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Widerstand gegen Festplatz-Umzug: „Will keiner vor seiner Haustür haben“

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Von: Matthias Bittner

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Der Widerstand gegen den geplanten Umzug des Frankfurter Festplatzes vom Ratsweg ins Rebstock-Gelände nimmt Fahrt auf. Im Ortsbeirat wird es emotional.

Frankfurt – Lange hat es nicht gedauert, bis sich Widerstand gegen die aktuell diskutierte Verlegung des Festplatzes am Ratsweg auf den Messeparkplatz im Rebstock regte. Vergangenen Freitag hat Ralph Weinhara auf der städtischen Plattform "Frankfurt fragt dich" eine Petition mit der Überschrift "Keine Dippemess am Rebstock" eingestellt. Innerhalb von fünf Tagen unterzeichneten schon 142 Unterstützer.

Einer davon ist Günter Pehlke, der im Rebstockgebiet wohnt und lange Zeit für die FDP im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) saß. Nachvollziehbar sind für ihn die Pläne nicht, sagte er als Gast in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Auf dem Messeparkplatz würden Lastwagen abgestellt, die das Material für Messestände transportierten. "Wo sollen die künftig hin", fragt sich Pelke. Kritisch sieht er die Erreichbarkeit des neuen Festplatzes mit Bus und Bahn. Die Straßenbahnlinie 17 verkehre in der Hamburger Allee nur einspurig, die künftige Endhaltestelle der U 5 sei weit entfernt. Besucher scheuten den Fußweg und wollten auch kein Ticket fürs Messeparkhaus ziehen. "Die suchen sich einen kostenlosen Parkplatz, doch im Rebstock ist jetzt schon alles zugeparkt", prophezeit Pelke noch mehr Verkehrschaos.

Frankfurt: "Behaltet euer Geld und nehmt uns endlich ernst!" – Ärger im Ortsbeirat über Festplatz-Pläne

Nur durch Zufall hatte der Ortsbeirat übrigens von der geplanten Festplatz-Verlegung ins Rebstockgebiet erfahren. Die CDU-Stadtverordnete Christiane Loizides hatte eine offizielle Anfrage an den Magistrat formuliert. Dabei war herausgekommen, dass es bereits Gespräche mit Beteiligten der Stadt, der Messe und der Tourismus & Congress GmbH als Festplatzbetreiberin gegeben habe. Der Umzug des Festplatzes wäre die Konsequenz daraus, dass die Europäische Schule wohl einen neuen Standort am Ratsweg bekommen soll.

Wo sich künftig das Kettenkarussell dreht ist Zukunftsmusik. Der Festplatz am Ratsweg soll umziehen, ein möglicher neuer Standort ist das Rebstockgelände. Das allerdings hält die Mehrheit im Ortsbeirat für absolut tabu. FOTO: Leonhard Hamerski
Wo sich künftig das Kettenkarussell dreht ist Zukunftsmusik. Der Festplatz am Ratsweg soll umziehen, ein möglicher neuer Standort ist das Rebstockgelände. Das allerdings hält die Mehrheit im Ortsbeirat für absolut tabu. FOTO: Leonhard Hamerski © hamerski

Dies sei ein weiteres Beispiel dafür, dass der Ortsbeirat bei wichtigen Entscheidungen übergangen werde, sagte Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne). "Wir sind aber nicht der ,Ortsabnickrat', sondern der Ortsbeirat", betonte er verärgert. Zumindest er oder sein Stellvertreter Axel Kaufmann (CDU) sollten in laufende Vorgespräche eingebunden werden. Der Vorgang in dem Jahr, in dem der Ortsbeirat als Gremium sein 50-jähriges Bestehen feiere und 2000 Euro von der Stadt erhalte, um sich selbst zu feiern, sei ein Armutszeugnis, kritisierte Gutmann und formulierte eine eindeutige Botschaft in Richtung Rathaus: "Behaltet euer Geld und nehmt uns endlich ernst!" Dafür bekam der Ortsvorsteher von allen Fraktionen anerkennenden und zustimmenden Applaus.

Frankfurt: Festplatz „will keiner vor seiner Haustür haben“

Obwohl CDU und FDP den von Linke, Grünen und SPD vorgelegten Antrag mit der Überschrift "Keinen Festplatz oder zusätzliche kommerzielle Großveranstaltungen am Rebstock zulassen" in Teilen unterstützten, wollten die beiden Fraktionen einen eventuellen Umzug des Festplatzes nicht kategorisch ausschließen. Laut Kaufmann benötige Frankfurt selbstverständlich einen Festplatz - "den will aber keiner vor seiner Haustür haben." Beim entsprechenden Schutz für die Anwohner sei ein Betrieb des Festplatzes an dieser Stelle ja vielleicht sogar möglich. "Wir sollten uns das Konzept oder die Pläne mal vorstellen lassen", sagt Kaufmann, verwies aber darauf, dass er sehr viele abweisende Stimmen der Bürger gegen diese Pläne erhalten habe. FDP-Fraktionsvorsitzende Sophie Hartmann will zudem wissen, ob der Festplatz mit all seinen Veranstaltungen wie Zirkus und Verkaufsausstellungen und damit Betrieb an 270 Tagen oder nur die Dippemess umziehen soll. Ihr Fraktionskollege Daniel Ritter erklärte, Beeinträchtigungen für die Messe dürfe es dadurch nicht geben.

Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) entgegnete, es gehe nicht nur um die Messe. "Seit 2006 kämpfen wir im Ortsbeirat dafür, dass das Gelände als Landschaftsschutzgebiet anerkannt wird." Dieser Status indes steht nach einer Stellungnahme des Magistrats aber eigentlich schon fest, wie Grünensprecherin Katrin Haus mitteilte. Eine SPD-Anfrage, ob der Messeparkplatz für Park & Ride-Zwecke genutzt werden könne, sei mit den Hinweis, dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handele, abgelehnt worden. SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Völker glaubt ohnehin nicht, dass schon eine Entscheidung über den Umzug des Festplatzes gefallen ist. Es müsse berücksichtigt werden, dass "das Rebstockviertel noch wächst". Unter diesem Gesichtspunkt gäbe es ein Dutzend "anderer möglicher Festplätze in der Stadt. (Matthias Bittner)

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