Kaum Anschluss in Frankfurt: Ein Elektroauto wird mit einem Stromkabel an einer Ladesäule mit Ökostrom geladen. Foto: Jan Woitas/dpa
+
Kaum Anschluss in Frankfurt: Ein Elektroauto wird mit einem Stromkabel an einer Ladesäule mit Ökostrom geladen.

E-Mobilität

Frankfurt: „Keinerlei Fortschritte“ – Grüner attackiert CDU-Wirtschaftsdezernent

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

Frankfurt liegt bei Ausstattung mit Ladepunkten für E-Fahrzeuge nur auf Platz 9 unter den 10 größten deutschen Städten. Das sorgt für Kritik.

Frankfurt – Die Grünen wollen schnell mehr Ladesäulen für Elektroautos aufbauen. Das kündigt Grünen-Verkehrspolitiker Wolfgang Siefert an. Er macht einen der bisherigen Koalitionspartner, CDU und SPD, dafür verantwortlich, dass Frankfurt beim Ausbau der E-Infrastruktur im bundesweiten Vergleich hinten liegt. Bisher liegt Frankfurt bei der Ausstattung mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge nur auf Platz neun unter den zehn größten Städten in Deutschland. Das hatte eine Erhebung dieser Zeitung im Januar ergeben. Nur 26 Ladepunkte pro 100.000 Einwohner gibt es in Frankfurt – Spitzenreiter Stuttgart bietet dagegen 78.

In den vergangenen Jahren hatte die Koalition aus CDU, SPD und Grünen zwar immer wieder betont, die Infrastruktur für E-Autos ausbauen zu wollen. Allerdings sprang ein Investor ab – offiziell, weil es nicht wirtschaftlich sei. Dem Vernehmen nach zermürbte aber auch die schwierige Abstimmungen mit den verschiedenen zuständigen Stellen der Stadtverwaltung das Unternehmen.

350 Schnellladepunkte sollen nach dem Willen der Stadtverordneten bis 2030 in Frankfurt entstehen

875 Normal- und 350 Schnellladepunkte sollen nach dem Willen der Stadtverordneten bis 2030 entstehen. Bisher sind es erst dürftige 199. Zwar haben laut dem Wirtschaftsdezernat mehrere Anbieter Interesse, neue Ladesäulen zu bauen. Konkret sind die Pläne bisher aber nur bei der Mainova – und die will auch erstmal nur 40 Ladepunkte ergänzen.

Siefert hofft, dass eine Ausweitung der Landesförderung neuen Schwung gibt. Demnach können nun neben Unternehmen auch Kommunen Fördergeld beantragen. Sieben Millionen Euro stünden dafür zur Verfügung, erklärt er. Nun könnten auch Ladesäulen im öffentlichen Raum und nicht nur an Arbeitsplätzen gefördert werden. „Dieses Förderangebot macht die Anschaffung von E-Autos attraktiver“, betont Siefert.

Sauer ist er vor allem darüber, dass im Wirtschaftsdezernat von Markus Frank (CDU) so wenig passiert ist. Schließlich sei der Ausbau der Ladeinfrastruktur schon im November 2019 beschlossen worden. Ein Jahr später habe sogar die CDU-Fraktion selbst eine Koordinierungsstelle vorgeschlagen – den Antrag aber wieder zurückgezogen. „Da sich laut Wirtschaftsdezernat die beteiligten Dezernate und Ämter auf ein Verfahren zur Genehmigung von Ladesäulen verständigt hätten“ sei eine Koordinierungsstelle nicht mehr notwendig, erinnert Siefert an die seinerzeitige Begründung.

Ladeinfrastruktur in Frankfurt: „Keinerlei substanzielle Fortschritte“

Allerdings habe Dezernent Frank trotz Aufforderung bis heute den Stadtverordneten nicht den Sachstand erläutert. „Jeder Bürger kann das Ergebnis sehen“, ist der Grüne enttäuscht. „Bei der Ladeinfrastruktur sind in den letzten Jahren in Frankfurt keinerlei substanziellen Fortschritte erzielt worden.“

Inzwischen bremst das fehlende Ladesäulennetz massiv den Umstieg auf E-Mobilität. Das wird seit einigen Monaten beim nicht stationsbasierten Carsharing deutlich. Die Stadtverordneten fordern, die Autos auf Elektroantriebe umzustellen. Die Betreiber aber können das mangels Lademöglichkeiten nicht umsetzen. Deshalb hatte die bisherige Koalition Anfang des Jahres sogar ein Moratorium beschließen müssen – und schiebt die Umstellung der 700 Carsharing-Wagen auf Stromer um zwei Jahre auf.

Frankfurt: Besonders für Carsharing-Angebote müssen die Ladestationen her

„Es müssen endlich ausreichend Ladesäulen in der Stadt aufgestellt werden, die Fördermittel stehen zur Verfügung“, erklärt Siefert. Angesichts der Verkehrswende werde Elektromobilität und die dazugehörige Ladeinfrastruktur eine bedeutende Rolle spielen. „Die Etablierung von öffentlichen E-Ladestationen ist eine dringende Maßnahme“, appelliert der Grüne. Das gilt gerade beim nicht stationsbasierten Carsharing: Dessen 700 Autos in Stadt und Region, meist Kleinwagen, ersetzen laut Anbieter Book-n-drive 14 000 normale Autos.

Gerade dieses Carsharing für Einwegfahrten wird von einigen Wissenschaftlern als sinnvoll angesehen, um Menschen dazu zu bringen, ihr eigenes Auto abzuschaffen. Diese fahren dann vor allem per Bahn und Bus, hin und wieder aber auch im Carsharing-Auto. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Elektrosäulen sind im Osten von Frankfurt Mangelware. Die Stadt selbst baut allerdings keine Ladestationen für E-Autos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare