Einst eine Eckenheimer Institution: Elli und Kurt Baumann in ihrem Lädchen am "Dalles" im Herzen Eckenheims. Das Bild stammt von 1988. Foto: Grosse
+
Einst eine Eckenheimer Institution: Elli und Kurt Baumann in ihrem Lädchen am "Dalles" im Herzen Eckenheims. Das Bild stammt von 1988.

Letzte Sparkasse zu

Immer mehr Läden dicht: Eckenheim wird zur Schlafstadt

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
    schließen

Die Sparkasse ist zu, die letzte von einst drei Filialen. Auch viele andere Eckenheimer Läden und Betriebe gibt es nicht mehr. Der Stadtteil sei nur noch eine "Schlafstadt", bedauern Alteingesessene.

Eckenheim - Nein, das letzte Geschäft in Eckenheim war der Lebensmittelladen von Karl und Elli Baumann nicht - aber viel gefehlt hat wohl nicht, als sie Anfang der 90er Jahre für immer zu machten, denn einen Nachfolger gab es nicht. "Hier am Dalles, an der Kreuzung von Eckenheimer Landstraße und Engelthaler Straße, gab es einst mehrere Geschäfte", erinnert sich Oskar Pfreundschuh, Mitbegründer und Ehrenmitglied des Heimatvereins Eckenheim. "Da war Baumanns Lebensmittelladen, der vor allem frisches Obst und Gemüse, Eier, Käse und Milch hatte." Der Konsum hatte eher Abgepacktes. Außerdem waren die Metzgerei Mauer und das Wäschegeschäft Brandl an der Kreuzung, an der auch eine Bank stand.

Frankfurt-Eckenheim: Früher jedes zweite Haus ein Betrieb

Einst sei in jedem zweiten Haus der Eckenheimer Landstraße, zwischen Schulstraße und Barchfeldstraße, ein Laden oder Handwerker gewesen, erinnert sich Werner Pfeiffer, der Vorsitzende des Heimatvereins. "Und dazwischen waren Gärtnereibetriebe, auch Landwirte gab es viele", ergänzt Klaus-Peter Musch, einstige Größe der Eckenheimer Vereins- und Frankfurter Fastnachtsszene. Noch immer führt er den kleinen Kiosk in der Eckenheimer Landstraße 273, erinnert sich an eine Zeit, die längst vergangen ist und wohl nicht mehr wiederkommt. Das gilt wohl auch für die Sparkassen-Filiale in Frankfurt-Eckenheim. Da half auch die Unterschriftenkampagne nicht mehr.

Nie vergessen werde er die Marmortheke mit dem Zapfhahn für die frische Milch von Baumanns, erinnert sich Musch. "Pro Zug am Zapfhahn kam ein viertel Liter heraus", ergänzt Pfeiffer. Über 60 Jahre führten Elli und Karl Baumann ihr Lädchen. Und dann fangen Musch, Pfreundschuh und Pfeiffer an, aufzuzählen: Der "gehobene Filialist" Schade & Füllgrabe, Frau Reihert aus der Feldscheidenstraße mit ihrem Milchlädchen und nicht weit davon Milch-Porth, sieben Metzger, mehrere Bäcker, vier Kioske, die Apotheke, sogar ein Fischgeschäft. Und ein Dutzend Gärtnereien lagen entlang der Eckenheimer Landstraße: Strohmeyer, Goldschmidt oder der "Römer-Schorch" Georg Römer und wie sie alle hießen.

"Selbst HL, die Supermarktkette von Hugo Leibrand, fing in der Steinkleestraße mit einem kleinen Lädchen an", erinnert sich Pfreundschuh. 1961 war es, verrät die Unternehmensgeschichte, als Sohn Willi Leibrand unter den Initialen des Vaters, der als Großhändler von Rosbach aus Tante-Emma-Läden belieferte, seinen ersten Supermarkt eröffnete - und sich von Eckenheim aus in 25 Jahren zum bundesweit zweitgrößten Lebensmittelhändler hinter Aldi mauserte.

Klaus-Peter Musch (von links), Oskar Pfreundschuh und Werner Pfeiffer am früheren "Dalles". Foto: Andreas Haupt

Frankfurt-Eckenheim: Mit den Supermärkten kam das Ende vieler Läden

Doch mit den Supermärkten, von denen HL mit seinen 170 Quadratmetern der erste war, kam nach und nach das Ende der vielen Läden in Eckenheim, ist Musch überzeugt. "Nur jene, deren Angebote es im Supermarkt nicht gibt, wie die Friseure, überlebten." Pfreundschuh sieht das etwas anders. "Das hat auch damit zu tun, dass Eckenheim nie so etwas wie ein Zentrum hatte, keinen Dorfplatz, auf dem sich das Leben abspielte, an dem es Läden und Gaststätten gab."

Auch heute verschwänden Geschäfte und alteingesessene Betriebe, nicht nur die Sparkasse, sagt Musch.

Blumen Frey in der Ronneburgstraße sei "dicht", der frühere Schreibwarenladen nebenan sei nun ein Handy-Laden. Auch das einst über Eckenheim hinaus beliebte Restaurant "King Creole" habe gerade für immer geschlossen. Peter Hölzer, habe seinen KfZ-Betrieb geschlossen, ebenso die Schreinerei Zorbach - "und nachdem die Handwerker und die Sparkasse weg sind, geht nun wohl auch der letzte Steuerberater."

Geblieben sind der große Rewe-Markt, der türkische Lebensmittelmarkt in der Sigmund-Freund-Straße, Alnatura, Penny und Rossmann gibt es noch. Ein paar andere Betriebe wie den Raumausstatter und Parkettleger A. Kremer, eine Glaserei, einen Sushi- und Asia-Imbiss oder eine Textil-Reinigung gibt es auch noch - doch sie sind rar. Und auch Feste wie einst die Kerb, die auch Musch und Pfreundschuh ausrichteten, oder das Straßenfest "Eckenline" gibt es längst nicht mehr. Viel mehr als geschlafen, sagt Musch, werde heute in Eckenheim nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare