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Vor einem Jahr wurde dieser aus Berlin ausgeliehene Doppeldecker-Bus auf der Linie 34 getestet. Die Erfahrungen waren nicht so gut, weshalb es bei den Standard-Bussen (rechts) bleibt, die wegen des großen Fahrgastandrangs häufig überfüllt sind.

Stadt entscheidet sich gegen Busse mit zwei Etagen

Frankfurt: Doppeldecker fallen durch

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Im Frankfurter Linienbetrieb wird es keine Doppeldeckerbusse geben. Ein Probelauf vor einigen Monaten hat gezeigt, dass die Fahrgäste die zweite Etage zu wenig nutzen. Am Dienstag präsentierte die städtische Busgesellschaft ICB neue Standardbusse mit Dieselantrieb. Auf Wasserstoff- oder Elektrobusse müssen die Frankfurter noch warten.

Das Interesse war groß, als die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq im vergangenen Dezember und erneut im Februar Doppeldeckerbusse im Linienbetrieb testete. Ein Hauch von Berlin oder London auf Frankfurts Straßen – darauf freuten sich viele Fahrgäste. Doch aus diesem Traum wird nichts. Traffiq hat sich gegen die Busse entschieden, die gerade auf stark frequentierten Linien, auf denen keine Gelenkbusse verkehren können, eine gute Alternative gewesen wären.

Der Test habe gezeigt, dass nur etwa die Hälfte der Fahrgäste über die Treppe in die obere Etage steigen, sagte Traffiq-Sprecher Klaus Linek der FNP. Für einen reibungslosen Betrieb müssten es deutlich mehr sein. Bei kurzen Distanzen sei es für viele Fahrgäste zu umständlich, nach oben zu gehen. Als Alternative wird jetzt erneut der Einsatz von Bussen mit Anhänger geprüft.

Gegen die Doppeldecker spricht noch ein weiterer Aspekt. Für Frankfurt käme nur eine kurze Variante in Frage, mit der auch enge Kurven befahren werden können. Solche Fahrzeuge gibt es derzeit aber nur als Prototyp. Ob sie jemals in Serie gehen, ist unklar. Frankfurt setzte darauf, dass Berlin eine größere Stückzahl bestellt. Ob es dazu kommt, steht nach Angaben eines Sprechers der Berliner Verkehrsgesellschaft noch nicht fest.

Hinzu kommt, dass die Doppeldecker nicht für neue Antriebstechniken wie Brennstoffzelle oder Batteriebetrieb geeignet sind, da dafür die Technik in der Regel auf dem Dach untergebracht wird. Auf solche Antriebe muss Frankfurt aber ohnehin noch warten. Die städtische Busgesellschaft ICB stellte am Dienstag 23 fabrikneue Busse vor, die zwar alle die neuste europäische Abgasnorm erfüllen, aber konventionell mit Diesel angetrieben werden. Sie werden auf sechs Linien eingesetzt, die in den vergangenen Jahren von der Firma Alpina betrieben wurden und die jetzt per Direktvergabe wieder zurück an das eigene Unternehmen der Stadt gegangen sind (siehe unten).

Etwa zwölf Jahre werden die neuen Busse auf Frankfurts Straßen unterwegs sein, sagte ICB-Geschäftsführer Alois Rautschka. Wann sie durch alternative Antriebstechniken abgelöst werden, ist offen. Geplant ist, zusammen mit Mainz und Wiesbaden Busse mit Brennstoffzellenantrieb zu testen. Drei Busse sollen nach Frankfurt kommen, den nötigen Wasserstoff könnten sie im Industriepark Höchst tanken. Offen ist jedoch noch die EU-Förderung, ohne die das Projekt nicht funktioniert.

Denn alternative Antriebe sind teuer. Während ein Dieselbus für rund 250 000 Euro zu haben ist, kostet ein batteriebetriebener Bus bis zu 700 000 Euro, mit Brennstoffzelle ist der Preis noch höher. Deshalb hat das Land ein Förderprogramm angekündigt. Es übernimmt 40 Prozent der Mehrkosten eines Elektrobusses.

Die ICB will sich auf die neue Technik einstellen – und plant eine neue, kompaktere Werkstatt mit moderner Ausstattung. Die heutige Werkstatt am Rebstockpark werde aufgegeben, um Platz für Wohnungen zu machen, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Einen neuen Standort habe man schon im Auge. Im Gespräch ist ein Grundstück in Praunheim.

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