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Denn die Täter kehren immer zurück: Ulrich Müller-Braun mit Tochter Dana an der Offenbacher Schleuse. foto: Rainer rüffer

Krimi-Neuerscheinung

Frankfurt: Die Eintracht und der Main müssen einfach sein

  • vonGernot Gottwals
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Ein Vater-Tochter-Gespann legt jetzt seinen zweiten Fußball-Krimi vor. Der Schauplatz ist diesmal die Schleuse bei Oberrad nahe zur Stadtgrenze Offenbach.

Der Sportreporter Severin Klemm lebt auf der Überholspur. Eben hat er noch einen mutmaßlichen Vergewaltiger verprügelt, da erhält er ein kryptisches Fußballrätsel und rast zur Offenbacher Schleuse. Kann er hier noch ein Menschenleben retten? Minuten später steht nicht nur ihm das Wasser buchstäblich bis zum Hals... "Ich kenne dieses Gefühl, ich bin nämlich als Kind mal in die Griesheimer Schleuse gefallen", erinnert sich Ulrich Müller-Braun (64), der zusammen mit seiner Tochter Dana (30) nun seinen zweiten Krimi "Nachspielzeit" veröffentlicht hat. Wobei es nach "Im Auge des Adlers" im zweiten Eintracht-Krimi mit Reporter Klemm und der stellvertretenden Eintracht-Pressesprecherin Lydia Heller noch um einen weiteren Abgrund geht: "Sexualisierte Gewalt im Fußball. Wenn man unter der Oberfläche kratzt, stößt man schnell auf irritierende Statistiken", sagt Dana Müller-Braun.

5:1 gegen die Bayern

Dabei beginnt der Krimi im wahren Freudentaumel. Einem sagenhaftem 5:1 der Eintracht gegen Bayern München und der feuchtfröhlichen Versöhnung von Lydias Vater mit dem Eintracht-Präsidenten folgt jedoch schon bald ein Schock: Lydia findet die verstörte Vera in der VIP-Lounge auf der Toilette, wo diese von einem sexuellen Übergriff berichtet.

Und Severin wird von mysteriösen Rätselaufgaben verfolgt, die jedes Mal den Tod eines Menschen anzukündigen scheinen: Ein junger Mann stürzt aus dem Fenster des Uni-Hauptgebäudes, als er beim Einlösen einer Wette das Gleichgewicht verliert. Veras mutmaßlicher Peiniger wird wenige Tages später tot an der A 661 aufgefunden. Und dann stellt ein weiteres Rätsel Lydia und Severin vor die Wahl, ob sie den Wettlauf um Leben und Tod an der Eissporthalle oder an der Offenbacher Schleuse aufnehmen.

Eine App und illegale Wetten

Dabei geht es um eine App mit illegalen Wetten, die Severin bereits in der Türkei ins Gefängnis gebracht hatten. Nur mit Hilfe von Lydia und der Eintracht gelang die Befreiung. Doch nun riskiert Severin erneut Kopf und Kragen, gerät bei seinen "Einsätzen" zunehmend in Bedrängnis - und das ausgerechnet bei Kommissarin Julia Hacker, mit der er eine Affäre hat. Wird er denn niemals erwachsen?

"Eigentlich hat Severin auch ziemlich viel Weibliches an sich, das er jedoch überspielt und dabei zum Sarkasmus neigt, ähnlich wie ich", findet Dana Müller-Braun. Sie muss es wissen, denn wie bei beim ersten Krimi "Das Auge des Adlers" setzt das Vater-Tochter-Gespann ein Erfolgsrezept fort: Sie übernimmt die Rolle von Severin, ihr Vater dafür die von Lydia. So entsteht ein Roman mit Perspektivenwechsel im anderen Geschlecht. Und der Leser kann sich hautnah in die Charaktere hineinfühlen.

Entstanden war die Idee zu den beiden Büchern auf Anregung des Societätsverlags, eine Reihe von Fußballkrimis aus der Rhein-Main-Region mit spannenden Fällen rund um die Eintracht zu vervollständigen. Doch während Dana Müller-Braun seit ihrer Jugend Geschichten schreibt und in den vergangenen Jahren zahlreiche Jugend-Fantasy-Romane veröffentlicht hat, betrat ihr Vater zunächst Neuland: "Meine Geschichten hatten bislang selten mehr als 120 Zeilen", sagt der langjährige Journalist, der auch für diese Zeitung gearbeitet hat.

Klar, dass er sich bei seiner Tochter so manchen Tipp und Ratschlag holte. "Eine Freundin von mir hat einen ähnlichen Charakter wie Lydia, das hilft bei der Orientierung", sagt Müller-Braun. Außerdem war er wie Lydia früher Pressesprecher bei der Eintracht und konnte daher beim Erstellen der Rätsel sein Fachwissen einbringen: "Alle Eintrachtfans können die tödlichen fünfzeiligen Limericks selbst lösen", verspricht er.

Doch wenn Lydia selbst mit sexualisierter Gewalt konfrontiert wird, muss sie ihre Rolle zwischen Heldin und Opfer neu ausloten. Tatsächlich rangieren entsprechende Fälle bislang in der Kriminalitätsstatistik nur in der Rubrik "Verschiedenes", wie Ulrich Müller-Braun feststellt. "Das zeigt dann, dass wir alle das Thema noch nicht richtig auf der Uhr haben", fügt seine Tochter hinzu.

Doch der Kampf währt noch lange, passend zum Titel "Nachspielzeit". Ob es einen dritten Roman geben wird, bleibt noch offen: Nach zwei Krimis in 15 Monaten heißt es erst mal Durchatmen. Gernot Gottwals

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