Von Anfang an schlecht ausgelastet war das Stadthaus als Veranstaltungsort. 2019 stieg die Nachfrage, dann kam Corona.	Foto: Boris Roessler/DPA
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Von Anfang an schlecht ausgelastet war das Stadthaus als Veranstaltungsort. 2019 stieg die Nachfrage, dann kam Corona.

"Nur für ein bestimmtes Klientel"

Luxuriöser Treffpunkt wird kaum genutzt: Teures Stadthaus in der neuen Altstadt verwaist 

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Vor der Pandemie verzeichnete die Stadt Frankfurt in dem luxuriösen Treffpunkt immerhin eine leicht steigende Auslastung. Jetzt ist ausgerechnet die Linke gegen die aktuelle Betreiber-Lösung, obwohl damit just Behinderte einer Reha-Werkstatt in Lohn und Brot kommen.

Frankfurt - Unter den Folgen der Corona-Pandemie leidet auch das Stadthaus in der neuen Altstadt. Denn es steht wieder öfter leer, statt für Veranstaltungen genutzt zu werden. Dabei war die Lage vor Beginn der Pandemie offenbar gerade besser geworden.

Wunderschön, aber unpraktisch, teuer, kaum genutzt - das waren die ersten Eindrücke aus dem Stadthaus am Markt, nachdem es Mitte 2016 als erstes Haus in der neuen Altstadt eröffnet wurde. Bis zu 3500 Euro Tagesmiete für gewerbliche, 1500 für nichtgewerbliche Mieter verlangte die Stadt - so war doppeldeutig, dass sie es als "Juwel" des Neubaus des Dom/Römer-Areals direkt neben dem Dom bewarb.

Frankfurt: Seit Corona-Pandemie nur wenige Veranstaltungen im Stadthaus

Angesichts der enormen Mietpreise hielt sich die Nutzung anfangs in engen Grenzen. Und mit der Corona-Pandemie sei die Nutzung aktuell wieder gering, räumt Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im Römer ein. Veranstaltungen seien in großer Zahl abgesagt worden, wenngleich es inzwischen wieder besser werde. Etwa jeden dritten Tag werde das Stadthaus genutzt.

"Nur für ein bestimmtes Klientel" sei das Stadthaus ausgerichtet, kritisiert dagegen Eyyup Yilmaz (Linke). Angesichts der horrenden Miete sei es "kein Wunder, dass das Stadthaus immer noch leer steht". Er fordert, die Stadt solle das Haus lieber "für soziale Zwecke nutzen". BFF-Fraktionsvorsitzender Mathias Mund schlägt zudem vor, die Bewirtschaftung "in kompetentere Hände zu legen" und denkt dabei an die städtische Saalbau-GmbH.

Die Miethöhe sei nicht das Problem, widerspricht Schneider. Die sei ja im vorigen Jahr gesenkt worden mit neuen Rabatten für Aufbautage sowie für mehrtägige Veranstaltungen. Dadurch habe sich die Auslastung erheblich verbessert: von 25 Veranstaltungen im Jahr 2018 auf 55 Veranstaltungen im Jahr 2019; einige davon über mehrere Tage laufend.

Stadthaus in Frankfurt: Betreiber wirtschaftet 2019 kostendeckend

"Zurzeit finden wegen Corona viele Veranstaltungen einfach nicht statt", erklärt Jan Schneider. "Das hat nichts mit dem Stadthaus zu tun, das ist für alle Veranstaltungsräume und fast die ganze Gastronomie schwierig." Michael Müller (Linke) wertet das als Ablenkungsmanöver. Das Haus habe auch schon vor Corona "viel zu oft leer" gestanden. "Das Stadthaus haben Sie schon selber verbockt", greift er Schneider an.

Der Dezernent widerspricht erneut: Nach der Mietsenkung im vorigen Jahr habe sich die Auslastung sehr positiv entwickelt, so dass sich das Stadthaus sogar finanziell selbst getragen habe. Die Stadt habe deshalb für 2019 keine Zuschüsse mehr zahlen müssen.

Frankfurt: Representative Räumlichkeit soll Römer entlasten - Kritik an Stadthaus

Eine andere Nutzung des Gebäudes lehnt der Dezernent ebenso ab. Es sei bewusst "ganz speziell" angelegt worden, um den darunter liegenden, archäologischen Garten zu sichern und einzubinden. Die Stadt habe es nicht als "Saalbau Innenstadt" gebaut, sondern als repräsentative Räumlichkeit, die auch den Römer entlasten solle. Der sei mit mehr als 700 Veranstaltungen pro Jahr völlig überlastet. Dann solle die Stadt das aber auch machen, fordert BFF-Fraktionschef Mund, und mehr eigene Veranstaltungen ins Stadthaus verlegen.

Eine Lanze für den Betreiber, die Reha-Werkstatt Lectron des Frankfurter Vereins, bricht Uli Baier (Grüne). Bewusst hätten die Stadtverordneten dem Projekt mit Behinderten den Vorzug gegeben. Lob zollt auch Jan Schneider der Lectron: Das Stadthaus sei mit seiner eingeschränkten Nutzbarkeit "eine Herausforderung für Veranstalter". Die Lectron habe es trotzdem "mit viel Engagement geschafft, kostendeckend zu arbeiten". Dagegen kritisiert der Dezernent die Forderung von Eyyup Yilmaz: "Ausgerechnet die Linke will nicht, dass hier Behinderte in Lohn und Brot kommen." (Von Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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