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Mussten gestern Abschied nehmen: Andrea Parrandier und Kurt Möllmer, die Betreiber des Traditionslokals Drosselbart. 

Abriss für Wohngebäude 

Nach vielen Rettungsversuchen: Traditionslokal Drosselbart hat dicht gemacht

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Das Traditionslokal "Drosselbart" hatte gestern zum letzten Mal geöffnet, da der neue Eigentümer das Haus für ein Wohngebäude abreißen will. Einziger Trost: Auch im Neubau ist ein Lokal vorgesehen.

Frankfurt – Monatelang haben engagierte Gäste und Stadtteilbewohner versucht, "ihren" Drosselbart vor der Schließung zu bewahren. Doch sämtliche Rettungsversuche über Stadtteilinitiativen und den Ortsbeirat 9 (Ginnheim, Eschersheim, Dornbusch) waren vergeblich. Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der letzte Tag kommen musste.

Entsprechend traurig und gedrückt ist die Stimmung am Donnerstagnachmittag im Lokal - auch die goldene Oktobersonne, die auf das gründerzeitliche Wirtshaus und den Biergarten mit Kastanien fällt*, vermag daran wenig zu ändern. Viele Worte möchten die Inhaberin Andrea Parrandier und ihr Compagnon Kurt Möllmer auch nicht mehr verlieren: "Seit einigen Tagen stand der Zeitraum der vorgesehenen Schließung fest, der letzte Tag im Monat hat sich dann angeboten", sagt Parrandier. Einige Stammgäste erwartet sie noch, manche von ihnen kommen extra am Donnerstagabend, obwohl ihnen ein Samstag zum Ausgehen eigentlich besser passt.

Frankfurt: Drosselbart ist jetzt Geschichte 

Einige letzte Biere werden ausgeschenkt, manch einer bestellt nochmal sein Lieblingsessen - vor allem Schnitzel waren in jeglicher Variation beliebt, in der kalten Jahreszeit freilich auch Gänsebraten. Auch ein paar Abschiedsworte und Aufmerksamkeiten für besonders treue Gäste gehören dazu.

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Betroffen von der Schließung sind außerdem rund fünf festangestellte Mitarbeiter und zehn Aushilfen, die sich neu orientieren müssen. "Unser Personal ist motiviert, so dass das kein Problem sein sollte", hofft Möllmer. Als vor Monaten bekannt wurde, dass die Frankfurter BPT Esch GmbH als neuer Eigentümer an Stelle des Drosselbarts ein neues Wohngebäude plant, war der Aufschrei unter den Gästen groß. Zwar ist im Erdgeschoss ein neues Lokal vorgesehen, doch das Eschersheimer Traditionslokal, das seit 1904 in einem Altbau betrieben wird, kann dadurch aus Sicht der Gäste kaum ersetzt werden.

Im Mai wurden dann im Ortsbeirat 9 zwei Anträge von SPD, BFF und Grünen für den Erhalt des Drosselbarts und der alten Kastanien verabschiedet.

Frankfurt: Drosselbart in Eschersheim nicht unter Denkmalschutz

Barbara van de Loo von der Initiative "L(i)ebenswertes Eschersheim" monierte, dass das Gründerzeitlokal nicht unter Denkmalschutz gestellt worden war. "Denn wo zur Nachverdichtung Altbauten mit Lokalen durch neue, größere Wohngebäude ersetzt werden sollen, wird es für uns Gastronomen schwierig", meint Möllmer. Leider habe sich im Umkreis auch keine Alternative für einen Umzug des Drosselbarts gefunden.

Im September musste die Leiterin der Bauaufsicht Simone Zapke im zuständigen Ortsbeirat verkünden, dass auch die Kastanien nicht erhalten werden können, jedoch als Kompromiss neue hochgewachsene Bäume nachgepflanzt werden.

"Immerhin bleibt dann genügend Außenfläche für ein neues Lokal mit Biergarten und einem größeren Innenraum für die kalte Jahreszeit erhalten", bestätigt der Sprecher des Planungsdezernats Mark Gellert.

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Für das historische Gebäude der verwaisten Schillerpassage sieht es ebenfalls nicht gut aus. 2018 wurde sie verkauft und soll umgebaut werden. Genauere Informationen wie es weiter gehen soll, gibt es allerdings noch nicht.

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