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Die Baustelle verursacht täglich einen Riesenlärm. foto: Rainer rüffer

Wohnungsbau

Frankfurt: Durch die Decke tropft der Regen

  • vonStefanie Wehr
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Es gibt etliche Probleme bei der Aufstockung der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen: Planen auf dem Dach sind undicht, in den Wohnungen der Obergeschosse tropft plötzlich Regenwasser durch die Decke. Der Baulärm nervt zusätzlich.

"Eine Nachbarin wachte morgens auf, weil ihr plötzlich kaltes Regenwasser aufs Gesicht tropfte", sagt eine Bewohnerin der Fritz-Kissel-Siedlung, die nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen will. Dem Freund, der in der Nachbarwohnung der Betroffenen wohnt, erging es vergangene Woche nicht anders. "Er wachte gegen 4 Uhr auf, weil es reinregnete. Das Wasser lief an den Wänden herunter. Den Rest der Nacht verbrachte er damit, Eimer und Schüsseln aufzustellen, um das Wasser aufzufangen", erzählt sie.

Betroffen von der Bau-Misere sind die Wohnungen in den oberen Stockwerken des Mietshauses Breslauer Straße 2. Dort wurde vergangene Woche das Dach abgetragen und mit Planen abgedeckt. Inzwischen sind die Holzmodule fast alle aufs Dach gehievt worden. Teile der Planen hängen schlaff herab, verdecken teilweise die Balkone. Doch die Plane hat offenbar ihren Dienst nicht erfüllt: Mehrmals regnete es in die Wohnungen hinein.

Wenn die Bewohner der Fritz-Kissel-Siedlung miteinander reden, gibt es derzeit kein anderes Thema als die leidige Baustelle. 14 Gebäude in der Siedlung der Nassauischen Heimstätte (NH) werden mit einem weiteren Stockwerk versehen. "Alle reden auf einmal miteinander, man versucht, sich gegenseitig zu helfen", schildert die Bewohnerin.

"Aber was soll man tun? Wir sitzen hier in einer Baugrube", schließt sich Elvira Dilba an. Beide Frauen wohnen in der Breslauer Straße 14. An ihrem Haus wurde noch nichts gemacht. "Dafür sitzt uns das Material- und Bauarbeiter-Camp vor der Nase" sagt Dilba und zeigt aus dem Fenster in den mit Holzaufbauten, Betonstelen und Baufahrzeugen vollgestellten Hinterhof, der bis vor kurzem ein grünes Idyll mit Bäumen war. Alle wurden für die Baustelle abgeholzt.

"Hier wird ständig Material gesägt, Bagger fahren herum. Von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends herrscht unerträglicher Baulärm." Dilba ist entnervt. "Ich versuche meine Termine nach draußen zu verlegen, aber ich arbeite zu Hause im Homeoffice." Gerade wegen der Pandemie sei eine solche Baustelle zurzeit äußerst unpassend. "Viele brauchen ihr Zuhause gerade mehr denn je, um sich zurückziehen zu können. Man will ja nicht mehr nach draußen gehen als unbedingt nötig", sagt Dilba. Das habe ja niemand voraussehen können, und die Mieter hätten die Aufstockung zunächst begrüßt. "Aber so wie es jetzt läuft, ist es nicht zu ertragen", sagt sie

Die Mieter wollen deshalb einen Brief an die Nassauische Heimstätte (NH) schreiben und eine Mietminderung fordern. Eine solche sei grundsätzlich möglich, sagt Patrick Brückel, Sprecher der NH, auf Anfrage. Zudem bestehe Anspruch auf Schadensersatz.

"Dass Wasser in die Wohnungen gelangt ist, bedauern wir sehr und dafür möchten wir uns bei unseren Mietern entschuldigen", sagt Brückel. "Durch den starken Wind der letzten Tage gelang Regenwasser zwischen die Dachdichtung und die Konstruktion und somit auch in einzelne Wohnungen. Schäden, die durch die Baumaßnahme verursacht wurden, werden selbstverständlich im Nachgang vollständig beseitigt," beteuert er. Inzwischen sei ein provisorischer Dachrand am Gebäude befestigt worden und die Einschnitte in die Dachdichtung werden doppelt abgeklebt, so der Sprecher weiter.

Mieter, die nachgewiesenermaßen im Homeoffice arbeiten müssten, sollten die Verwaltung ansprechen. "Wir kümmern wir uns um eine angemessene Alternative zum Homeoffice-Arbeitsplatz", so Brückel. Stefanie Wehr

Manchen Bewohnern geht es wie dem "Armen Poeten" von Spitzweg, der einen Regenschirm unterm Dach aufspannt. foto: archiv

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