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Kaum öffentliche Toiletten in Frankfurt: Neues Konzept verzögert sich

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Von: Thomas J. Schmidt

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Die öffentlichen Toiletten wie hier am Südbahnhof in Frankfurt sind ein Dauerbrenner in der Stadt – vor allem die, die es noch nicht gibt.
Die öffentlichen Toiletten wie hier am Südbahnhof in Frankfurt sind ein Dauerbrenner in der Stadt – vor allem die, die es noch nicht gibt. © Christoph Boeckheler

Streitthema Sanitäranlagen in Frankfurt: Die neue Stadtregierung will das im März vorgelegte Konzept für neue öffentliche Toiletten überarbeiten.

Frankfurt – Die Bürger und Besucher der Stadt werden sich dringende Geschäfte wohl noch längere Zeit verkneifen müssen, wenn sie in Frankfurt unterwegs sind. Nach dem Regierungswechsel im Römer verzögert sich die Umsetzung des Toilettenkonzeptes weiter. Seit einigen Monaten liegt die Verantwortung für die Toiletten nicht mehr wie bislang beim Amt für Bau und Immobilien, sondern im Bau- und Schuldezernat bei Stadträtin Sylvia Weber (SPD). Dort arbeitet man sich jetzt in die komplizierte Materie ein.

„Wir überprüfen das Konzept und prüfen die Einwände“, sagt Agnes von Römer, im Dezernat für das Konzept zuständig. „Es gab viele Einwände. Wir werden sie berücksichtigen und das Konzept entsprechend überarbeiten.“ Mit einem Ergebnis sei in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. „Aber es wird auch nicht auf die lange Bank geschoben“, so von Römer. Wenn das Konzept im kommenden Jahr steht, muss der Magistrat zustimmen, die Stadtverordnetenversammlung ebenso, und dann muss die Finanzierung geklärt werden. Es kann also noch etwas dauern.

Konzept für öffentliche Toiletten in Frankfurt verzögert sich

Das offensichtlich ungeliebte Kind bleibt also eine schwere Geburt: langwierig, zäh, mit ungewissem Ausgang. Eine Verstopfung in einer wirklichen Toilette wird hoffentlich schneller behoben, als der Mangel an Bedürfnisanstalten in der Mainmetropole.

Es schleppt sich schon eine gefühlte Ewigkeit hin, die Angelegenheit mit den Bedürfnisanstalten. Infrastrukturdezernent Jan Schneider (CDU) hatte schon 2016 eine Umfrage gestartet, wo in Frankfurt noch die Notwendigkeit für einen Standort besteht. 232 Vorschläge haben die Frankfurter damals gemacht. Im April 2018 hatte Schneider dann von den Stadtverordneten den Auftrag bekommen, ein städtisches Toilettenkonzept zu erarbeiten. Ende 2018 sollte es eigentlich fertig sein. Doch die Angelegenheit dauerte länger. 480 Standorte wurden geprüft. Immer wieder vertröstete der Dezernent die Stadtverordneten mit den Worten, „sehr bald“ oder „demnächst“ werde er etwas vorlegen.

Frankfurt: Öffentliche Toiletten in der Stadt nur schwer zu finden

Im März dann hieß es, das Konzept sei fertig. So lange der Magistrat und die Stadtverordneten nicht zugestimmt haben, war es noch nicht öffentlich. Und ungefähr dies ist jetzt wieder der Stand der Dinge. In Frankfurt gibt es, gerechnet auf die Zahl der Einwohner, nur etwa halb so viele öffentliche Toiletten wie in Düsseldorf oder in Stuttgart.

Die Stadt rettet sich, indem sie halböffentliche Bedürfnisanstalten etwa in Vertragsgaststätten zur nackten Zahl der öffentlichen Toiletten hinzuzählt und so auf etwa 100 Bedürfnisanstalten kommt. In der Neuen Altstadt beispielsweise, wo vor Corona täglich 8000 Besucher durch die Straßen gezogen sind, ist nur durch die Gaststätten das wilde Pinkeln einzudämmen – eine öffentliche Toilette fehlt dort bis heute. In Frankfurt ist man, so der Eindruck, recht genierlich, was dies angeht. Selbst wenn es eine Toilette gibt, ist es für Auswärtige geradezu unmöglich, die winzig kleinen Hinweisschilder zu sehen, vor allem, wenn es schnell gehen muss.

Öffentliche Toiletten in Frankfurt: Verstreut und in Museen und Kiosken

Jetzt soll alles besser werden. Vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien dürfen die Frankfurter auf Folgendes hoffen: Bislang war von 18 Toiletten die Rede, die gebaut werden sollten, unter anderem am Fernbusbahnhof und im Bethmannpark, aber auch in der Bendergasse in der Neuen Altstadt. Darüber hinaus solle geprüft werden, welche Behörden, Museen und andere städtischen Einrichtungen ihre stillen Örtchen für die Öffentlichkeit nutzbar machen können.

Im April bereits hat die Stadt 34 Wasserhäuschen der Radeberger-Gruppe (Binding, Henninger) übernommen. Die Idee hier: Einige der Häuschen könnten mit Toiletten ausgestattet werden, die Pächter seien dann auch für die Toiletten zuständig und können so noch einige Euro hinzuverdienen. Zugleich sind diese Toiletten dann auch unter einer öffentlichen Kontrolle, was Vandalismus verhindern könnte. (Thomas J. Schmidt)

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