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Mitarbeiterin Snejanka Bauer auf dem Germaniaplatz, wo das Gefallenen-denkmal aus dem Krieg 1870/71 steht. Es hat die Form eines Obelisken und ist im Laufe der Zeit mehrfach verändert und ergänzt worden. Nun muss es dringend saniert werden

Bornheim

Frankfurt: Ein Denkmal im Wartestand

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Die Corona-Krise lähmt Arbeiten auf dem Germaniaplatz.

Frankfurt - Die Lockerungen in der Corona-Krise machen sich auch auf dem Germaniaplatz bemerkbar, wo sich manches Kind nicht nur auf dem Spielplatz vergnügt, sondern das Gefallenendenkmal aus dem Krieg 1870/71 zu erklettern sucht. Ebenfalls wegen Corona mussten dort allerdings die dringenden Restaurierungsarbeiten nochmals zurückgestellt werden. "Denn dort müssen mindestens drei Fachkräfte arbeiten, die sich dabei auch sehr nahekommen können", erklärt Snejanka Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kulturamt.

Im vergangenen Herbst hat Bauer die Zuständigkeit für das Denkmal übernommen, das mit seiner Umgebung auch den zuständigen Ortsbeirat 4 (Bornheim, Nordend) schon längere Zeit beschäftigt. "Das Denkmal wurde 1874 vom Kriegerverein Bornheimer anlässlich des deutschen Sieges im Deutsch-Französischen Krieg, der Reichsgründung und im Gedenken an drei gefallene Bornheimer errichtet", weiß Bernhard Ochs, Fraktionsvorsitzender der "Frankfurter" im Römer sowie langjähriges früheres Ortsbeiratsmitglied und Vorsitzender des Bürgervereins und des Fördervereins Historisches Bornheim.

Ochs erinnert sich, dass ein angemessener Umgang mit dem Monument als Kriegsdenkmal lange und politisch kontrovers diskutiert wurde, was die Planungen zusätzlich verzögerte. Nach der kürzlich erfolgten Um- und Neugestaltung des Spielplatzes waren die Restaurierungsarbeiten für das Denkmal für die erste Jahreshälfte vorgesehen. "Wir wollten zu Beginn des Frühjahres anfangen, doch dann kam der Lockdown", so Bauer. Warum die Arbeiten im Zuge der Lockerungen erst vorsichtig geplant werden können, erklärt die Restauratorin Margit Busch: "Wir müssen zunächst im Team die schwere Marmorplatte mit den Namensinschriften abnehmen, um die wir vorher ein schützendes Korsett aus Gips legen." Auch wenn die Arbeitskräfte eine Maske tragen, um sich vor Staub zu schützen, so sei es derzeit dennoch schwer, die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen einzuleiten.

"Aber wir dürfen nicht mehr sehr lange warten, da auch der Stein des Denkmals immer poröser wird", erklärt Bauer. Ganz davon abgesehen, dass auch Graffiti auf das Denkmal aufgesprüht wurde. "Das Denkmal hat die Form eines Obelisken und ist im Laufe der Zeit mehrfach verändert und ergänzt worden." Spannend wird es allerdings, wenn die Marmorplatte gereinigt wird. Denn einige Namen sind derzeit eher zu erahnen, aber kaum noch zu lesen. "Doch wenn die Verschmutzungen und Flechten entfernt werden, könnten einige Buchstaben wieder deutlicher zum Vorschein kommen", hofft Busch. Eine Namensliste sei im Institut für Stadtgeschichte nicht erhalten, es gebe nur Magistratsakten mit den Namen aller preußischen Gefallenen 1870/71 aus dem Preußischen Staatsanzeiger.

Inschriften sind dokumentiert

Glücklicherweise hat Ochs die Inschriften schon vor vielen Jahren dokumentiert und recherchiert, als sie noch gut lesbar waren. Demnach wird hier den Musketieren Johann Caspar Schäfer, Johann Friedrich Reitz und dem Füsilier Johann Jacob Glauer gedacht. "Es fehlt eine Sockeltafel, wahrscheinlich mit den Gefallenen des Ersten Weltkrieges."

Ochs weiß aus seinen Recherchen, dass der Germaniaplatz schon vor der Aufstellung des Obelisken Militärgeschichte schrieb: So wurden, damals noch außerhalb des Bornheimer Ortskerns, auf dem Gebiet um 1800 gefallene Soldaten der Revolutionskriege begraben. Er machte in seiner Zeit als Ortsbeiratsmitglied auch Vorschläge, den Obelisk durch eine passende Inschrift in ein Denkmal auch für die Gefallenen der beiden Weltkriege umzuwidmen und die Namen von Bornheimer Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg anzubringen. "Doch für solche Anregungen fanden sich keine politischen Mehrheiten", so Ochs.

Es stehe für den Krieg 1870/71, eine Vermengung mehrerer Ereignisse unterschiedlicher Kriegsepochen sei nicht zielführend, erklärt Elena Melnikow-Schneidmiller, Referentin des Dezernats für Kultur und Wissenschaft. "Zu befürworten wäre jedoch eine zeitgemäße Kontextualisierung in Form einer erklärenden Tafel auch mit Hinweis auf die heutigen deutsch-französischen Beziehungen und die europäische Integration."

 got

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