Läuft mittlerweile auf Hochtouren: Bis zu 4000 Menschen erhalten täglich im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle ihre Schutzimpfung. foto: dpa
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Läuft mittlerweile auf Hochtouren: Bis zu 4000 Menschen erhalten täglich im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle ihre Schutzimpfung.

Corona-Pandemie

Frankfurt: Das Impfen nimmt an Fahrt auf – „Limitierender Faktor bleibt der Impfstoff“

  • vonSarah Bernhard
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In Frankfurt läuft beim Schutz gegen das Coronavirus vieles gut. Doch ein Faktor erschwert den Kampf gegen das Virus.

Frankfurt - Hast du schon einen Termin? Und, bei welchem Arzt? Seit Haus- und Fachärzte mitimpfen dürfen und die Stadt Zusatztermine für Astrazeneca anbietet, bestimmt die Frage, wer wann wo geimpft wird, fast jedes Gespräch. Und tatsächlich haben mittlerweile fast 40 Prozent der Frankfurter in Priorisierungsgruppe 3 einen Impftermin.

Betrachtet man die Zahlen, ist die Messe die Königin unter den 28 hessischen Impfzentren: Bis zu zehnmal so viele Menschen wie in anderen hessischen Kommunen wurden hier bereits geimpft. Allerdings mitnichten nur Frankfurter. Nicht nur war die Messe in den ersten Wochen zusätzlich regionales Impfzentrum. Außerdem werden hier auch viele Pendler aus priorisierten Berufsgruppen geimpft, etwa Lehrer, Erzieher oder Ärzte, die im Umland wohnen, aber in Frankfurt arbeiten.

Frankfurt: Maximalauslastung des Corona-Impfzentrums ist erreicht

Doch auch das Impfen der Frankfurter kommt voran. „Wir verimpfen, was geht“, sagt Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Zwar erhält Hessen mit 42,5 Dosen pro 100 Einwohner laut Hessischem Innenministerium weniger Impfstoff als grenznahe Bundesländer wie etwa das Saarland (50,7 Dosen). Dafür bekommt Frankfurt - eben wegen der Mitversorgung der Pendler - hessenintern mehr. Die Maximalauslastung des Impfzentrums mit 4000 Impfungen pro Tag sei mittlerweile erreicht, sagt Gerstner.

Vor allem profitiert Frankfurt gerade davon, dass Hessen seine aus Sicherheitsgründen gehorteten Dosen von 120 000 auf 35 000 verringert hat. Nachdem das Land bei der Impfquote lange auf dem letzten Platz stand, ist es dadurch mit 27,6 Prozent Impfquote bei den Erstimpfungen auf den elften, mit 7,9 Prozent bei den Zweitimpfungen auf den achten von sechzehn Plätzen vorgerückt.

Am häufigsten, nämlich in 69 Prozent der Fälle, kam in den Impfzentren und bei den mobilen Teams Biontech in die Spritze, 24 Prozent enthielten Astrazeneca, der Rest Moderna. Bei den Hausärzten sieht die Verteilung ähnlich aus: Sie impften in 87 Prozent der Fälle Biontech, in 12,9 Prozent Astrazeneca, dazu kamen 69 Dosen Moderna und 42 des seit 26. April verfügbaren Impfstoffs von Johnson & Johnson - hessenweit.

Corona-Impfstoffe: Ärzte in Frankfurt haben keine Zeit für „Verkaufsgespräche“

Eigentlich hatten Bund und Land vorgesehen, dass die Hausärzte deutlich mehr Astrazeneca verimpfen. Doch anders als im Impfzentrum, wo dank der städtischen Sondertermine in dieser Woche täglich 785 Menschen zusätzlich mit dem britisch-schwedischen Produkt geimpft wurden, weigern sich manche Hausärzte mittlerweile, das Vakzin überhaupt zu bestellen.

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Warum, erklärt der Frankfurter Bezirksvorsitzende des Hessischen Hausärzteverbands, Jürgen Burdenski: „Um den Impfstoff optimal auszunutzen, müssen wir Kohorten von zehn Patienten bilden. All diejenigen, die Astrazeneca wollten, haben ihre Erstimpfung mittlerweile bekommen.“ Um zehn weitere Patienten zusammenzubekommen, müssten die Praxisangestellten dann etwas tun, was Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, als „Verkaufsgespräch“ bezeichnet: „Das Image des Impfstoffs, der hochwirksam ist, ist durch eine desaströse Kommunikation total im Keller und macht das Handling in den Praxen sehr aufwendig.“ Diesen zusätzlichen zeitlichen Aufwand könnten die Praxen aber einfach nicht leisten, sagt Burdenski.

Frankfurts Gesundheitsdezernat rechnet mit großer Zahl an Corona-Impfdosen im Mai

Auf mehr Stoff von Biontech wartet der Allgemeinarzt mit Praxis in Preungesheim hingegen „sehnlichst“: Wieder einmal nur 24 Dosen habe er für diese Woche bekommen. Wenn ab übernächster Woche die Zweitimpfungen anstünden, und nicht mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, „wird die Zahl der Erstimpfstoffe fast auf null zurückgehen“.

Das Gesundheitsdezernat beruhigt: Majer rechnet im Mai mit „einer großen Zahl an Impfdosen“, die die Impfgeschwindigkeit weiter erhöhen werde. Welche Impfstoffe Frankfurt bekomme, sei noch nicht klar, da sich das immer wieder kurzfristig ändern könne, sagt Sprecherin Gerstner. Glaubt man dem Land, wird es vor allem Biontech sein.

Den Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), auch in Apotheken Impfungen zuzulassen, hält die Stadt für verfehlt: „In keinem anderen Land der Welt gibt es eine so hohe Dichte an niedergelassenen Ärzten. Dazu kommen die Betriebsärzte, die gerne mehr impfen würden“, sagt Udo Götsch, kommissarischer Abteilungsleiter Infektiologie im Gesundheitsamt. „Limitierender Faktor ist und bleibt der Impfstoff, nicht die Zahl der impfwilligen Ärzte.“ (Sarah Bernhard)

Eine Anmeldung zur Impfung ist auf dem Impfportal des Bundeslandes Hessen oder telefonisch unter 116 117 oder 0611/505 92 888 möglich. Der Besuch sollte gut vorbereitet werden, es gibt einige Fehler, die vermieden werden können.

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