Wo es in Frankfurt eigentlich Tequila gibt, werden während der Pandemie Menschen auf Corona getestet. Eine Tequila-Bar in Frankfurt wurde zu einem Corona-Testzentrum umfunktioniert.
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Corona-Test statt Tequila: Junge Frauen in Schutzkleidung warten auf Kundschaft in diesem neuen Corona-Schnelltestzentrum, zu dem der Besitzer seine Tequila-Bar in der Frankfurter Innenstadt umfunktioniert hat.

Pandemie

Corona statt Tequila - In dieser Bar in Frankfurt können Sie sich auf Covid-19 testen lassen

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Der Ansturm auf die Corona-Testzentren in Frankfurt ist groß. Viele Orte werden umfunktioniert. Auch eine Tequila-Bar und Kioske bieten nun unter anderem Schnelltests an.

  • Die Nachfrage nach Corona-Tests in Frankfurt ist hoch.
  • Corona-Testzentren werden deshalb an den verschiedensten Orten in Frankfurt eröffnet.
  • Auch eine Tequila-Bar und Hotels in Frankfurt wurden für Corona-Tests umfunktioniert.

Frankfurt – Sie ist Ärztin, also darf sie Corona-Tests anbieten. Dass sie Zahnärztin ist und das Testzentrum in einer Tequila-Bar, stört da wenig. Denn obwohl in Frankfurt immer mehr Corona-Testzentren eröffnen, können sie dem Ansturm kaum Herr werden. Corona-Schnelltests sind das Geschäftsmodell der Stunde. Überall sprießen die Testzentren aus dem Boden - zum Teil in Hotels und geschlossenen Restaurants. Die Preise unterscheiden sich, doch allen Testzentren ist gemeinsam: Die Nachfrage ist enorm.

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreibt zwei Testzentren, eines am Sitz der Organisation in der Silostraße, ein zweites zentral am Opernplatz. "Wir könnten auch ein drittes und viertes Zentrum eröffnen, so groß ist die Nachfrage", sagt Geschäftsführer Thomas Müller-Witte. Seine Organisation wolle kein Geschäft daraus machen, wenngleich durchaus etwas Geld herauskommen könne. "Das stecken wir dann in den nächsten Rettungswagen."

Typischer Fall in Frankfurter Corona-Testzentren: Mutter will Oma schützen

Am Opernplatz werden derzeit täglich rund 100 Frankfurter getestet, auf der Liste der Interessierten stehen derzeit etwa 500 Namen. "Typisch ist eine Mutter, deren Kind im Kindergarten Kontakt zu einem positiv getesteten Spielkameraden hatte. Jetzt steht Weihnachten an, die Oma kommt. Da wollen die Eltern Sicherheit." Dies sei, so Müller-Witte, einer der ganz typischen Fälle.

Ein Schnelltest kostet am Opernplatz 42,50 Euro, ein PCR-Test 79,50 Euro. Den hohen Preis begründet der ASB-Geschäftsführer mit den hohen Kosten, die seine Organisation hat. "Wir müssen Miete zahlen, Personal, etc."

Corona-Testzentrum in Frankfurt speziell für Autofahrer

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat ebenfalls zwei Testzentren aufgebaut. Am Sitz der Organisation in der Seilerstraße kann man sich dem Antikörper-Schnelltest (Blutabnahme) unterziehen, und vor wenigen Tagen hat das DRK am Ratsweg eine PCR-Teststation eröffnet. Diese richtet sich speziell an Autofahrer. Der PCR-Test kostet 69 Euro.

Schnelltests bietet auch Dr. Barun Sarkar, eigentlich Hals-Nasen-Ohren-Arzt: In seiner Praxis, und vor und nach der Praxiszeit, abends bis 19.30 Uhr, im "Pure" in der Niddastraße. Dort hat er gemeinsam mit weiteren Ärzten und dem Hotelier Micky Rosen ein Testzentrum eröffnet. Inzwischen kann Sarkar berichten: "Wir haben viele Anmeldungen wegen Weihnachten. Zu uns kommen Leute, die Verwandte besuchen wollen und sicher sein möchten, dass sie sie nicht anstecken können." Dies zeuge von Verantwortungsgefühl.

Micky Rosen (links) und Dr. Barun Sarkar haben die Lobby des Hotels „The Pure“ an der Niddastraße in ein Covid-19-Testzentrum verwandelt.

Corona-Testzentren: Kooperationen zwischen Ärzten und Hotels in Frankfurt

Natürlich bringe es den Ärzten zusätzliche Einnahmen. "Aber es ist wichtig, dass die Nasen- und Rachentests von Fachleuten vorgenommen werden", versichert Sarkar, der auf seiner Homepage das Prinzip des Nasentests veranschaulicht. Ein Schnelltest koste im Einkauf 10,50 bis 11 Euro. Die Ärzte bieten ihn für 55 Euro an. Sie öffnen das Testzentrum auch samstags und sonntags und werden auch an Weihnachten arbeiten.

Auch die Privatärzte Christian Wölke und Yann Croissant haben im Dezember eine Praxis für Covid-19-Antigen-Schnelltests in der Töngesgasse eröffnet. "Wir rechnen den einfachen Kassensatz ab", sagt Dr. Croissant, "45 Euro." Für die Tage vom 21. bis 23. Dezember gäbe es schon so viele Online-Anmeldungen, dass die Praxis am 23. zwölf Stunden offen hat.

Frankfurt: Zwei Apotheken bieten Corona-Selbsttests

Das Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung gehört zur Grundversorgung, der jüngst eröffnete Standort an der Messe ist lediglich ein Ersatz für den zuvor weggefallenen am Bürgerhospital. Doch es gibt viele neue Zentren: Im Westend in der Ulmenstraße in Räumen des "Palais Livingston", in einer Tequila-Bar in der Innenstadt, wo eine Zahnärztin ein Corona-Zentrum eröffnet hat, während ein Internist die Tests in einem ehemaligen Wasserhäuschen in Bockenheim anbietet.

Noch ungewöhnlicher: Man kann sich in der Holzhausen-Apotheke und in der Apotheke am Weißen Stein Selbsttests abholen und die Proben dann an ein Labor schicken. "Das läuft seit drei Monaten sehr gut, jetzt treten wir damit an die Öffentlichkeit", sagte der Organisator, Dr. Peter Wieloch.

Testzentren in Frankfurt: Anonyme Corona-Tests nicht möglich

Anonym testen, das geht nicht. Wer wissen will, ob er Corona hat, muss seine Personalien über die Webseiten der Anbieter angeben. Denn: Diese müssen jedes positive Ergebnis an das Gesundheitsamt melden. Da gibt es keine Ausnahme. Als "Goldstandard" gilt der PCR-Test. Seine Auswertung dauert je nach Labor bis zu 24 Stunden.

Schneller - oft innerhalb von 30 Minuten und ohne zusätzlich beanspruchtes Labor - geht es mit den Schnelltests. Hier unterscheiden die Ärzte Antigen- und Antikörper-Tests. Die Antigen-Tests weisen Gensequenzen des Coronavirus nach. Diese und die PCR-Tests untersuchen Material aus dem Rachenraum. Für einen Antikörper-Schnelltest wir hingegen Blut untersucht. Hier wird die Reaktion des Immunsystems auf eine Corona-Infektion festgestellt, die jedoch schon lange zurückliegen kann und nicht mehr ansteckend sein muss. Jede Zuverlässigkeit des Tests ist beschränkt. Relevant sind oft "falsch positive" Ergebnisse ("Fehlalarm"). Das Gesundheitsamt ordnet jedoch ohnehin bei jedem positiv getesteten Menschen einen weiteren Test an, um falsch positive Resultate auszuschließen. (Thomas J. Schmidt)

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