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Coronavirus in Frankfurt: Die Sechstklässler Julius (12) und Achilleas (12) beim Händewaschen und -desinfizieren im Klassenraum.

Viruserkrankung

Unterwegs in Frankfurt: Wie Corona unseren Alltag beeinflusst

Das Coronavirus kommt langsam in den Köpfen an. Noch ist die Bedrohung nicht spürbar, aber die Unsicherheit wächst bei den einen, die anderen reagieren erstaunlich gelassen. 

  • Das Coronavirus breitet sich weiter aus
  • Auswirkungen auf den Alltag der Menschen nehmen zu
  • Ein Rundgang durch Frankfurt

Frankfurt - Unsere Reporterin Katharina Wellems hat in Frankfurt nachgefragt, wie Bäckereien, Schulen, Reisebüros, Pflegeeinrichtungen und der öffentliche Nahverkehr der Gefahr begegnen und vor welche Herausforderung sie sich gestellt sehen. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Lage wahrgenommen wird.

Angst vor Corona in Frankfurt: Frühaufsteher sichern sich Desinfektionsmittel

Lange Schlangen bildeten sich vor zahlreichen Filialen von Aldi Nord und Aldi Süd, wie hier an der Seckbacher Landstraße am Montagmorgen. Schon eine halbe Stunde bevor sich die Türen der Filiale öffneten, sammelten sich um die hundert Wartende, die darauf hofften, sich mit Desinfektionsmittel eindecken zu können. Der Discounter hatte am Wochenende angekündigt, von Montag an wieder Desinfektionsmittel an seine Kunden auszugeben. Das große Aber dabei: Jeder Kunde durfte nur drei Produkte kaufen. Doch trotz der strengen Rationierung hielt der Vorrat einem so großen Ansturm nicht lange stand.

Coronavirus in Frankfurt: „Das wird sich noch Wochen hinziehen“

Amina Brigui ist sichtlich im Stress. „Wir haben gar keine Zeit mehr. Wir haben alle Hände voll zu tun. Wir sind auch eigentlich krankheitsbedingt unterbesetzt“, erzählt die Mitarbeiterin beim First Reisebüro in der Innenstadt. Reisende sind von der drohenden Pandemie besonders betroffen. „So viele Menschen melden sich mit Umbuchungen und Stornierungen. Das wird sich auch noch Wochen hinziehen, denke ich.“ Die Lufthansa fliegt noch bis Ende April nicht mehr zum chinesischen Festland, und auch auf Mittel- und Kurzstrecken könne es zu einer Reduzierung der Flüge um 25 Prozent kommen, teilt die Fluggesellschaft online mit. Zudem empfiehlt das Auswärtige Amt Reisen nach Italien auf das Nötigste zu beschränken. Der italienische Norden ist zur Sperrzone erklärt worden. Padua, die Emilia Romagna, die Lombardei und auch Südtirol gelten als Risikogebiete. Die Länder Israel, Uganda, Bhutan, Thailand und El Salvador hingegen verwehren deutschen Touristen die Einreise oder erlauben sie nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen. Bei all dem ist die Verunsicherung groß. Und das bekommt Amina Brigui bei der Arbeit zu spüren. Sie merke vor allem, dass die Menschen Angst haben. „Man sieht das ja auch hier in der Stadt. Die ist praktisch leer im Vergleich zu sonst“, meint sie und deutet auf die zwar sonnige, aber dennoch fast verwaiste Straße draußen. 

News-Ticker: Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Hessen steigt weiter

Keine Besorgnis über Coronavirus beim Bäcker: „Bisher keine Fragen“

Jasmina Habiat fasst Brote und Gebäck bei der Bäckerei und Konditorei Huck in der Kleinmarkthalle immer mit Handschuhen an. Noch sei auch noch keiner ihrer Kunden wirklich besorgt gewesen. „Also bisher kamen dazu keine Fragen von Kunden. Höchstens mal ein lustiger Spruch, wenn man mal hustet. Da fragt dann schon mal einer, ob man Corona hat. Aber eher scherzhaft. Ich sage dann, nein - aber bringen Sie mir doch mal eins“, erzählt die Verkäuferin. Die lange Schlange an Kunden bestätigt das. Hier ist auch mit Corona noch alles wie immer. In der Kleinmarkthalle scheint die Bedrohung noch fern. 

Coronavirus in Frankfurt: „Im grünen Bereich“

Die Situation in Bussen sei nicht anders als sonst im öffentlichen Raum, berichtet Nora Pullmann von der Verkehrsgesellschaft Traffiq. „Das Leben geht ja normal weiter“, sagt sie: Bei ihnen sei auch mit Corona im Moment alles im grünen Bereich. Und weniger Fahrgäste gebe es deswegen auch nicht. „Natürlich gibt es Leute, die jetzt nicht mehr ins Kino gehen, aber die gehen in der Masse unter. Die Leute sind nach wie vor unterwegs“, berichtet sie. Zudem gebe es auch keine wirklich geeigneten Maßnahmen. Haltestangen im Bus könne man eben nicht hundertprozentig keimfrei halten. Auch vom Gesundheitsamt Frankfurt oder vom Robert Koch-Institut sei bisher noch keine Empfehlung oder Anordnung für Busse gekommen. Falls doch, werde man sich dann daran halten. 

Coronavirus-Vorsicht im Seniorenheim: „Wir tun alles, um das Virus fernzuhalten“

Noch gebe es keine akuten Fälle, sagt Ute Bychowski vom Frankfurter Verband, der in Frankfurt sieben Seniorenheime betreut. „Momentan ist die Lage gut, aber wir bereiten uns vor“, erzählt die Fachbereichsleitung für stationäre und teilstationäre Pflege. Weniger Besucher ,dafür Desinfektionsmittelspender am Eingang sollen zur Vorsorge beitragen. Klinken, Handläufe und Fahrstuhlknöpfe würden regelmäßig desinfiziert. Zudem stocken Bychowski und ihre Kollegen zusätzlich die Vorräte an Schutzausrüstung auf. „Sollte jemand krank werden, sind wir gut vorbereitet“, ist sich Ute Bychowski sicher. Auch Lebensmittel und Windeln haben sie schon in größerer Menge eingekauft. Eine Vorsichtsmaßnahme, falls Lieferungen ausfallen würden. „Wir tun alles, um das Virus aus der Einrichtung herauszuhalten.“ Bei aller Prävention dürften sich die Bewohner trotzdem nicht fühlen, als stünden sie bereits unter Quarantäne: „Die Maßnahmen dürfen nicht auf Kosten der Lebensqualität der Bewohner gehen.“ Das sei schon die dritte Infektionswelle, die Ute Bychowski in der Einrichtung erlebe. Andere Krankheiten wie die Schweinegrippe habe man gut von den Bewohnern fernhalten können. 

Corona-Vorsorge an Schulen: Spenden für Sauberkeit

Susanne Rosenfeld ist Vorsitzende des Schulelternbeirats an der Wöhlerschule: „Wir wollten sicherstellen, dass an allen Waschbecken in den Klassenräumen Seife, Papierhandtücher und Desinfektionsmittel vorhanden sind. Daher haben wir nachgefragt, ob vor allem Eltern in medizinischen Berufen Desinfektionsmittel spenden können. Das lief auch erfolgreich und wir sind sehr zufrieden.“

Die Schule hatte bis dahin noch keine ausreichende Menge von der Stadt erhalten. Bis die Stadt der Schule genug Desinfektionsmittel bereitstellen kann, müssen die Spenden der Eltern reichen. Zusätzlich habe der Förderverein Desinfektionsmittel besorgt - und vom eigenen Geld bezahlt. Mittlerweile habe aber das Stadtschulamt eine Lieferung angekündigt.

Die Eltern reagierten sehr positiv auf das Eigenengagement der Schule. Viele seien vorher besorgt gewesen. „Wir wollten mit unserem Schreiben diejenigen Eltern beruhigen, die besonders ängstlich sind. Der Aufruf hat dazu beigetragen, dass wir seit dem Wochenende tatsächlich weniger Nachrichten von beunruhigten Eltern erhalten.“

Coronavirus-Angst in der Metzgerei: „Manche drehen durch“

„Wir sind täglich mit so vielen Kunden in Kontakt, da müssen wir uns auch selbst schützen“, sagt Mary Solaja von der Metzgerei Ullmann in der Kleinmarkthalle. „Wir haben jetzt an jeder Kasse Desinfektionsmittel, und Handschuhe tragen wir natürlich auch. Jedes Mal, wenn wir Kontakt mit Waren oder Geld hatten, desinfizieren wir uns jetzt zusätzlich noch mal die Hände.“ Mary Solaja merkt, dass die Kunden besorgt sind. „Manche drehen durch. Eine Kundin hatte richtig Angst, dass ein Mitarbeiter die Ware ungeschützt berührt haben könnte. Die mussten wir dann erst einmal beruhigen.“ Lachen kann sie aber trotzdem noch. „Zur Begrüßung geben wir uns im Team jetzt nicht mehr die Hand. Das machen wir jetzt mit unseren Füßen, da kann nichts passieren.“ 

Der Flughafen Frankfurt ist von den Auswirkungen des Coronavirus (Sars-CoV-2) massiv betroffen: Die Lufthansa streicht den Flugplan radikal zusammen.

VON KATHARINA WELLEMS

Wegen der Corona-Pandemie sind auch in Hessen seit einer Woche alle Musikclubs geschlossen. Die Betreiber und andere Kulturschaffende fürchten um ihre Existenz.

Wie sehr Musik verbinden kann, zeigten einige beherzte Menschen in Frankfurts Nordend. In den Zeiten des Coronavirus haben Nachbarn in Frankfurt mit einer Sing-Aktion gezeigt, dass man sich mit dem gemeinsamen Singen auch Mut machen kann.

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