiben tituliert, das in den vergangenen Tagen in zahlreichen Briefkästen von Schulleitern gelandet ist. Darin werden sie aufgefordert, dass die Kinder an ihren Schulen nicht getestet werden, keine Masken tragen und keinen Abstand halten müssen. Die Corona-Tests in der Nase seien „ein körperlicher Eingriff“ und würden die Grundrechte angreifen, gegen die Würde des Menschen und die körperliche Unversehrtheit verstoßen.

Das Schreiben stammt von einer Rechtsanwältin aus Baden-Württemberg, die auf ihren Kanälen beim Nachrichtendienst Telegram Ansichten der „Querdenken“-Bewegung verbreitet und Eltern dazu auffordert, sich gegen die Tests der Schüler zu wehren und ihren Brief an die Schulen weiterzuleiten.

Corona: Schulstart nach den Osterferien - Eltern und Lehrer sind verunsichert

Seit Montag (19.04.2021) sind die Osterferien in Frankfurt vorbei. Weiterhin werden die Kinder und Jugendlichen ab der Jahrgangsstufe 7 - mit Ausnahme der Abschlussklassen - auf Distanz, sprich: zu Hause, unterrichtet werden. Für alle anderen gelten Wechselunterricht und Testpflicht.

Marianne Schmitt (Name von der Redaktion geändert), Leiterin einer Grundschule, hat ebenfalls das Schreiben der Anwältin per E-Mail am Freitag vergangener Woche (16.04.2021) erhalten - im Anhang ein Urteil des Amtsgerichts Weimar vom 8. April, in dem die Maskenpflicht und das Testen in den Schulen als Gefährdung des Kindeswohls erachtet werden. Ein gleiches Schreiben hätte sie dann auch noch im Briefkasten vorgefunden. "Das verunsichert natürlich erst einmal und ist nicht schön", sagt Schmitt. Dadurch könnten Kollegen verängstigt werden. Sie selbst hätte die Lehrer ihrer Schule auf die Existenz des Briefes hingewiesen und ihnen geraten, diesen nicht ernst zu nehmen. "Ich lasse mich davon nicht beirren und einschüchtern. Ansonsten haben diese Menschen ja erreicht, was sie wollen", sagt Schmitt. "Wir haben eine klare Vorgabe unseres Dienstherrn, und die befolgen wir."

Verwirrung um Corona-Tests an Schulen in Frankfurt: Schulamt unterstützt

Im Staatlichen Schulamt weiß man von diesen und ähnlichen Briefen, die von Anwälten an die Schulleitungen geschickt werden. "Wir lassen diese gerade von unseren Juristen prüfen", sagt Amtsleiterin Evelin Spyra. "Die Schulen werden eine Unterstützung von uns bekommen, wie sie damit umgehen sollen." Bis dahin sollen die Schulleitungen die Briefe am besten einfach ignorieren. Ansonsten sei der erste Tag nach den Ferien "im Großen und Ganzen" gut angelaufen. "Natürlich war das alles aufregend", sagt Spyra. Hier und da hätte die Durchführung der Corona-Tests auch mal länger gedauert oder Einverständniserklärungen der Eltern seien zu Hause vergessen worden. "Aber das wird sich alles einspielen."

Dieser Ansicht ist auch der Sprecher von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Er weist darauf hin, dass Eltern ihre Kinder auch von der Präsenzpflicht befreien können, wenn sie diese gar nicht testen lassen wollen. Und: "Wir zwingen niemanden zu einem Test in der Schule", so Philipp Bender. Das sei zwar "der unkomplizierteste Weg", die Schüler könnten aber auch einen Bürgertest in einem der zahlreichen Testzentren machen. Dieser dürfe nur nicht älter als 72 Stunden sein.

Frankfurt: Corona-Tests an Schulen sind willkommen, die Durchführung aber nicht

Davon Gebrauch gemacht hat der achtjährige Sohn von Anna Fuks. Die Mutter will nicht, dass ihr Kind in der Schule getestet wird. „Grundsätzlich finde ich Testen gut“, sagt Fuks. „So können Infektionsketten unterbrochen und die Ansteckung anderer verhindert werden.“ Die Art und Weise jedoch, wie in den Schulen getestet wird, nämlich im Klassenverband, gefällt der Mutter ganz und gar nicht. Sie erinnere dies an ihre Schulzeit in der ehemaligen Sowjetunion, wo sich die Kinder regelmäßig in einer Reihe aufstellen mussten und nach Läusen untersucht wurden. „Das Gefühl dabei möchte ich meinem Sohn ersparen“, sagt Fuks.

Deshalb hat sie sich mit einem Brief an den hessischen Kultusminister gewandt. Darin heißt es: „Bei einer kollektiven Testung werden die Privatsphäre, Anonymität und der Datenschutz missachtet.“ Ganz davon abgesehen würde das Testen auf Kosten der Unterrichtszeit geschehen. Mit dieser Ansicht ist die Mutter nicht alleine. Im Internet gibt es einige Petitionen gegen die Teststrategie, zudem protestieren seit gestern für eine Woche Eltern täglich von 16.30 Uhr an vor dem Kultusministerium in Wiesbaden.

Corona-Tests an Schulen: Privatsphäre der Kinder soll gewahrt bleiben

Anna Fuks wünscht sich, dass die Kinder "in einem geschützten Raum" und falls gewünscht in Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten vormittags oder nachmittags getestet werden. "So kann die Privatsphäre des Kindes gewahrt bleiben und das Kind kann im Fall eines positiven Testergebnisses von seinen Eltern aufgefangen werden", schreibt die Mutter, die davon berichtet, dass die Durchführung der Tests in der Schule ihres Sohnes am Montag zwei Unterrichtsstunden Zeit in Anspruch genommen hätte.

An der Schule von Marianne Schmitt hat dies schneller geklappt. "Bei uns hat das am ersten Tag sehr gut funktioniert", berichtet sie. Nach 15 Minuten sei alles erledigt gewesen. Dann konnte der Unterricht beginnen. "Und für die Kinder war die Sache damit erledigt." Alle Tests waren negativ. (Julia Lorenz)

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