Seit der Corona-Pandemie suchen die Menschen vermehrt Erholung in den Schwanheimer Dünen - ohne Rücksicht auf Flora und Fauna.
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Seit der Corona-Pandemie suchen die Menschen vermehrt Erholung in den Schwanheimer Dünen - ohne Rücksicht auf Flora und Fauna.

Naturschützer entsetzt

Schwanheimer Dünen in Gefahr: Nester zerstört, Müll zurück gelassen

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Im Frankfurter Naturschutzgebiet hinterlassen Erholungssuchende Spuren. Müll bleibt Liegen, Tiere werden gestört. Die Kontrolleure sagen: „Die Leute wissen genau, was erlaubt ist und was nicht.“

  • In den Corona-Monaten ist der Andrang in den Schwanheimer Dünen in Frankfurt riesig
  • Einige Besucher benehmen sich in dem Naturschutzgebiet massiv daneben
  • Müll bleibt liegen, Tiere werden gestört, unerlaubt Picknicks finden statt

Frankfurt – Als Landschaftslotse Torsten Jens Ende April, zu Hochzeiten des Corona-Lockdowns, das erste Mal in die Schwanheimer Düne kam, war er schockiert: Menschen saßen in der empfindlichen Vegetation des Naturschutzgebiet im Silbergras, picknickten, ließen Hunde laufen, genossen die Sonne. "Eigentlich eine Idylle", sagt Jens, "aber es ist nun mal ein Naturschutzgebiet."

Frankfurt: Aufgrund von Corona zu viel Andrang in den Schwanheimer Dünen

Weil festgestellt worden ist, dass sich die Menschen nicht dementsprechend verhalten, ist die Naturschule Hessen, für die Torsten Jens eigentlich seit mehr als einem Dutzend Jahren am Alten Flugplatz in Bonames tätig ist, vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt beauftragt worden, nach dem Rechten zu sehen. Heidi Wieduwilt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), seit 38 Jahren im Auftrag des RP Schutzgebietsbeauftragte für die Düne, konnte den Andrang der Menschen, die in Corona-Zeiten einen Platz zum Durchatmen suchten, nicht mehr bewältigen: "Ich gehe nicht mehr an Wochenenden und abends in die Düne - ich ertrage es nicht", sagt sie.

Corona schadet Schwanheimer Dünen in Frankfurt: „Würde mir wünschen, dass auch bestraft wird“

Menschen verlassen die Bohlenwege, die zum Schutz der empfindlichen Vegetation angelegt worden sind, legen ihre Handtücher in den Sand, tragen wie am Strand Sonnencreme auf. Unter ihren Füßen, den Handtüchern und Decken sterben empfindliche Flechten, die nur einen Millimeter im Jahr wachsen, und ihre Hunde schrecken Rebhuhn und Wiesenpieper von ihren Gelegen. Mit Stöcken wird in Nistkästen herumgestochert, es werden Gelege ausgeräumt, und auch der Müll bleibt zurück.

Corona in Frankfurt: Schwanheimer Dünen in Gefahr

Torsten Jens ist seit Ende April in der Düne unterwegs - vorrangig am Wochenende und abends. "Die Leute wissen genau, was erlaubt ist und was nicht", sagt er - das merkt er, wenn er die Umweltsünder anspricht. Mit ihm zu diskutieren habe keiner versucht. Doch der Landschaftslotse hat keine hoheitlichen Befugnisse - er kann, wie ein Lotse, nur den Weg weisen. "Ich würde mir wünschen, dass nicht nur appelliert, sondern auch bestraft wird", sagt Heidi Wieduwilt.

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Frankfurt: Ordnungswidrigkeiten in den Schwanheimer Dünen kosten bis zu 100 000 Euro

Das kann auch passieren: Das Dezernat von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hat das Ordnungsdezernat um Hilfe gebeten, und die Ordnungspolizisten haben die Befugnis, Personalien aufzunehmen und Anzeigen zu schreiben. Ordnungswidrigkeiten können mit einer Buße von bis zu 100 000 Euro geahndet werden - theoretisch. Aber auch der nicht angeleinte Hund geht spätestens beim dritten Erwischtwerden richtig ins Geld.

Schwanheimer Dünen in Frankfurt: Corona-Regeln sorgen für Ärger

Doch allzu oft können sie nicht in der Düne sein. Der Lotsen-Auftrag Torsten Jens' läuft noch bis Ende der Sommerferien. Mit der Lockerung der Corona-Regeln habe sich die Lage schon etwas entspannt, findet er: "Ganz schlimm war es an Vatertag. Jetzt gehen die Leute eben zum Feiern auf den Opernplatz."

Durch die Düne verlaufen zwei Wege, in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung, die sich in der Mitte kreuzen und in den sandigen Bereichen seit 1999 mit Holzbohlen befestigt sind. Der Bohlenweg ist 2016 von der Stadt mit Unterstützung der Infraserv Höchst saniert worden, der Betreibergesellschaft des angrenzenden Industrieparks.

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