Oliver Strank (CDU)
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Oliver Strank (CDU)

Kandidaten für die Wahl 2021

Frankfurt: Diese Politiker möchten in den Bundestag

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Manche sitzen fest im CDU-Sattel, andere gelten wie die SPD als eher erfolglos, und die Grünen warten mit einem Schwergewicht auf

Frankfurt -Die Bundestagswahl im nächsten Jahr wirft ihre Schatten voraus. Nachdem bereits die SPD-Kandidaten in den beiden Frankfurter Bundeswahlkreisen ihr Interesse bekundet haben, verkünden auch die beiden Inhaber der Direktmandate von der CDU, erneut antreten zu wollen.

Schon zweimal hat Matthias Zimmer das Direktmandat im Frankfurter Westen (Bundestagswahlkreis 182) für die CDU geholt. Er gilt als treuer Merkelianer. Nach dem gelungenen Krisenmanagement der Bundeskanzlerin und dem daraus folgenden Aufschwung der CDU in den Umfragen darf sich Zimmer wieder fest im Sattel fühlen. Anders als bei der Nominierung im Jahr 2017, bei der er als amtierender Bundestagsabgeordneter Veljko Vuksanovic als parteiinternen Gegenkandidaten hatte, muss er sich diesmal wahrscheinlich keiner Kampfkandidatur stellen.

Bei der Wahl 2017 hatte Zimmer Mühe, sich gegen den SPD-Bewerber Oliver Strank durchzusetzen. Strank erzielte 27,0 Prozent der Stimmen und lag damit um 6,2 Prozentpunkte über dem Ergebnis seiner Partei. Wegen seines tollen Ergebnisses 2017 muss wohl auch Strank bei der parteiinternen Nominierung keinen Gegenkandidaten fürchten.

Anders sieht es bei der SPD im Bundestagswahlkreis 182 (Frankfurter Osten, Norden und Süden) aus. Schon zweimal ist Uli Nissen über die SPD-Landeslisten in den Bundestag eingezogen. Von dem Gewinn des Direktmandats war sie trotz viermaliger Kandidatur jedoch stets weit entfernt. Zuletzt hatte die inzwischen verstorbene Rita Streb-Hesse 2002 für die SPD das Direktmandat errungen. Nissens chronische Erfolglosigkeit dürfte auch der Grund sein, warum der Vorsitzende der SPD im Bezirk Hessen-Süd, Kaweh Mansoori, die Direktkandidatur anstrebt. Der 31-Jährige will damit auch einen Generationswechsel einleiten und die 61-jährige Nissen in die Parlamentsrente schicken, die ihr nach zwei Wahlperioden zusteht. Mansoori gilt als enger Vertrauter des Frankfurter SPD-Kreisvorsitzenden Mike Josef (37). Beide sind nicht nur in der gleichen Altersgruppe, sondern haben auch eine ähnliche Familiengeschichte. Josefs Familie stammt aus Syrien, Mansooris aus dem Iran. Ihre Familien verließen ihre Heimat, um ihren Kindern die Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen.

Die gelernte Bankkauffrau Nissen trägt als ehrenamtliche Revisorin der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) eine gewisse Mitverantwortung für den Skandal, bei dem sich eine hauptamtliche Führungsriege überhöhte Gehälter und Luxusdienstwagen zuschanzte. Gleichwohl ist Nissen im Wahlkreis bienenfleißig. Kaum ein Awo-Altennachmittag oder Ortsvereinsfest, das sie nicht im knallroten Outfit besucht. Auf Parteitagen fädelt sie Glasperlen zu Ketten, um sie zugunsten der Awo feilzubieten. Mansoori dagegen als gebürtiger Gießener ist erst seit kurzem in Frankfurt und dort nicht annähernd so vernetzt wie Nissen. Sollten jedoch Mansoori und Strank nominiert werden, würde die SPD keine Frau ins Rennen schicken - was die Partei bei der Landtagswahl bei der CDU heftig kritisiert hatte...

Wer im Bundestagswahlkreis 183 für die SPD ins Rennen geht, wird auf die dort direkt gewählte CDU-Abgeordnete Bettina Wiesmann treffen. Wie Zimmer will auch sie ihr Mandat wieder verteidigen. "Nach vier Jahren hat man ein paar Dinge angeschoben" sagt sie. "Die Eindringtiefe erhöht sich, wenn man sich besser auskennt."

Zimmer prognostiziert bereits: "Wer die Frankfurter Wahlkreise gewinnt, entscheidet sich zwischen CDU und Grünen. Die SPD wird in beiden Wahlkreisen als dritte Kraft einziehen." Er verweist auf die Ergebnisse der Europawahl. Nach diesen hätten die Grünen in Frankfurt beide Direktmandate gewonnen.

Im Wiesmann-Wahlkreis 183 tritt für die Grünen ein politisches Schwergewicht an: Omid Nouripour, seit 2006 im Bundestag und außenpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen. Er will wieder antreten, "wenn mir das meine Partei erlaubt". Die Chance, dass die Grünen das Direktmandat im Wahlkreis holen, sieht er, denn: "Im 183er haben wir traditionell die besseren Ergebnisse." Zu dem Bundestagswahlkreis gehören in Frankfurt das Nordend, Bornheim und das Ostend, alles grüne Hochburgen. Könnte also Nouripour gewissermaßen als Nachfolger von Joschka Fischer erstmals das Direktmandat für die Grünen in Frankfurt holen, ja gar Außenminister in einer schwarz-grünen Koalition werden? "Ich bin Nachrücker für Joschka Fischer, nicht Nachfolger", sagt Nouripour dazu.

Wer von den Grünen im anderen Wahlkreis gegen Zimmer antritt, steht noch nicht fest. Zuletzt kandidierte dort Jessica Purkhardt, inzwischen Co-Fraktionschefin der Grünen im Römer. Ob sie erneut antritt, weiß sie noch nicht: "Das muss man sich gut überlegen. Nicht jeder möchte Berufspolitiker werden." Außerdem sei für die Grünen die Kommunalwahl wichtiger als die Bundestagswahl. Thomas Remlein

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