Glosse

Frankfurt: Der Volksfreund will noch volksnäher werden

  • Simone Wagenhaus
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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist jetzt auch noch Stadt-Bürgermeister

Nassau hat einen. Bad Ems auch. Einen Stadtbürgermeister. Das ist wichtig, um einen Unterschied zu machen. Schließlich gibt es in Rheinland-Pfalz auch noch Ortsbürgermeister für jedes noch so kleine Dorf und den Verbandsgemeindebürgermeister (so nennen sich die Verwaltungseinheiten im Nachbar-Bundesland) und natürlich den Oberbürgermeister in kreisfreien Städten. Letzteren hatte Frankfurt bislang auch. Tempi passati. Denn seit vergangenem Sonntag hat auch die Metropole Frankfurt einen Stadt-Bürgermeister. Wer das sein soll? Natürlich der Genosse Peter Feldmann, von dem auf den Fluren im Römer als Sonnenkönig gesprochen wird. Vorbei sind die Zeiten. Die Amtskette hat er abgelegt.

Nah dran bei den Leuten in den Stadtteilen will er künftig sein statt oben im Römer, ließ er mitteilen. In der Kommunalpolitik gehe es schließlich um Konkretes, um die Kita ums Eck, den neuen Fahrradweg, die Sanierung eines Spielplatzes. Da stellt sich die Frage: Was dachte er in den achteinhalb Jahren als Oberbürgermeister, um was es bei Kommunalpolitik geht?

Vielleicht, dass der Oberbürgermeister die meist fotografierte Person der Stadt sein muss? Könnte sein. Keine Pressemitteilung vom offiziellen Kanal der Stadt (nicht des Oberbürgermeister- oder nun Stadt-Bürgermeister-Büros), in der das Stadtoberhaupt nicht in diversen Posen abgebildet ist. Und man muss sagen: Als Model macht er sich gut, der Herr Feldmann. Vielleicht meint er aber auch, dass der Oberbürgermeister die meist zitierte Person in der Stadt sein muss. Das ist mit einfachen Mitteln zu schaffen. Man erteilt Stadträten einfach ein Redeverbot in der Stadtverordnetenversammlung - und redet selbst. Okay, dieser Schuss ging nach hinten los. Das hat wahrscheinlich auch der OB, pardon, jetzt der SB gemerkt.

Deshalb nun die Näher-dran-Offensive. Schließlich ist der Römer aus Sicht der Bürger eine weit entfernte Blase, in der ihre Lebenswirklichkeit kaum noch vorkomme, ließ er verlauten. Das ist natürlich schlecht für die Demokratie, wie der Stadt-Bürgermeister festgestellt hat. Nah dran bei den Leuten in den Frankfurter Vierteln, und nicht mehr oben im Römer will er sein. Damit hat er auch sogleich begonnen - und sich nebenbei einen Kindheitstraum erfüllt, wie er selbst sagt: An seinem 62. Geburtstag am Mittwoch fuhr er auf einem "schweren Gefährt" der Müllwerker mit. Natürlich war's Papiermüll. Der stinkt nicht so.

Danach ging's nicht, wie man nach der Ankündigung vom Sonntag hätte erwarten können, in die Frittenbude ums Eck. Sondern in den Römer. Ach so, Stadt-Bürgermeister lässt er sich nach dem Treffen mit den Müllwerkern auch nicht mehr nennen. Sondern wieder Oberbürgermeister. Simone.Wagenhaus@fnp.de

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