Das Hotel „25hours“ im Bahnhofsviertel in Frankfurt vermietet in der Corona-Krise Zimmer an Studenten.
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Das Hotel „25hours“ im Bahnhofsviertel in Frankfurt vermietet in der Corona-Krise Zimmer an Studenten. Ein Fahrrad ist im Angebot enthalten, Monatspreis: 900 Euro. Bislang hat Hotelchef Tim Döhring noch keinen entsprechenden Mietvertrag abgeschlossen.

Angespannte Wohnungssituation

Corona-Krise in Frankfurt: Hotels vermieten dauerhaft an Studenten

  • Thomas J. Schmidt
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Auch in diesem Semester werden viele Studierende wieder von zu Hause aus studieren. Die Wohnsituation ist dennoch angespannt. Das hat die Frankfurter Hoteliers auf eine Idee gebracht.

Frankfurt - Das zweite Semester im Zeichen von Corona startet in wenigen Wochen - nicht wie sonst Mitte Oktober, sondern Anfang November. Goethe-Universität und University of Applied Sciences (UAS, vormals Fachhochschule) rechnen mit etwa so vielen Studenten wie im vorigen Wintersemester: Die Universität mit 45 000, davon 8000 Erstsemester, die UAS mit etwa 15 700 Studenten. Von ihnen haben sich bereits etwa 13 600 zurückgemeldet, davon 1244 Erstsemester.

Präsenz nur für Erstis und die, die ihren Abschluss machen

Und wie im vorigen Semester bleibt's in ganz Hessen beim Fernstudium. Lediglich für die Studienanfänger und für diejenigen, die ihr Studium abschließen, sind Präsenzveranstaltungen vorgesehen, daneben auch in den Laboren. "Das Wichtigste bleibt, dass wir unsere Studenten nicht abhängen", sagte Prof. Birgitta Wolff, die derzeit Sprecherin der hessischen Hochschulrektorenkonferenz ist und der Goethe-Uni vorsteht. Die Bedingungen für dieses zweite "Hybridsemester" seien besser als im Frühjahr. Man habe aus den Erfahrungen gelernt und sei besser gerüstet als zu Beginn der Pandemie.

Pandemie verhindert "Feldlager"

Die Wohnraumsituation bleibt angespannt. Zwar ist einerseits zu vermuten, dass mehr Studenten zu Hause bleiben können, weil die Präsenztage reduziert sind, gewissermaßen ein Fernstudium absolviert werden kann. Andererseits fürchtet Kyra Beninga, Vorsitzende des Asta der Goethe-Uni, dass es weniger Angebote zur klassischen Untermiete geben könnte als im Vorjahr, weil gerade ältere Vermieter Angst vor der Corona-Infektion haben könnten. "Wir werden in diesem Jahr kein Feldlager im Studentenhaus anbieten können", sagte sie, aus genau den hygienischen Gründen, die das gesamte Hochschulleben prägen. "Aber wir planen eine Online-Vortragsreihe zum Thema Wohnungsnot. Wir sind auf jeden Fall weiter dran, trotz Corona."

16 Prozent weniger Bewerber beim Studentenwerk

Das Studentenwerk Frankfurt verzeichnet eine etwas geringere Nachfrage nach Plätzen in Studentenwohnheimen. Bis Ende September waren im Gesamtjahr 16 Prozent weniger Bewerber beim Studentenwerk eingegangen, drastisch weniger Bewerbungen seit Mai. Dieser Trend hatte sich bis August fortgesetzt. Im September allerdings haben sich wieder so viele Studieninteressierte auf einen Platz im Wohnheim beworben wie im Vorjahr, sagt Holger Weiß vom Studentenwerk. Auf der Warteliste für eines der wenigen Zimmer - nur rund sieben Prozent der Studenten können mit einem Wohnheimplatz versorgt werden - standen am 20. September 2354 Interessenten. Im Vorjahr waren es 3103.

"Die Nachfrage", so Weiß, "übersteigt das Angebot so stark, dass auch ausbleibende Gaststudenten aus dem Ausland es nicht kompensieren." Sie fragen ja keine Zimmer in Frankfurt nach. Normalerweise werden 40 Prozent der Wohnheimzimmer an Gaststudenten vergeben.

Private Wohnungsangebote sind gestiegen

Der Trend geht auch in die gegenläufige Richtung, wie Weiß erläutert: "Viele Studenten aus dem Inland werden ihrerseits auch auf ein Auslandsstudium verzichten und selbst sonst verfügbaren Wohnraum beanspruchen. Gerade zum Start des Wintersemesters wird deshalb auch der Mangel an preiswertem Wohnraum wieder proportional ansteigen." Vor einer Woche ist die Wohnraumkampagne des Studentenwerks gestartet, ab heute werden Spots im Hörfunk das Ganze unterstützen. Immerhin bestätigt sich der von der Asta-Vorsitzenden befürchtete Trend bislang nicht: "Bisher hat die Anzahl der privaten Wohnraumangebote im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent zugelegt", sagte der Sprecher des Studentenwerks.

Hoteliers setzen auf Studenten als Zielgruppe

Hingegen hat die Corona-Pandemie andere Folgen gezeitigt: Leere Zimmer und fehlende Gäste zwingen die Hoteliers zum Umdenken. So bietet das Hotel 25hours in der Niddastraße Studentenwohnen an. "Wir vermieten die großen Zimmer, 24 an der Zahl, an Langzeitmieter", sagt Leiter Tim Döhring. Zum Service gehören Leihräder, die Möglichkeit, den Hotel-Mini zu nutzen, es gibt Co-Working-Möglichkeiten, Küchen fürs gemeinsame Kochen und kostenlose Nutzung der Minibar. Allerdings waren in der Vorwoche noch keine Studenten eingemietet. Zumal der Preis von 990 Euro pro Monat hoch ist.

810 Euro für ein Zimmer mit Frühstück

Auch weitere Hotels bieten Langzeitmieten ab einem Monat Laufzeit an, wenn auch nicht exklusiv an Studenten. So das Hampton by Hilton am Flughafen, wo ein Zimmer zur Verfügung steht, und das nahe der Europäischen Zentralbank. Hier stehen 30 Zimmer zur Verfügung. Inklusive Frühstück mindestens 810 Euro. Vertrieben wird das Angebot über die Plattform "myroom".

Auch die skandinavische Hotelkette Scandic beteiligt sich auf diese Weise. Hier kostet ein Zimmer 670 Euro. "Es können auch zwei Studenten darin wohnen", sagt Scandic-Sprecher Oliver Ramm. Das Frühstück gehört nicht zum Angebot, dafür gibt es zehn Prozent Preisnachlass für alle sonstigen Angebote des Hotels. "Die Nachfrage ist gut, so dass wir in manchen Städten schon für einzelne Monate absagen mussten", so Ramm. In Frankfurt war das noch nicht nötig.

Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Frankfurt, schätzt die Langzeitvermietung an Studenten als gute Idee in der Übergangszeit ein. "Man muss sehen, wie weit das trägt. Es ist keine dauerhafte Option, denn die Hotelzimmer werden wieder gebraucht, wenn die Messen losgehen." Dann steigen auch die Preise für eine Übernachtung im Hotel wieder an.

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