Regelmäßig übt auch die DLRG Frankfurt den Wasserrettungseinsatz. Sie befürchtet wegen Corona mehr Einsätze auf dem Main.
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Regelmäßig übt auch die DLRG Frankfurt den Wasserrettungseinsatz. Sie befürchtet wegen Corona mehr Einsätze auf dem Main.

Anstieg befürchtet

Viele Badeunfälle – DLRG warnt: „Der Main ist keine Freibad-Alternative!“

Im Corona-Sommer ist alles anders: Freibäder und Seen in Rhein-Main öffnen nur mit strengen Regeln. Immer öfter suchen Schwimmer deshalb auch im Main Abkühlung. Doch das ist lebensgefährlich, warnt die DLRG – und befürchtet mehr Schwimmunfälle.

Frankfurt – Hinter den Einsatzkräften der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Rhein-Main liegen ereignisreiche Tage. Am 12. Juni stürzt sich in Hanau ein Jugendlicher in Badekleidung von der B43a-Brücke in den Main. Zahlreiche Rettungskräfte von DLRG, Feuerwehr, Taucherstaffel und Notärzte sind im Einsatz, um ihn aus dem Wasser zu fischen. Einen Tag später will ein Mann in Frankfurt vom Ufer aus auf die andere Mainseite nach Sachsenhausen schwimmen. Ihm geht die Kraft aus – Rettungsschwimmer müssen eingreifen. 

Noch schlimmer ergeht es einem Mann im Stadtgebiet Frankfurts am 20. Juni. Er ist kurz vorm Ertrinken, Rettungskräfte können in gerade noch rechtzeitig reanimieren. Sie müssen auch am vergangenen Dienstag eingreifen, als ein Mann in Frankfurt in den Main springt, um einem anderen zu helfen. Beide verletzen sich, weil der Fluss hier keinen Meter tief ist.

Frankfurt: Baden im Main größtenteils verboten

„Das Schwimmen im Main ist nicht nur gefährlich, sondern zum größten Teil sogar verboten“, sagt Tobias Pohlitz, Sprecher der DLRG Frankfurt. 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken, Anlegestellen und Schleusen gilt das Verbot und damit praktisch im gesamten Stadtgebiet Frankfurts.

Die Gefahren wiederum sind nicht immer leicht zu erkennen, wie die starke Sogwirkung der Schiffe oder die Strömung des Mains. Außerdem schätzen viele die Wassertiefe völlig falsch ein. Im Uferbereich beträgt sie teilweise nicht mal einen Meter. Wegen der schlechten Wasserqualität ist das aber nicht zu sehen. Tobias Pohlitz: „Leute springen zwei Meter von der Kaimauer oder im schlimmsten Fall von einer Brücke ins Wasser und knallen auf den Boden oder Gegenstände, die im Wasser liegen, wie Fahrräder, Parkbänke oder Einkaufswagen. Da sind schlimme Verletzungen programmiert.“

Frankfurt: DLRG muss Ertrinkende aus dem Main retten

Außerdem muss die DLRG immer wieder Menschen aus dem Wasser retten, die vor der Kaimauer fast ertrinken, weil sie hier nicht mehr hochkommen. „Das Ufer kann zwar voll mit Menschen sein, aber die bekommen den Notfall nicht immer mit.“ Dazu kommen noch Keime, die unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Deshalb rät sogar das Gesundheitsamt vom Schwimmen im Main ab.

50 Einsätze hatten die Ehrenamtlichen der DLRG Frankfurt in diesem Jahr schon am, im und auf dem Wasser. Im Corona-Sommer kommen noch viele dazu, ist man sich hier sicher, vor allem am Wochenende. „Wir haben unsere Wachmannschaften verstärkt, vor allem zu den Stoßzeiten am Wochenende. Dann ist auch unsere Station an der Untermainbrücke besetzt“, sagt Tobias Pohlitz. „Wir gehen davon aus, dass sich der Notruf ,Person im Wasser’ in der nächsten Zeit häuft. In solchen Fällen gehen wir immer vom Schlimmsten aus.“

Wegen Corona: Angst vor mehr Badeunfällen im Main in Frankfurt

Grund für die düsteren Prognosen sind auch die strengen Corona-Richtlinien in den Freibädern und Seen Rhein-Mains. Wegen vorgegebener Schwimm-Zeiten, Online-Tickets oder weniger Liegeplätzen gehen Experten davon aus, dass mehr Schwimmer eine Abkühlung im Fluss suchen. Aber die DLRG warnt: Der Main ist keine Freibad-Alternative!

„Von Brücken zu springen ist einfach nur dumm und gefährlich“, sagt auch Tobias Pohlitz. „Außerdem kommen zu einem Wasserrettungseinsatz nicht nur wir von der DLRG, sondern auch die Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, Notarzt und Rettungswagen. Das sind alles Einsatzkräfte, die woanders dann fehlen.“ (Von Julia Oppenländer)

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