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Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes Dr. René Gottschalk (rechts) mit Maria Karathana, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin im Gesundheitsamt. 

Gesundheitsmesse 

Coronavirus ist täglich Thema im Gesundheitsamt Frankfurt

Das Gesundheitsamt in Frankfurt ist auch ein Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger. 

Frankfurt -Das Wort "Coronavirus" hört René Gottschalk seit Ende Januar jeden Morgen spätestens um 8.30 Uhr. Dann nämlich beginnt im Frankfurter Gesundheitsamt, an dessen Spitze er seit elf Jahren steht, die tägliche Stabssitzung über die Ausbreitung des Krankheitserregers, der seit Wochen Schlagzeilen liefert: Wie viele neue Erkrankungen sind gemeldet? Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko? Gibt es neue Mitteilungen über mögliche Übertragungswege? Bei welchen Menschen ist ein Test angebracht?

Dass man sich im Frankfurter Gesundheitsamt intensiver als in anderen Städten mit solchen Fragen auseinandersetzt, hängt mit der besonderen Stellung der Behörde zusammen. Etwa mit der Abteilung Infektiologie und Hygiene, die deutschlandweit einmalig sei, wie Gottschalk sagt - was wiederum mit Frankfurts Rolle als internationaler Verkehrsknotenpunkt zu tun hat.

Nicht umsonst leitet das Gesundheitsamt auch das Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger (KHPI), das für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig ist, wenn es um besonders ansteckende und möglicherweise gefährliche Erkrankungen wie SARS, Ebola und Lassa-Fieber geht. Oder eben um das Coronavirus.

Schlagkräftige und gut vernetzte Gruppe

Dabei ist das Gesundheitsamt gut vernetzt. "Wir haben eine schlagkräftige Gruppe, die eng zusammenarbeitet mit Einrichtungen wie dem Robert-Koch-Institut", sagt Gottschalk, der seine Karriere in der Behörde 1998 als Leiter der Infektiologie startete und heute auch auf internationaler Ebene tätig ist, etwa in der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Das Sachgebiet Infektiologie kümmert sich darüber hinaus auch um andere meldepflichtige Krankheiten wie Masern, Windpocken und Tuberkulose. Vor allem mit TBC habe man es immer wieder zu tun, vor allem bei Migranten aus Osteuropa, Ostafrika und dem indischen Subkontinent, sagt Sachgebietsleiter Udo Götsch: "Da haben wir pro Jahr 100 bis 130 Fälle, das entspricht etwa 2,5 Prozent der Fälle in ganz Deutschland." Im Bereich Hygiene hat man unter anderem medizinische Einrichtungen, Trinkwasser und Umwelt im Blick.

Doch die Behörde in der Breiten Gasse, in der rund 250 Mitarbeiter tätig sind, kann noch weitere Besonderheiten vorweisen. Etwa die Tatsache, dass sie als einziges Gesundheitsamt in Deutschland auch eine akademische Lehreinrichtung ist, in der Medizinstudenten der Goethe-Universität einen Teil ihres Praktischen Jahres absolvieren können.

Humanitäre Sprechstunden

Eine Vorreiterrolle übernahm man außerdem bei den Humanitären Sprechstunden für Menschen ohne Krankenversicherung, die seit 2001 angeboten werden - kostenlos und anonym, auch für Migranten mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus. In den meisten anderen deutschen Städten laufe diese Versorgung über Sozialverbände und Vereine, sagt Petra Tiarks-Jungk, die für die Humanitären Sprechstunden zuständig ist: "Wir waren die ersten in Deutschland, die das über das Gesundheitsamt organisiert haben."

In Frankfurt wurde das Projekt von der afrikanischen Selbsthilfeorganisation "Maisha" angeschoben. Jährlich kommen rund 600 Menschen in die Sprechstunden. "Für viele sind wir seit Jahren der Hausarzt", sagt Petra Tiarks-Jungk. Inzwischen arbeitet das Gesundheitsamt hier auch mit der Elisabeth-Straßenambulanz der Caritas und der Malteser-Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) zusammen. Und kümmert sich darüber hinaus um eine kostenlose Beratung der Patienten, um ihnen Wege zurück ins Sozialsystem aufzuzeigen. Schließlich seien schwierige Lebensverhältnisse und gesundheitliche Probleme oft eng miteinander verknüpft, sagt Tiarks-Jungk.

Auch die Abteilungen Psychiatrie und Zahnmedizin gehören zu den Aufgaben des Gesundheitsamtes. Zahnärzte besuchen Krabbelgruppen, Kindertages- und Behinderteneinrichtungen sowie Schulen und führen Vorsorgeuntersuchungen durch. Nicht zu vergessen die Kinder- und Jugendmedizin. "Mit 43 Mitarbeitern sind wir im Amt anzahltechnisch der größte Bereich", sagt Abteilungsleiterin Maria Karathana. Sie ist unter anderem für die "Frühen Hilfen für Familien" verantwortlich. Dabei besuchen Hebammen und Krankenschwestern frisch gebackene Eltern in schwierigen Verhältnissen, um beizustehen.

Gesundheitsschutz seit 103 Jahren

Dazu gibt es den Jugendärztlichen Dienst, der etwa für alle Einschulungsuntersuchungen verantwortlich ist. Wie ist es um Augen, Ohren, Sprache, Motorik und körperliche Entwicklung der angehenden Abc-Schützen bestellt? Brauchen sie spezielle Unterstützung? Eigentlich, so Karathana ein, wäre es sinnvoller, diese Untersuchung noch früher durchzuführen, etwa bei Vierjährigen: Dann könnte man die Kinder noch besser fördern. Sie betont: Beratungen erfolgen ohne finanzielle oder andere Hintergedanken - "wir sind nur für das Wohl der Bürger zuständig".

Damit ist sie auf einer Linie mit Gottschalk, der die Aufgaben auf einen kurzen Nenner bringt: "Wir sind eine kommunale Einrichtung, die den Bürger in allen Fragen der Gesundheit, des Gesundheitsschutzes und der Prävention berät." Und das bereits seit 103 Jahren. 

Von Brigitte Degelmann

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