Corona-Krise in Frankfurt

Frankfurt geht an seine Reserven: Stadt gibt Mundschutz-Masken aus

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Im Kampf gegen das Coronavirus verteilt Frankfurt tausende eingelagerte Masken. Dennoch ist die Lage angespannt. Eine Spende macht Hoffnung. 

  • In der Corona-Krise werden in Frankfurt die Mundschutz-Masken knapp
  • Coronavirus: Die Stadt Frankfurt will jetzt ihre Masken-Reserven anzapfen
  • Gesundheitsdezernent Majer sieht Frankfurt gut gerüstet – Krisenherde hat er dennoch ausgemacht

Frankfurt – Jetzt geht es in der Corona-Krise an die städtischen Reserven. Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) kündigt im Gespräch mit der FNP an, die Hälfte der 750.000 als eiserne Reserve eingelagerten Mundschutz-Masken "verschiedener Klassen" nun zügig an das Personal von Frankfurter Altenpflegeheimen auszugeben.

Hintergrund sind die in dieser Woche ersten nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen bei Bewohnern von drei Frankfurter Altenheimen. In einer Einrichtung war auch Pflegepersonal infiziert. Auch niedergelassene Ärzte und Kliniken in Frankfurt hätten schon aus dem städtischen Reservebestand mit Schutzmasken versorgt werden können.

Coronavirus: Majer will keine Masken-Pflicht in Frankfurt

Die Knappheit verfügbarer Bestände auf dem Weltmarkt macht Majer Sorgen. Das sei auch der Grund, warum er eine allgemeine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit ablehne - auch wenn er das persönlich sachlich für sinnvoll erachte.

Wenn ganz Frankfurt während der Corona-Krise eine Maske trüge, könnten damit Infektionen womöglich verhindert oder zumindest reduziert werden. Das sei begrüßenswert. Weniger begrüßenswert wäre indessen die Konsequenz einer solchen Forderung oder Anordnung. Majer: "Dann würde jeder in die Apotheke rennen, um sich eine Maske zu besorgen, oder im Internet Bestände aufkaufen. Das wäre fatal. Weil Masken aller Art dem medizinischen Personal vorbehalten sein sollten. Dort fehlen sie nämlich."

Frankfurt: Corona-Krise trifft Obdachlose im Bahnhofsviertel hart

Frankfurts Gesundheitsdezernent Majer hat derzeit viel zu tun, um die Arbeit aller für die Corona-Krise relevanten Institutionen zu verzahnen. Dazu tagt mehrfach wöchentlich der Verwaltungsstab. Organisiert wird die Arbeit des Sondergremiums vom Team der Branddirektion unter Leitung von Branddirektor Karl-Heinz Frank. "Das Gesundheitsamt kann die komplexen Anforderungen allein gar nicht mehr stemmen", stellt Majer fest.

In den kommenden Tagen soll mit allen Trägern von Altenheimen in Frankfurt besprochen werden, welche Prophylaxe-Maßnahmen notwendig seien, um die Ausbreitung des Coronavirus in den Einrichtungen zu verhindern. Allerdings seien betagte und pflegebedürftige Bewohner von Altenheimen nicht die einzige vulnerable Gruppe, um die er sich als Gesundheitsdezernent Sorgen mache. 

Besonders verletzlich seien auch Obdachlose und Drogensüchtige. Um für diese Gruppen Schutzkonzepte zu entwickeln, spreche er mit dem Hessischen Städtetag. Im Bahnhofsviertel in Frankfurt spitzt sich die Situation immer mehr zu.

Frankfurt in der Corona-Krise: Material-Spende hilft bei Engpass

Majer sieht Frankfurt eigenem Bekunden zufolge gut gerüstet, um der Corona-Krise wirksam zu begegnen. Da sei zum einen das beim Gesundheitsamt angesiedelte Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger, zum anderen die krisenerprobte Branddirektion der Frankfurter Berufsfeuerwehr, so der Gesundheitsdezernent. Auf zurückliegende Abstimmungspannen ging er nicht ein. 

Den aktuellen Materialengpass könnte vorübergehend die Spende eines chinesischen Unternehmensberaters mildern, der insgesamt 200 Atemschutzmasken der Klassen FFP1-, FFP2- und FFP3 und etwa 300 Flaschen Desinfektionsmittel gespendet hat, wie die Stadt Frankfurt am Sonntag (05.04.2020) mitteilte. Das Material sei an das Gesundheitsamt, die Feuerwehr, den Rettungsdienst und Frankfurter Kliniken verteilt worden. Spender Ming Yang ist in Frankfurt kein Unbekannter, weil er in der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) wie im hessischen Landesausländerbeirat aktiv ist. Min Yang habe seinen privaten Vorrat an Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln gespendet, ließ Majer wissen. 

Von Sylvia A. Menzdorf

Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise in Frankfurt lesen Sie in unseren News-Ticker

In den Altenheimen in Frankfurt ist die Corona-Krise noch lange nicht zu Ende. Auch Schutzausrüstung bleibt ein Thema.

Die Beschränkungen nehmen zu. Mittlerweile hat auch Hessen eine Corona-Maskenpflicht eingeführt. Ab Montag beginnt an den Schulen in Frankfurt nach dem Corona-Lockdown wieder schrittweise der Unterricht. Die Stadt hat einen Hygiene-Plan erarbeitet.

Auch wenn es an die Reserven ging: Für Gesundheitsdezernent Stefan Majer kommen die Corona-Lockerungen zu früh.

Rubriklistenbild: © Prabhat Kumar Verma/ZUMA Wire/dpa

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