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„Das ist eine Welle“: Kein sorgloser Corona-Sommer in Frankfurt

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Von: Sarah Bernhard

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Corona-Schutz ade: Der weitgehende Wegfall der Maskenpflicht sorgt dafür, dass sich Corona bestens verbreiten kann. So ist die Sommerwelle längst über Frankfurt hereingeschwappt.
Corona-Schutz ade: Der weitgehende Wegfall der Maskenpflicht sorgt dafür, dass sich Corona bestens verbreiten kann. So ist die Sommerwelle längst über Frankfurt hereingeschwappt. © picture alliance/dpa

Andernorts wird sie befürchtet, in Frankfurt ist die Sommerwelle schon da. Steigende Corona-Zahlen und eine Omikron-Variante setzen das Gesundheitsamt in Alarmbereitschaft.

Frankfurt – Ein gänzlich sorgloser Sommer steht den Frankfurtern wohl nicht bevor: Corona macht dem einmal mehr ein Strich durch die Rechnung. Seit ihrem Jahrestief von 218 am 7. Juni steigt die 7-Tage-Inzidenz in Frankfurt wieder und lag gestern bei 676. „Das ist mehr als ein Trend, das ist eine Welle“, sagt Wiebke Reimann, Sprecherin des Gesundheitsamts. Immerhin: Vom Jahresmittelwert von 902 sind wir noch weit entfernt, von der Maximal-Inzidenz von 2464 am 8. Februar dieses Jahres sowieso.

Grund für den Anstieg ist zum einen, dass fast alle Hygienemaßnahmen mittlerweile ausgelaufen sind, sodass Masken jetzt nur noch in medizinischen Einrichtungen und im öffentlichen Nah- und Fernverkehr getragen werden müssen. Zudem setze sich, so Reimann, gerade die Omikron-Variante BA.5 durch, die noch etwas ansteckender ist als ihre Vorgänger.

Kaum noch Masken in Frankfurt: Übertragungen laufen nahezu ungebremst

Zwar wird die Verbreitung der verschiedenen Varianten für Frankfurt nicht gesondert erhoben, sie entspreche aber wohl in etwa dem bundesweiten Wert: Der Anteil von BA.5 hat sich jüngst wöchentlich verdoppelt und lag in der vergangenen Woche bei 24 Prozent, "sodass er jetzt deutlich über 50 Prozent liegen sollte", erklärt Reimann weiter.

Die gute Nachricht: Schwere Verläufe sind weiterhin eher selten: 18 Personen wurden am Donnerstag (23. Juni) mit einer Corona-Erkrankung auf den Frankfurter Intensivstationen behandelt, vier von ihnen mussten invasiv beatmet werden. Auch dieser Wert ist vergleichsweise niedrig, der Anstieg weit weniger steil als jener der Inzidenz. Reimann bestätigt: "Die Krankheitsschwere ist durch BA.5 den Erfahrungen anderer Länder wie Portugal zufolge nicht ausgeprägter als durch BA.1 oder BA.2."

Corona-Sommer in Frankfurt: Eine gute Nachricht gibt es

Um problemlos durch die Sommerwelle zu kommen, sollte man in großen Menschenmengen und auf engem Raum weiterhin freiwillig eine Maske tragen, rät Reimann - eben genau weil BA.5 dem Immunsystem so oft entwischt. Das Gesundheitsamt rät Menschen über 70 Jahren, den Bewohnern von Seniorenheimen, Menschen mit Immunschwäche und den Mitarbeitern medizinischer Einrichtungen in Anlehnung an die Empfehlungen der Stiko dennoch weiterhin zu einer zweiten Booster-Impfung, da Covid dann oft milder verläuft.

Die Impfbereitschaft der Frankfurter lässt allerdings immer mehr nach: In der vergangenen Woche ließen sich in den Frankfurter Impfzentren nur knapp 500 Menschen impfen, 152 Impfungen wurden von mobilen Teams durchgeführt. In Wochen ohne Feiertage lagen die Zahlen etwas höher, doch Rekordwerte wie Ende 2021, als teilweise mehr als 5000 Menschen pro Woche durchs Impfzentrum geschleust wurden, werden schon lange nicht mehr erreicht. Unter anderem deshalb plant der Bund eine neue Impfkampagne.

Frankfurt: Zweiter Corona-Booster für alle über 70 im Sommer

Zum Monatsende wird sich wohl auch die Situation bei den kostenlosen Bürgertests ändern. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am Donnerstag angekündigt, Tests nur noch für bestimmte Bereiche finanzieren zu wollen, etwa für Krankenhaus- oder Pflegeheimbesucher oder Menschen mit Corona-Symptomen. Während die kommunalen Spitzenverbände diesen Plan ablehnen, weil die Bürgertests für die Kommunen „ein erstes Frühwarnsystem“ darstellten, unterstützt das Frankfurter Gesundheitsamt die Position Lauterbachs.

„Die kostenlosen Bürgertests sind gesamtgesellschaftlich sehr teuer. Sie ersetzen nicht die Prävention. Zudem sind zuverlässige Selbsttests inzwischen weit verbreitet“, sagt Reimann. Zeitweise musste der Bund bis zu einer Milliarde Euro pro Monat für die Finanzierung der Bürgertests aufwenden. Pro Schnelltest bekommt ein Betreiber laut Coronavirus-Testverordnung 3,50 Euro, allein in Frankfurt gibt es knapp 200 Testzentren. (Sarah Bernhard)

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