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Tauben von Blasrohrpfeilen durchbohrt - Vögel am Deutschherrnufer unter Beschuss

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Rüdiger Benz mit einer verletzten Taube.
Rüdiger Benz mit einer verletzten Taube. © FNP

Ein Fall von Tierquälerei beschäftigt Frankfurt. Im Stadtteil Sachsenhausen schießt ein Unbekannter offenbar mit Pfeilen auf Tauben.

Frankfurt - Rüdiger Benz hat schon vieles gesehen, aber etwas so Perfides wie dies noch selten: Eine Taube, der ein spitzer Pfeil in den Kopf gebohrt wurde, und die unter großen Schmerzen mit dem Geschoss im Körper weiterlebt. Gefunden wurde sie in einem Garten am Deutschherrnufer in Frankfurt*. Der Darmstädter Tierfreund nennt sich den Mann „für die harten Fälle“: Er fängt Wildtiere ein, die sich in Fäden verheddert haben, oder solche, die nicht erwünscht sind, etwa, wenn sich ein Vogel in ein Gebäude verflogen hat. Dass Tiere so bewusst misshandelt werden wie am Deutschherrnufer, kommt öfter vor, als man denkt.
 
Dort konnte Benz zwei Tiere, die mit Pfeilen durchbohrt waren, nach tagelangen Fangversuchen in Frankfurt schließlich mit einer Netzpistole und einer Falle einfangen und in einer Box im Auto transportieren. „Die Taube mit einem roten Pfeil durch den Hals habe ich zu einer Tierärztin nach Seligenstadt gefahren. Die zweite sah schlimmer aus, ihr wurde der Pfeil unter Narkose aus dem Kopf herausoperiert. Er hatte sich durchs Auge gebohrt“, sagt Benz. Bei sich zu Hause päppelt er das Tier nun wieder auf, gibt ihm Medikamente und Schmerzmittel.

Mit Blasrohr auf Tauben gefeuert: Täter aus der Nachbarschaft in Frankfurt?

Die Besitzerin des Gartens am Deutschherrnufer in Frankfurt, Sabine S., die eigentlich anders heißt, hatte die Vögel gefunden und Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt informiert*, die wiederum Rüdiger Benz zu Hilfe rief. Sabine S. fiel schon im Januar die erste verletzte Taube auf, die zu ihrer Futterstelle für Singvögel geflogen kam. „Sie hatte einen Pfeil im Hals und konnte kaum picken“, erzählt die Sachsenhäuserin.

Am Deutschherrnufer und an der Straße Zum Brommenhof hatten Anwohner mehrere Tauben mit Pfeilen gesehen. Aber nur die zwei erwähnten konnten eingefangen und gerettet werden. In ihrem Garten fand Sabine S. noch mehr Pfeile, auch auf einem Auto in der Straße lag einer. Wer die Tiere auf diese Weise beschießt, ist unklar. Doch nicht nur die Vögel sind in Gefahr. Sabine S. macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Der Kinderspielplatz ist direkt neben ihrem Garten. „Wenn ein Kind einen solchen Pfeil findet, kann es sich oder andere verletzen. Das ist hochgefährlich“, warnt sie.

Frankfurt: Tierfreunde vermuten Taubenhasser hinter Schüssen

Der Verein Stadttaubenprojekt hat Anzeige erstattet, auch über den Spielplatz wurde die Polizei informiert. Eine Streife kam vorbei, konnte aber nichts ausrichten. Für Hinweise hat ein Tierfreund über das Stadttaubenprojekt eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt, wie die Bild-Zeitung berichtet.

Rüdiger Benz weiß noch von anderen Fällen: In Oberursel etwa hatte eine junge Nilgans, zu der der Tierretter gerufen wurde, einen Pfeil im Bein stecken. Auch Gudrun Stürmer kann sich erinnern, dass vor Jahren mitten in Alt-Sachsenhausen schon einmal solche Blasrohrgeschütze aufgetaucht seien. Die Vorsitzende des Vereins Stadttaubenprojekt hält es für möglich, dass ein Taubenhasser, der im Viertel wohnt, hinter der Tierquälerei steckt. „Dem gefällt es einfach nicht, dass dort viele Tauben leben“

Frankfurt: Angriffe auf Tauben, wenn kaum Menschen unterwegs sind

Ob derjenige aus seinem Fenster heraus auf die Vögel zielt oder sich an den Garten heranpirscht, weiß niemand. „Man kann ja auch nicht jeden Tag auf der Lauer liegen“, sagt Sabine S. Er könne aber nur früh morgens oder um die Mittagszeit sein Unwesen treiben, wenn die Tiere aktiv und kaum Menschen unterwegs sind. Wer etwas gesehen hat, kann sich beim Stadttaubenprojekt oder bei der Polizei Frankfurt melden. 

Die Taubenpopulation in Frankfurt sorgt immer wieder für Diskussionsstoff. So beispielsweise rund um die Straßenbahn-Haltestelle Schwarzwaldstraße, wo Unbekannte Futter auslegen. Viele Passanten nervt der Dreck der Vögel massiv*. (Stefanie Wehr) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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