Leer wie hier werden viele Klassenräume auch nach den Osterferien bleiben. Für tausende Frankfurter Schüler geht der Distanzunterricht weiter. Nur Abschlussklassen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 erhalten Wechselunterricht. Foto: Frank Rumpenhorst/DPA
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Leer wie hier werden viele Klassenräume auch nach den Osterferien bleiben. Für tausende Frankfurter Schüler geht der Distanzunterricht weiter. Nur Abschlussklassen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 erhalten Wechselunterricht.

Schule während Corona

Corona in Frankfurt: Kein normaler Schulbetrieb in Sicht

  • Stefanie Liedtke
    vonStefanie Liedtke
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In Frankfurter Schulen laufen trotz Corona-Testpflicht Distanz- und Wechselunterricht sowie Homeschooling weiter. Das stößt auf reichlich Kritik.

Frankfurt – Die Osterferien neigen sich dem Ende zu, in die Schule gehen dürfen tausende Frankfurter Schüler am Montag trotzdem nicht. Für Kinder und Jugendliche ab der Jahrgangsstufe 7 - mit Ausnahme der Abschlussklassen - gilt nach wie vor Distanzunterricht, für alle anderen Testpflicht und Wechselunterricht.

Einer, der dieser Situation gelassen entgegenblickt, ist Gerrit Ulmke, Leiter der Helmholtzschule. Mit den Corona-Schnelltests haben er und sein Kollegium schon Erfahrung. Als eine von 20 Pilotschulen hat das Helmholtz-Gymnasium das Prozedere bereits vor den Ferien getestet. "Das lief reibungslos", schildert Ulmke. Er erwartet, "dass da nach den Ferien eine große Routine einsetzt". Zwei, drei Minuten zu Unterrichtsbeginn, länger werde es nicht dauern, bis alle den Test gemacht hätten. Während Schüler und Lehrer auf die Testergebnisse warteten, werde der Unterricht ganz normal anlaufen, schätzt der Direktor.

Frankfurter Schulleiter in Corona-Pandemie: "Viel Unzufriedenheit"

Auch dass für den Großteil seiner Schüler der Distanzunterricht fortgesetzt wird, sieht Ulmke gelassen. Angesichts der Fallzahlen habe er nichts anderes erwartet, und das digitale Lernen habe sich längst eingespielt. "Natürlich hätten wir gerne alle Schüler wieder an der Schule." Aber, so Ulmke: Wenn es nicht anders gehe, sei auch digitales Lernen durchaus machbar.

Von "viel Unzufriedenheit" spricht hingegen Benedikt Gehrling, Leiter der Erich-Kästner-Schule und Sprecher der Frankfurter Grundschulleiter. "Nach 13 Monaten Pandemie immer noch dasselbe Instrument in die Hand zu nehmen wie nach vier Wochen, das ist sehr unbefriedigend", kritisiert er, dass nach wie vor kein auch nur ansatzweise normaler Schulbetrieb möglich ist. "Ich sehe langsam nicht mehr, wie wir unseren Kernauftrag erfüllen sollen."

Corona in Frankfurt: Wechselunterricht in den Grundschulen

Auch verstehe er nicht, "welche Rolle die Schulen überhaupt in der Pandemie spielen". An seiner Schule habe es in den vergangenen 13 Monaten zwar 13 Coronafälle bei Schülern gegeben, aber keines dieser Kinder habe sich in der Schule angesteckt. Und keines habe die Infektion an Klassenkameraden weitergegeben.

Dennoch bleibt es beim Wechselunterricht in den Grundschulen. "Von den wenigen Stunden gehen nun auch noch zwei Stunden pro Woche und Gruppe für die Schnelltests drauf, zumindest am Anfang", befürchtet Gehrling. Natürlich werde sich das einspielen, und doch hadert der Rektor damit, dass die Pandemie auf den Schultern der Kleinsten ausgetragen werde - "dabei ist es nicht ihre Krankheit, es ist nicht ihr Thema. Wir als Gesellschaft dürfen das nicht weiter auf ihnen abladen."

Frankfurter Abgeordnete zu Corona: Hessische Lösung für Schulen „enttäuschend“

Ähnlich sieht das die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann (CDU), die die hessische Lösung als "enttäuschend" bezeichnet und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht fordert. "Schulen und Kindertagesstätten sind überschaubare Einrichtungen mit festen Gruppen. Sie mit engmaschigen Selbsttests zu schützen und das Infektionsgeschehen hier zu kontrollieren, ist organisatorisch einfach und vergleichsweise billig - allemal mit Blick auf die gravierend gestiegenen psycho-sozialen Folgen des Lockdown", kritisiert Wiesmann.

Auch die Vorsitzende des Stadtelternbeirates, Julia Frank, hätte sich "mehr gewünscht", vor allem für die Schüler ab der Jahrgangsstufe 7, die nach wie vor nur digital unterrichtet werden. "Das ist ein Riesenproblem", sagt Frank. Dabei gehe es nicht nur um den Schulstoff, sondern auch um die sozialen Kontakte, die für Kinder und Jugendliche in diesem Alter immens wichtig seien. Und nicht zuletzt gehe es um den Familienfrieden. "Wenn alle monatelang nur zu Hause sitzen, stößt auch die gesündeste Familie irgendwann an ihre Grenzen. Die Eltern sind einfach erschöpft", sagt Frank.

Corona in Frankfurt: GEW fordert Corona-Tests zuhause statt in der Schule

Mit dem von der Landesregierung vorgelegten Testkonzept indes ist Frank zufrieden: "Grundsätzlich ist das die bestmögliche Lösung", weil sie im Grunde allen entgegenkomme. Eltern, die schon länger forderten, die Präsenzpflicht aufzuheben, hätten nun die Möglichkeit, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Mütter und Väter, die auch ohne Testpflicht bereit gewesen wären, ihre Kinder testen zu lassen, seien zufrieden, dass die Tests nun für alle verbindlich sind.

Und Eltern, die gefordert hatten, die Tests zu Hause durchzuführen statt in der Schule, hätten die Möglichkeit, das Ergebnis des kostenlosen Bürgertests ihres Kindes vorzulegen, sofern der Test nicht mehr als 72 Stunden zurückliegt. Heißt: Wer nicht möchte, dass sein Kind am Montag in der Schule einen Corona-Schnelltest macht, kann am Samstag im Testcenter vorbeischauen und das negative Testergebnis am Montag in der Schule vorlegen.

Die Lehrergewerkschaft GEW spricht sich dafür aus, die Corona-Tests für Schulkinder zu Hause und nicht in der Schule durchzuführen. Damit wäre gewährleistet, dass mit dem Coronavirus infizierte Kinder gar nicht erst in die Schule kommen, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Wiedwald. Für die Verlängerung des Homeschoolings ab Klasse 7 äußerte sie Verständnis angesichts der aktuellen Corona-Zahlen. Kinder im Homeschooling benötigten aber mehr Unterstützung. Dafür sei zusätzliches Personal nötig. Unbürokratisch könnten dafür auch Studenten eingesetzt werden, schlug Wiedwald vor. (Stefanie Liedtke)

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