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Im Nordwestzentrum in Frankfurt stehen zwar einige Weihnachtsbuden, essen und trinken dürfen Kunden dort aber nicht. Und überall erinnern Schilder daran, dass es Regeln einzuhalten gilt.

Nordwestzentrum

Corona-Verbote vermiesen Weihnachtseinkauf in Frankfurt

  • vonSabine Schramek
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Der Corona-Lockdown im Einzelhandel steht bevor. Wie ist die Lage im größten Einkaufszentrum von Frankfurt?

Frankfurt – Ein Tag ist noch Zeit, seine Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Wer es bis dahin nicht in den örtlichen Geschäften geschafft hat, muss im Internet bestellen. Denn am Sonntag hat die Bundesregierung den Shutdown beschlossen. Von Mittwoch an sind die Läden zu - auch im Nordwestzentrum. Dort wird der Andrang deshalb sicher noch enorm sein. Und viele werden sich über Maskenpflicht und Verzehrverbot ärgern.

Wohl dem, der seine Geschenke für Weihnachten schon gekauft hat. Für alle anderen wird es wegen des erneuten Corona-Shutdowns eng. Im Nordwestzentrum (NWZ) wird es am Montag und Dienstag deshalb wohl nicht so entspannt zugehen wie in den vergangenen Tagen. Gedränge in den Gängen und auf den Rolltreppen unter mit Lichtern und Kunstobjekten funkelnd geschmückten Etagen war zuletzt jedenfalls nicht angesagt. Auch im Parkhaus gab es bei den 3500 Parkplätzen meist freie Wahl. Wahlfreiheit haben Kunden beim Besuch in der schmucken Mall, die viel Raum und Luft bietet, aber nicht: Überall stehen und kleben Tafeln und Schilder. Darauf ist zu lesen und zu sehen: "Im gesamten Nordwestzentrum gilt Maskenpflicht, Rauchverbot und kein Verzehr von Speisen und Getränken. Gemäß Verordnung der Landesregierung Hessen und der Stadt Frankfurt."

Nordwestzentrum in Frankfurt zu Corona-Zeiten: Tische und Stühle weggeräumt

Die Cafés, Lokale und Imbisse haben ihre Außenbereiche abgesperrt, die Stühle zusammengeschoben und übereinander gestapelt, rot-weiße Flatterbänder hängen warnend rundum. Auch die Steinmäuerchen an Brunnen tragen Aufkleber: "Liebe Besucher, aufgrund der aktuellen Lage steht dieser Bereich für den Verzehr von Speisen und Getränken nicht zur Verfügung. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Nordwestzentrum."

Auf großen Aschenbechern sind Rauchverbotsschilder montiert. Auf einigen liegen einsame, hastig ausgedrückte Kippen oder einzelne, halb gerauchte Glimmstängel. 32 gastronomische Betriebe finden sich zwischen den insgesamt 150 Läden. Kinder quengeln laut und ungeduldig nach Pommes und Süßigkeiten, während die Eltern nach Weihnachtsgeschenken Ausschau halten. Sie geben nach, holen sich "für zwischendurch" Burger, Pommes, Nachos oder Gebäck. Die Verkäufer verweisen etwas genervt darauf, dass sie die Speisen "mit nach draußen nehmen müssen". Viele Kunden halten sich daran. Andere drücken sich verstohlen in Ecken, schauen sich um und beißen schnell ab, kauen hektisch und beißen wieder rein. Weinige setzen sich auf Bänke, um Kind und Kegel zu versorgen.

Corona-Regeln treffen das Nordwestzentrum in Frankfurt: „Kinder müssen etwas essen“

"Es sind doch kaum Leute hier. Wir können doch so gar keinen anstecken", sagt eine Mutter von siebenjährigen Zwillingen. "Die brauchen was zum Essen und zu trinken." Sie liebt dieses größte Einkaufszentrum in Frankfurt mit seinem gläsernen Dach und den luftigen Gängen. "Aber jetzt übertreiben sie es hier ein bisschen", sagt sie. "Das haben sich Leute ausgedacht, die keine Kinder haben, keinen Zeitdruck und kein Verständnis", erklärt sie.

Ein Mann, der sich einen Coffee to go geholt hat, stimmt zu, während er die Maske aufbehält. "Kaffee und Zigarette, das gehört einfach zusammen und für mich auch zum entspannten Shoppen." Er sucht sich eine leere Ecke und trinkt. Zündet eine Zigarette an, inhaliert schnell und drückt sie aus. "Draußen ist es mir zu kalt, außerdem mag ich heißen Kaffee", kommentiert er. "Wenn ich Leckeres rieche, will ich es auch gleich verzehren."

Gastronomen im Nordwestzentrum in Frankfurt machen weniger Umsatz

Für die Gastronomen ist die Situation schwierig. Vor allem für die, die frisch braten, kochen und brutzeln. "Der Verkauf ist deutlich zurückgegangen, weil die Leute das NWZ verlassen müssen, um zu essen und zu trinken", sagt ein Pizza-Verkäufer. "Unsere Stammkunden lassen uns aber zum Glück nicht im Stich." An den Weihnachtsständen gibt es Nürnberger Lebkuchen, Dresdner Christstollen, Crêpe, Köhler Küsse, Glühwein und heißen Äppler. An Adventssamstagen bis 22 Uhr.

Einige schütteln den Kopf und blicken auf die Bühne mit weihnachtlichem Winterwald im Hintergrund. Ein junges Pärchen mit Tüten in der Hand wundert sich. "Das ist schon schwierig, wenn man Lust auf Süßes und Heißes bekommt, und es nicht verzehren soll. Corona verändert alles. Manches ist gut an den ganzen Regeln, vieles ist und bleibt unverständlich." Sie bewundern die romantische Atmosphäre voller Weihnachtsdekoration, sehen sich an und wünschen sich, dass "der Albtraum der Pandemie bald vorbei ist und wir wieder ganz normal leben können." (Sabine Schramek)

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