Die dramatische Drogen-Situation im Frankfurter Bahnhofsviertel.
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Der Drogen-Tourismus in Frankfurt floriert. (Symbolfoto)

Bahnhofsviertel

Drogen-Tourismus im Frankfurter Bahnhofsviertel floriert

  • vonBrigitte Degelmann
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Der Magistrat Frankfurt sieht die „Verfügbarkeit von Drogen“ als Grund für das Elend im Bahnhofsviertel. Die FDP stellt nun einen Vergleich zwischen dem „Frankfurter Weg“ und dem „Züricher Modell“ an.

Frankfurt – Das Drogen-Elend im Bahnhofsviertel und am Kaisersack gegenüber vom Hauptbahnhof fällt jetzt, in Corona-Zeiten, besonders ins Auge. Auch deshalb, weil während der Pandemie dort weniger Pendler und andere Passanten unterwegs sind. 

Zwei Anfragen der FDP in der Stadtverordnetenversammlung widmen sich nun dem Thema „Drogensüchtige im Bahnhofsviertel“. Dabei hat man auch das Beispiel Zürich im Auge, wo die Drogenszene inzwischen deutlich weniger sichtbar ist als noch vor einigen Jahren. „Es gibt keinen offenen Konsum, es ist sauber und ordentlich“, beschreibt die FDP. Sie will nun wissen, inwiefern sich das „Züricher Modell“ und der „Frankfurter Weg“ voneinander unterscheiden und was man gegen die „exzessive Suchtproblematik“ in der Mainmetropole unternehmen werde, etwa im Hinblick auf den „Drogentourismus“ aus dem Umland und aus anderen Bundesländern. 

Frankfurter Magistrat: Freizügigkeit gilt auch für Drogensüchtige im Bahnhofsviertel

Der wichtigste Grund für solche „Drogenfahrten“ nach Frankfurt sei die Verfügbarkeit von Drogen, schreibt der Magistrat nun in seiner Stellungnahme dazu. Das hänge auch damit zusammen, dass die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt sei. Auswärtige Süchtige zurück in ihre Heimatkommunen zu verweisen, sei kaum möglich, denn „im Rahmen der persönlichen Freizügigkeit kann sich jede Person in Frankfurt aufhalten, die dies möchte“. 

Ein größeres Engagement der Umlandkommunen in diesem Bereich könne jedoch durchaus hilfreich sein, um den Druck auf die Stadt zu senken, räumt der Magistrat ein. Auf die Frage der FDP, ob sich die Zahl der Drogenabhängigen in Frankfurt verdoppelt habe, gibt es in der Stellungnahme eine klare Antwort: Nein. 2003 habe man 4038 Menschen registriert, die die Konsumräume nutzten, 2019 waren es 4152. 

Zahl der Drogenabhängigen in Frankfurt ist nicht gestiegen

Auch auf die Unterschiede zwischen der Frankfurter und der Züricher Drogenpolitik geht der Magistrat ein. Beide stützten sich weitgehend auf die gleichen vier Säulen. Ein großer Unterschied sei jedoch, dass das Züricher Modell im gesamten Land angewendet werde: „Drogenabhängige Menschen finden überall in der Schweiz niedrigschwellige Hilfeangebote wie Konsumräume vor.“ Im Rhein-Main-Gebiet hingegen gebe es kein dem Frankfurter Drogenhilfesystem vergleichbares Angebot. Alle vier hessischen Drogenkonsumräume befänden sich in Frankfurt. Zudem werde in Zürich der sogenannte „Ameisenhandel“ in den Konsumräumen geduldet, also der Drogenhandel für den Eigenbedarf, was in Deutschland rechtlich nicht zulässig sei.

Um ein Verbot auf der Straße konsequenter umsetzen zu können, müsste man sich darüber verständigen, wo der Konsum und der Kleinsthandel stattdessen stattfinden könnten, schreibt der Magistrat. Er räumt ein, dass die Züricher Drogenszene weniger sichtbar ist. Es sei jedoch davon auszugehen, „dass sich ein Teil des Szenegeschehens in Wohnräume verlagert hat“.

Frankfurt: Kein Geld für Züricher Modell

In der Schweizer Banken-Metropole gibt es darüber hinaus die Einheit „SIP Züri“, die sich darum kümmert, dass es keinen Drogenkonsum auf den Straßen und Plätzen gibt – wobei SIP für Sicherheit, Intervention und Prävention steht. In diesem Projekt gebe es 31 Vollzeitstellen und rund 60 Mitarbeiter, informiert der Magistrat. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 3,7 Millionen Euro pro Jahr. 

Zwar läuft in Frankfurt das Projekt Offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention und Prävention (OSSIP), jedoch in kleinerem Maßstab. Für ein Engagement wie in Zürich wären „erhebliche zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich“. 

Dem Einsatz privater Anbieter in Sachen Hilfe und Beratung für Drogensüchtige, wie das in der Schweiz geschieht, steht der Magistrat skeptisch gegenüber: „Private, gewinnorientierte Anbieter erscheinen prinzipiell nicht sinnvoll in der Suchthilfe.“ Bei Bedarf werde das Hilfesystem „mit dem Einsatz gemeinnütziger Träger ergänzt“. (Brigitte Degelmann)

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