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Blick in die Kälteanlage der Städtischen Bühnen. In diese Technik wurde massiv Geld investiert. foto: arne dedert/dpa

Kultur

Frankfurt: Die Uhr tickt für die Städtischen Bühnen

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Reparaturen werden immer aufwendiger - Ersatzteile sind jedoch nur schwer zu beschaffen. Die Debatte um Abriss und Neubau geht derweil weiter.

Frankfurt -Das Dach ist undicht, es regnet rein. Die technischen Anlagen sind veraltet. Die Fassade ist teilweise mit einem Netz abgesichert, weil die Sandsteinplatten drohen, herabzustürzen. Seit langer Zeit steht fest: Die Doppelanlage der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz ist abgewirtschaftet. Jahr für Jahr werden für die Instandsetzung und Wartung des Gebäudes mehrere Millionen Euro ausgegeben. Und Opernintendant Bernd Loebe hatte aber bereits 2016 gesagt, dass aus seiner Sicht der Spielbetrieb nur noch maximal fünf Jahre gesichert sei. Sprich: Die Uhr tickt.

"Eine baldige Erneuerung der Häuser ist geboten, um den zukünftigen Bühnenbetrieb mit seinen knapp 1200 Mitarbeitern garantieren zu können", teilte jetzt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) mit. Der Magistrat könne nicht ausschließen, dass bei längerem Betrieb des Gebäudes größere Anlagen ausfallen und entsprechend höhere Instandhaltungs- und Ersatzbeschaffungskosten anfallen werden.

Die Antwort der Stadträtin geht auf eine Anfrage der Stadtverordneten Monika Krause (AfD) zurück, die wissen wollte, wie der Weiterbetrieb der Städtischen Bühnen auch nach 2020 gewährleistet werden soll und welche Auswirkungen eine vorzeitige Schließung der Spielstätten hätte.

Die Kulturdezernentin teilt mit, dass seit Sommer 2017 technische Anlagen, die älter als 30 Jahre sind und für die es keine Ersatzteile mehr gibt, "nach Möglichkeit" ausgetauscht und erneuert werden. Das sei etwa geschehen bei der Großkälteanlage, der Lüftung und der Klimaanlage der Probebühne.

"Alle weiteren Anlagen, deren Austausch nicht möglich wäre, können weiterhin nur regelmäßig gewartet und verantwortungsvoll geprüft werden", so Hartwig. Stelle man bei Wartungsarbeiten und Prüfungen fest, dass Bauteile kurz vor dem Ausfall stünden, werde versucht, rechtzeitig Ersatzteile zu organisieren, um die Bauteile frühzeitig auszutauschen. So könnten größere Schäden an den Anlagen verhindert werden.

Technische Anlagen sehr störanfällig

Die Gründe, warum bestimmte Anlagen nicht erneuert werden könnten, seien bekannt: Die meisten neuen Anlagen würden durch ihre Baugröße nicht in die vorhandenen Räume passen, und die vorhandenen Kanäle hätten nicht die entsprechenden Dimensionen. "Neue Anlagen auf dem Dach zu installieren, ist nicht möglich, da die Statik des Daches ihre Grenzen erreicht hat", so die Stadträtin. Deshalb stehe fest, dass die Theateranlage abgängig sei. Hartwig weiter: "Die haustechnischen Anlagen sind desolat und sehr störanfällig, was bereits erhebliche Auswirkungen auf den künstlerischen Betrieb hat." Daneben seien es auch die gesetzlichen Bestimmungen, die weitreichende bauliche Anpassungen erforderlich machten.

Bereits im Januar haben die Stadtverordneten beschlossen, dass das Gebäude aus dem Jahr 1963 abgerissen werden soll. Schauspiel und Oper sollen jeweils einen Neubau an zwei unterschiedlichen Orten bekommen. Wo, das ist jedoch noch ein großer Streitpunkt innerhalb der Römer-Koalition, vor der Kommunalwahl am 14. März wird vermutlich keine Entscheidung getroffen.

Die Stabsstelle "Städtische Bühnen" prüft derzeit fünf Varianten. Dazu zählen etwa ein Neubau der Oper am Willy-Brandt-Platz und ein Neubau des Schauspiels in den Wallanlagen sowie ein Neubau des Schauspiels am Willy-Brandt-Platz und ein Neubau der Oper auf einem Grundstück an der Neuen Mainzer Straße, dort, wo heute die Zentrale der Frankfurter Sparkasse steht.

"Die Stabsstelle wird unter Berücksichtigung aller relevanten Vorgaben einen Lösungsvorschlag erarbeiten, der nach entsprechendem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für einen Architekturwettbewerb zu Grund gelegt werden kann", so Hartwig. Eine abschließende Empfehlung der Stabsstelle sollte eigentlich noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Das jedoch bleibt noch abzuwarten. Die Abstimmungen dazu laufen derzeit. Julia Lorenz

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