Ladestation für Elektroautos an der Hauptwache: Bisher steht Frankfurt bei der Zahl öffentlicher E-Ladesäulen schlecht da. Bis Jahresende könnte sich jetzt aber die Zahl der Lademöglichkeiten für Stromer in der Stadt verdoppeln. Fünf Anbieter wollen dafür investieren. Foto: Wilhelm Pischke/dpa
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Ladestation für Elektroautos an der Hauptwache: Bisher steht Frankfurt bei der Zahl öffentlicher E-Ladesäulen schlecht da. Bis Jahresende könnte sich jetzt aber die Zahl der Lademöglichkeiten für Stromer in der Stadt verdoppeln. Fünf Anbieter wollen dafür investieren.

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Frankfurt: Doppelt so viele Ladesäulen für E-Autos noch in diesem Jahr

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Bislang gibt es in Frankfurt nur 26 öffentliche Ladepunkte für E-Autos pro 100 000 Einwohner. Das soll sich nun ändern.

Frankfurt -Die Zahl der öffentlichen Lademöglichkeiten für Elektroautos in Frankfurt soll sich bis Jahresende mindestens verdoppeln. Das sehen die Ausbaupläne der Anbieter von Elektro-Ladesäulen vor. Bislang hinkt die Stadt bei der E-Infrastruktur allerdings erheblich hinterher.

Gerade einmal 26 öffentliche Ladepunkte für E-Autos bietet Frankfurt bisher je 100 000 Einwohner. Das ist das zweitschlechteste Angebot unter den zehn größten Städten Deutschlands, wie Berechnungen dieser Zeitung von Zahlen der Bundesnetzagentur und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Januar offenbarten. Nur 199 öffentliche Ladepunkte an rund 100 Ladesäulen-Standorten sind es bislang. Berlin bot zum gleichen Zeitpunkt satte 1355 Elektro-Ladepunkte.

Nun aber beginnt die Aufholjagd: Derzeit liegen im Römer 150 Anträge zur Gestattung von Ladestandorten auf dem Tisch, erklärt Ansgar Roese Prokurist und Abteilungsleiter Stadtentwicklung bei der städtischen Wirtschaftsförderung. Diese koordiniert im Auftrag von Wirtschaftsstadtrat Markus Frank (CDU) den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur. Bis Jahresende werde es in Frankfurt "locker doppelt so viele" öffentliche Lademöglichkeiten wie bisher geben, ist Roese zuversichtlich. Eher dürften es deutlich mehr werden, weil jede Ladestation mindestens zwei Ladestellen für E-Autos bietet.

Waren zu Jahresbeginn mit Qwello, On-Charge und dem städtischen Versorger Mainova bereits drei Firmen daran interessiert, Ladesäulen aufzustellen, seien inzwischen zwei weitere hinzugekommen, erklärt der Wirtschaftsförderer. Er räumt auch ein: "Es braucht tatsächlich mehr" Ladesäulen in Frankfurt.

Anwohner können sich für Säulen registrieren

Zwar hat das Stadtparlament vorgegeben, dass 875 öffentliche Lademöglichkeiten bis 2030 bestehen sollten. Dies basiere aber auf der Annahme aus dem städtischen Elektromobilitätskonzept, wonach bis dahin 17,5 Prozent der Autos elektrisch betrieben würden, erinnert Roese. Angesichts der rapiden Entwicklung der vergangenen Monate sollte man "in Erwägung ziehen, dass noch viel mehr nötig wird". Schließlich liege der Bestand bereits bei 2,7 Prozent Elektrofahrzeugen. Das seien in Frankfurt rund 10 000 E-Autos von insgesamt 332 000 Fahrzeugen.

Nicht beeinflussen kann die Stadt, wo die Anbieter neue Säulen aufstellen. Die Stadt habe sich grundsätzlich entschieden, nicht selbst zu investieren, sondern Investoren diskriminierungsfrei Flächen im öffentlichen Raum anzubieten, erinnert der Wirtschaftsförderer. Drohen dadurch nun - wie etwa bei Elektro-Tretrollern - Überfluss und Kannibalisierung an den begehrtesten City-Standorten, etwa der Hauptwache, und Wohngebiete gehen leer aus?

Nein, sagt Ansgar Roese. "Die Betreiber gehen sehr systematisch heran und wissen, wo der Bedarf ist." Hohe Investitionskosten von wenigstens 15 000 Euro pro Ladesäule sorgten dafür, dass Standortentscheidungen nachhaltig fielen. Somit erhielten auch Wohngebiete Anschluss: "Wo ein Bedarf da ist, werden die Anbieter ihn auch decken", ist der Wirtschaftsförderer zuversichtlich. Beispiel On-Charge: Das Geschäftsmodell der Kölner Firma sieht ausdrücklich vor, dass sich Anwohner dafür registrieren, dass bei ihnen eine Ladesäule gebaut werden soll.

Zuletzt hatte das Land Hessen sieben Million Euro Fördergeld für den Bau neuer Ladesäulen ausgelobt. "Wir haben fristgerecht Fördermittel beantragt", bestätigt Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. Die Firma will dieses Jahr 20 Schnellladesäulen an zwölf Standorten im Stadtgebiet bauen, unter anderem in Kalbach-Riedberg nahe der A661. Ob durchs Fördergeld zusätzliche Standorte gebaut werden, mag Birgmeier nicht sagen.

Bisher schwächelte der Ausbau der E-Infrastruktur vor allem, weil sich öffentliche Ladestellen wirtschaftlich nicht rechneten. Da helfe das Fördergeld, sagt Wirtschaftsförderer Roese. Vor allem aber kurbeln staatliche Kaufprämien die Nachfrage nach E-Autos an. Die Autohersteller drückten neue Fahrzeuge in den Markt.

Zudem: "Die Technik entwickelt sich rapide." Heute könnten neue Autos in 15 Minuten auf 80 Prozent Kapazität geladen werden. So würden in gleicher Zeit mehr Wagen geladen, die Säulen damit wirtschaftlicher. Die Stadt will das durch Zeit-Beschränkungen der Parkplätze für die Ladezeit fördern. In Wohngebieten solle das nachts aber nicht gelten, erklärt Ansgar Roese. Damit Anwohner nicht "im Schlafanzug raus müssen, um ihr Elektroauto umzuparken". Dennis Pfeiffer-Goldmann

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