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Rassistisches Plakat sorgt für Aufregung

Ärger um rassistisches Plakat

VGF distanziert sich: "Das hätten wir auf jeden Fall unterbunden"

Ein rassistisches Plakat, dass dunkelhäutige Menschen mit „Schwarzfahren“ in Verbindung bringt, sorgte für viel Aufsehen in Frankfurt. Die VGF hat eine Vermutung, wie es in die Bahn gelangte.

Frankfurt - Fast hätte Martin Kliehm das Plakat in einem Wagen der Linie U 4 gar nicht wahrgenommen. Zu sehr ähnelt es in Farbe, Gestalt und Logo echter Eigenwerbung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Doch der offensichtliche Rassismus stach dem „Linke“-Stadtverordneten ins Auge: Abgebildet ist ein dunkelhäutiger Junge, daneben steht „Alle fahren schwarz“. 

Der Hintergrund ist in der Farbe der VGF, Subaru-Vista-Blue, gehalten. Auch die weißen Linien im Bild erinnern ans VGF-Design. Der Schriftzug „B & S – Babel & Siko“ aber ist offenbar ein Fälschung. Kliehm machte ein Foto, lud es beim Nachrichtendienst Twitter hoch und fragte die VGF: „Was ist das für ein rassistischer Mist?! (In der U4, Wagen 910A.)“ 

tweet

Aufforderung zum Schwarzfahren in der U4?

Seitdem verbreitet es sich im Internet. Schnell distanzierte sich die VGF von dem Plakat: „Guten Morgen, das ist selbstverständlich kein Plakat von uns. Wir lassen es schnellstmöglich entfernen, danke für den Hinweis!“, antwortete sie Kliehm auf Twitter. Zwar hänge das Plakat in einem von der Werbefirma Ströer vermieteten Rahmen, einen Auftrag es aufzuhängen gebe es aber nicht, erklärt VGF-Sprecherin Dana Vietta. „Das hätten Ströer und wir auch auf jeden Fall unterbunden.“ 

Die Rahmen seien leicht zu öffnen, vermutlich habe jemand das Plakat einfach hineingehängt. Der Hintergrund der rassistischen Aktion sei völlig unklar, sagt Vietta- und auch Kliehm kann sich keinen Reim darauf machen. Der Satz „Auge auf die Kontros“ oben auf dem Plakat legt nahe, es könnte auch eine – wegen ihres Rassismus allerdings völlig misslungene – Aufforderung zum Schwarzfahren sein: „Kontro“ ist in Berlin und anderswo die Abkürzung für U-Bahn-Kontrolleure, auch in Schwarzfahrer-App oder auf der Facebook-Seite „Schwarzfahren Frankfurt“ ist der Begriff zu finden. Aber passt das zusammen mit dem Rassismus des Plakats? 

Weitere Plakate aufgetaucht - VGF distanziert sich

Inzwischen tauchten zwei weitere gefälschte VGF-Plakate auf, mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund, angelehnt an eine Sicherheitskampagne der VGF für mehr Aufmerksamkeit auf den Bahnsteigen. „Wie nennt man jemanden, der die AfD gewählt hat? Opfer!“, steht auf einen der beiden gefälschten Plakate. Rassismus auf dem einen Plakat, AfD-Schelte auf dem anderen – das passt nicht so recht zusammen, findet Kliehm. 

Die VGF überlegt, ob sie Anzeige erstatten soll – aber weswegen? „Das ist wohl nicht einmal Sachbeschädigung“, vermutet Kliehm. Das Unternehmen überlege, seine Sicherheitskampagne wegen der gefälschten Plakate einzustellen, sagt Vietta. „Unsere Mitarbeiter haben wir sensibilisiert, zu schauen, ob weitere Plakate auftauchen, damit wir sie schnell entfernen können. Wir finden das natürlich nicht gut, wenn unser Design so missbraucht wird.“ 

Abgeordnete fordert Aufklärung

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) fordert weitere Aufklärung. „Im multikulturellen Frankfurt ist kein Platz für derartige Kampagnen. Hier bei uns leben unzählige Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt gemeinsam gut miteinander. Was soll denn sowas?“ „Die VGF muss den Sachverhalt dringend klären“, fordert die Abgeordnete.

Von Andreas Haupt

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