Um 23 Uhr ist Feierabend: Die neue Corona-Sperrstunde in Frankfurt betrifft Gastronomie, Kneipen und Bars.
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Um 23 Uhr ist Feierabend: Die neue Corona-Sperrstunde in Frankfurt betrifft Gastronomie, Kneipen und Bars.

Reaktionen im Netz

Corona-Sperrstunde in Frankfurt: Seit Freitag ist um 23 Uhr die Stadt dicht

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Frankfurt greift angesichts stark steigender Corona-Zahlen zu drastischen Maßnahmen. Seit dem 9. Oktober gilt eine Sperrstunde. Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus.

Es brodelt in Frankfurt. Am Dienstag, den 6. Oktober hat der Krisenstab der Stadt Frankfurt neue Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Unter anderem soll ab dem kommenden Freitag (09.10.) eine Sperrstunde für die Gastronomie und Bars gelten, eine Maskenpflicht auf der Zeil und in anderen, ausgewählten Innenstadtbereichen und ein Alkoholverbot auf ausgewählten öffentlichen Plätzen.

Sperrstunde, Alkoholverbot und Co. - Reaktionen auf die Maßnahmen in Frankfurt

Die Reaktionen im Netz zu den neuen Corona-Regeln in Frankfurt gehen weit auseinander - Bezeichnungen wie „Corona-Humbug“ und „Covidioten“ fluten Facebook und Twitter. Viel Kritik der Frankfurter richtet sich an die Frankfurter selbst. Simone Wagenhaus, Chefin der Frankfurter Stadtredaktion bei der „FNP“, hat die drastischen Maßnahmen in Frankfurt kommentiert. Ihr Fazit: „Wer den Lockdown nicht will, muss jetzt mitziehen“. Auf diesen Kommentar kamen deutliche Reaktionen über das Verhalten einiger Frankfurter - die Leute seien „zu egoistisch“ und „zu arrogant“. „Die Leute schreien nach weiteren Maßregelungen der Politik“, kommentiert ein Nutzer.

Besonders im Hafenpark an der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend würden sich die Menschen immer wieder versammeln und „chillen“. „Die Leichtfertigkeit kotzt mich an“, schreibt ein Anderer. Einige würden sich sogar einen Lockdown wünschen: „Man kann ruhig den zweiten Lockdown* einleiten, damit es die Covidioten endlich lernen“.

*Es hat in Deutschland bislang keinen „Lockdown“ gegeben. Per Definition („Ausgangssperre“, „Abriegelung“), kann man daher nicht von einem „Zweiten Lockdown“ sprechen.

Drastische Corona-Maßnahmen in Frankfurt - „zum Glück alles nicht sooo schlimm“

Und während einige sich noch deutlichere Zeichen der Politik erhoffen und der Meinung sind, man habe sich viel zu lange auf die Vernunft der Menschen verlassen, zeigen andere Unverständnis über die Corona-Maßnahmen in Frankfurt. Sie halten die neuen Corona-Regeln für „unsinnig“ und „unverhältnismäßig“. Sie seien eine „Steilvorlage für Corona-Leugner“. Besonders die Sperrstunde in der Gastronomie, die ab 22 Uhr gelten soll, stößt auf Unverständnis. Die Menschen reagieren mit Ironie: „Wird das Virus erst nach 22 Uhr ansteckend?“ Ein anderer Nutzer personifiziert das Corona-Virus:

Viele machen deutlich, dass sie der Meinung sind, die Sperrstunde und die Maskenpflicht in der Innenstadt könnten die Gastronomie und die Geschäfte den Kopf kosten. Eine Frau schreibt: „Die Geschäfte in der Stadt werden leiden. Wir meiden die Zeil erst einmal“. Ein anderer schreibt: „Unverschämt - die Politik lässt Gastronomie-Betriebe reihenweise pleite gehen auf diese Weise.“ Alles in Allem: Die Corona-Maßnahmen in Frankfurt würden mehr schaden als nützen.

Resignation über Corona-Maßnahmen: Es erreicht nicht die Richtigen

Es scheint sich neben Wut und Unverständnis vor allem Resignation breitzumachen. „Der Drops ist gelutscht“, schreibt eine Nutzerin. Viele schreiben, die Politik habe das Gefühl, man müsse etwas tun, doch wirklich etwas bewirken würden die Corona-Regeln in Frankfurt nicht: „Solange die Generation Party der Meinung ist Weinchen schlabbern und Chillen [...] ist wichtiger als die eigene Gesundheit, wird sich an der Entwicklung wahrscheinlich nichts ändern.“

Man geht damit den Vernünftigen auf den Geist und die Unvernünftigen kaufen dann eben kurz vorher noch ein, lassen sich aber garantiert nicht vom Feiern abhalten.

Facebook-Nutzer

Die Kommentare der Nutzer zeigen deutlich, dass viele nicht daran glauben, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen würden. Die Vernunft sei das einzige, was helfen kann - und die würde vielen Menschen fehlen. Sie sehen dasselbe Problem wie diejenigen, die sich noch strengere Regeln wünschen, glauben im Unterschied jedoch nicht, dass strengere Regeln die Lösung sind. „Die ‚Party-People‘ feiern dann wie bisher auf der Straße, und wenn es kälter wird eng gedrängt privat.“

Die Politik in Frankfurt - „einen turbulenten Herbst und einen chaotischen Winter“

Neben der Wut auf Mitbürger und „Party-People“ wird auch Kritik an der Stadtpolitik in Frankfurt laut. Besonders der plötzliche Kurswechsel von Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer sorgt für Verwunderung: „Da kann man nur noch ungläubig staunen“, schreibt ein Leser in einem Leserbrief, „Also am Freitag ist fast alles im Griff, weil man es ja zielsicher eingrenzen kann, und am Montag ist fast alles außer Kontrolle, so dass ‚nun andere Maßnahmen erforderlich sind‘? Wenn die Entscheider so weitermachen, haben wir einen turbulenten Herbst und einen chaotischen Winter vor uns.“ Ein Facebook-Nutzer kommentiert sogar: „Verfahrensweise in der gesamten ‚Pandemie‘: politisches Versagen.“

Herbstfest in Frankfurt - Die Stadt darf feiern, die Bürger nicht?

Besonders das Herbstfest, das in Frankfurt ab Donnerstag (08.10.) gefeiert werden soll, erhitzt die Gemüter. Im Freien soll nun Maske getragen werden, Restaurants sollen um 22 Uhr schließen („Nicht jeder isst um 7 zu Abend.“), die „Bürger werden in ihrer Freiheit eingeschränkt“, aber die Stadt darf ein Herbstfest veranstalten? Viele Nutzer empfinden die Politik der Stadt Frankfurt widersprüchlich.

Andere wiederum sehen überhaupt kein Problem. Ein Nutzer erklärt, er habe weder in der Stadt, noch in der Straßenbahn je ein Problem gehabt, den Abstand zu den anderen Menschen einzuhalten, man müsse es nur wollen: „Ich finde die Reaktionen übertrieben“.

Und was sich viele in diesem Zuge fragen: Warum erst ab Freitag? Die Maßnahmen müssten sofort gelten. Aber „zum Glück ist das ja alles nicht soooo schlimm“. Am Donnerstag (08.10.) will die Stadt Frankfurt die Bereiche für die Maskenpflicht und das Alkoholverbot in der Innenstadt festlegen, am Freitag (09.10.) sollen die Maßnahmen dann in Kraft treten und in einer Woche möchte die Stadt eine erste Bilanz ziehen. iwe

Sehr geehrte Leser*innen, in einer früheren Version dieses Artikels war ein unpassender Tweet eingefügt. Dieser wurde nachträglich aus dem Text herausgenommen.

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