"Lockdown" steht im Schaufenster eines geschlossenen Kaufhauses auf der Frankfurter Zeil, das darunter zum Online-Einkauf rät.
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Nur vereinzelt sind noch Fußgänger auf der Zeil zu sehen. Auch Traditionsgeschäfte leiden unter dem Lockdown.

Lockdown in Frankfurt

Zeil in Frankfurt im Corona-Tief: Die Krise bei den Traditionsgeschäften

Die Corona-Krise hat auch die Zeil in Frankfurt fest im Griff. Die Traditionsgeschäfte bleiben vor den Auswirkungen des Lockdown nicht verschont.

Frankfurt – Die Corona-Krise und der daraus resultierende Lockdown, der gerade erst bis zum 31. Januar verlängert wurde, trifft die Innenstädte schwer. Auch die Zeil in Frankfurt leidet unter ausbleibenden Kunden. Die Zeil gehört zu den beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Zu Spitzenzeiten schlenderten über 14.000 Passanten pro Stunde zwischen den Geschäften und Restaurants in der Frankfurter Innenstadt umher – bis die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise Kontakte einschränkten und Geschäfte vorübergehend schließen mussten.

Das bedeutet keine Einnahmen für die Traditionsgeschäfte rund um die Zeil. Das City-Marketing Frankfurt verbucht bereits über ein Dutzend Insolvenzanträge von Geschäftsleuten in der Innenstadt. Die Situation ist angespannt, die Zukunft von vielen Branchen ist ungewiss.

Rundgang über die Zeil in Frankfurt: Traditionsgeschäfte in Not

Wie groß die Bedeutung der Zeil in Frankfurt ist, weiß auch Oberbürgermeister Peter Feldmann. Er sagt dazu: „Die Zeil ist die Lebensader der Innenstadt. Geht es ihr schlecht, strahlt das ins gesamte Zentrum aus.“ Denn wer einmal in der Innenstadt ist, besucht auch die kleineren Geschäfte in den Nebenstraßen der Zeil. Ist das Angebot zu gering oder eindimensional, verliert das Gebiet an Anziehungskraft. „Wer hier nur noch leere Schaufenster vorfindet, kommt nicht mehr in die Innenstadt. Das bekommt dann auch der kleine Laden ums Eck zu spüren“, beschreibt Feldmann das Problem.

Aber nicht nur kleinere Läden haben wegen der Corona-Krise Sorgen. Eduard M. Singer, Leiter des City- und Stadtteilmarketing, hat Zahlen, die die schwierige Situation beschreiben: Im Bereich der Zeil sei die Bewegungsfrequenz an potenziellen Kunden um ungefähr 60 Prozent gesunken, in der angrenzenden Goethestraße um rund 40 Prozent.

Geschäfte auf der Zeil in Frankfurt stecken wegen Corona-Krise in einem „Teufelskreis“

Trotzdem können die Geschäfte auf ihre Stammkunden vertrauen. Das Gewürz- und Teehaus Schnorr hat sein Geschäft in der Neuen Kräme. Das Traditionshaus wird mittlerweile in dritter Generation als Familienunternehmen geführt und verkauft seit fast 65 Jahren Gewürze, Tee, Feinkost und Backwaren. Ein Jahr wie 2020 hat der Traditionsbetrieb noch nicht gesehen. „Das war das anstrengendste Weihnachten, das ich je erlebt habe“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Nies. Das Weihnachtsgeschäft war durch die Corona-Krise geprägt. Das heißt, Masken statt lächelnde Gesichter und Abstand statt Nähe. „Die Gemütlichkeit hat gefehlt. Viele unserer Stammkunden haben uns trotzdem die Treue gehalten, auch wenn sie mal wegen der Corona-Auflagen vor dem Geschäft warten mussten.“

Kritisch sieht es bei dem Damenmoden-Ausstatter AppelrathCüpper aus. Schlangen von Kunden gab es vor dem Modehaus auf der Zeil in Frankfurt nicht mehr, seit es wegen der Corona-Krise komplett geschlossen ist. Ob die Filiale in Frankfurt wieder öffnen wird, ist nicht sicher. Die Modekette hatte im Frühjahr Insolvenz angemeldet. Lydia Brand, Geschäftsleiterin bei AppelrathCüpper, sieht die gesamte Branche vor einer ungewissen Zukunft: „Die Lager sind voll. Nach dem Lockdown werden viele Geschäfte sie nur mit hohen Abschlägen verkaufen können. Damit fehlt das Kapital für die Wareneingänge im Frühjahr und Sommer – ein Teufelskreis.“

Corona-Krise in Frankfurt: Fashion Week im Sommer als große Hoffnung

Auch Hotels wie das Sofitel am Opernplatz befinden sich in einer schwierigen Situation. Das Hotelgewerbe spürt die Auswirkungen der Corona-Krise besonders stark. Schon im vergangenen Jahr beklagte die Branche zwischen Januar und September ein Minus von fast 60 Prozent. Ein Trend, der sich so schnell nicht umkehren lässt. Derzeit würden im Sofitel fast nur Geschäftsreisende übernachten, erklärt General Manager Steffen Opitz. Die Auslastung läge bei rund 20 Prozent. Trotzdem bleibt Opitz positiv: „Wir blicken nach vorne. Mit der Fashion Week gibt es 2021 ja ein echtes Highlight. Und natürlich freuen wir uns auf die Terrassen-Saison.“ (Theresa Ricke)

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