Ein letztes Mal trifft sich der Heimatverein in der Traditionsgaststätte „Zur Post“, denn sie schließt. Sylvia und Werner Pfeiffer (links) überreichen den Inhabern Inhaber Heike und Werner Scheid Blumen und ein Erinnerungsfoto.
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Ein letztes Mal trifft sich der Heimatverein in der Traditionsgaststätte „Zur Post“, denn sie schließt. Sylvia und Werner Pfeiffer (links) überreichen den Inhabern Inhaber Heike und Werner Scheid Blumen und ein Erinnerungsfoto.

Kein Nachfolger gefunden

Kult-Apfelweinwirtschaft „Zur Post“ schließt für immer

  • vonKatja Sturm
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Die Wirtsleute Werner und Heike Scheid weinen dem Apfelweinwirtschaft in Eckenheim aber keine Träne nach. Nach vielen Jahren hinter dem Tresen, wollen sie jetzt das Leben genießen. Einen Nachfolger wird es nicht geben.

  • Das Traditionslokal „Zur Post" in Frankfurt-Eckenheim schließt für immer.
  • Werner und Heike Scheid
  • Die Inhaber haben keinen Nachfolger für die Apfelweinwirtschaft.

Frankfurt – Die meiste Zeit über summte es am Freitagabend (24.07.) im Hinterzimmer des Apfelweinlokals „Zur Post“ vor fröhlichem Gebabbel. So, wie es Tradition ist, wenn sich der 1994 gegründete Heimatverein Eckenheim hier zu seinen monatlichen Zusammenkünften trifft und kein Stammtisch mit einem prominenten Referenten ansteht. Doch als der Vorsitzende Werner Pfeiffer vor seine Kollegen trat, um seine Begrüßungsworte zu formulieren, tat er dies, wie er sagte, „mit Tränen in den Augen“, und für einen Moment kippte die Stimmung.

Traditionslokal in Frankfurt Eckenheim schließt für immer: Es gibt keinen Nachfolger

Denn am Freitag, am 31. Juli, werden die Eigentümer des Lokals, Werner Scheid und seine Frau Heike, die Räume in der Eckenheimer Landstraße 302 zum letzten Mal für Gäste aufschließen. Danach werden sich die beiden aus dem Gastronomiegeschäft zurückziehen. Das 1908 erbaute Haus, das ihnen gehört und in dem sie auch leben, werden sie nicht verlassen. Doch die unterste Etage, zu der auch ein kleiner Garten zählt, soll einem anderen, einem privaten Zweck zugeführt werden.

Verpachten will Scheid seine Wirtschaft nicht. Der Betrieb befindet sich in vierter Generation im Familienbesitz. Einen Nachfolger aus den eigenen Reihen gibt es nicht: Die beiden Töchter des Hauses haben sich in ganz andere Richtungen orientiert.

Traditionslokal „Zur Post“ in Frankfurt: Enge Verbundenheit mit dem Heimatverein Eckenheim

Begonnen hat die Geschichte noch an einem anderen Ort: An der Ecke, an der sich bis Januar das Restaurant King Creole befand, eröffnete Scheids Urgroßvater einst die erste eigene Küche. Eine Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg machte einen Umzug notwendig. Im neuen Gebäude befand sich einst eine Post, weshalb die Gaststätte, für die selbst geschlachtet und bis zum vergangenen Jahr gekeltert wurde, ihren Namen bekam.

Schon die Gründungsversammlung des Heimatvereins Eckenheim fand hier am 21. Juli 1994 statt. Nun mussten sich die derzeit 46 Mitglieder einen neuen Treffpunkt suchen. Pfeiffer konnte diesen bereits verkünden: Am 3. September ist die nächste Zusammenkunft um 18 Uhr im Haus Ronneburg in Preungesheim geplant. Die Räumlichkeiten des näher gelegenen Homburger Hofs, der als einzige Wirtschaft im Stadtteil noch ein ähnliches Angebot mit Frankfurter Küche wie die „Post“ offeriert, wäre für diejenigen, die nicht mehr so gut auf den Beinen sind, zu schwer zu erreichen gewesen, erklärt der Vereinschef.

Obwohl seit dem Corona-Lockdown keine größeren Treffen des Heimatvereins stattfanden, ruhte die Arbeit nicht. Ein Teil der Mitglieder beschäftigte sich damit, die zwölf Gräber herzurichten und zu pflegen, für die man auf dem Stadtteil-Friedhof die Patenschaft übernommen hat. Nachdem sich die ehrenamtlich Engagierten auch um das Ehrenmal in der Georg-Esser-Anlage kümmern, hat Pfeiffer schon eine neue Aufgabe im Blick. Die Trauerhalle sei „dem Verfall preisgegeben“. Das würde der rührige Rentner, der dem Verein seit 2014 vorsitzt, mit seinen Mitstreitern gerne ab dem nächsten Jahr verhindern.

Das Leben genießen: Eigentümer des Traditionslokals sind nicht wehmütig

Auch Werner Scheid hat keinerlei Sorge, dass er sich in Zukunft langweilen könnte. Während seine ein Jahr jüngere Frau sich darauf freut, bald mehr Zeit für das Enkelchen zu haben, angelt der 61-Jährige mit großer Begeisterung und engagiert sich im eigenen Bundesland als Fischereiaufseher. Ansonsten wollen die beiden ihr Leben genießen, statt immer stundenlang hinter der Theke und in der Küche zu stehen. Außerdem: Seine Bandscheibe hatte Werner Scheid zuletzt immer mehr Probleme bereitet.

Am letzten Tag, da ist er sich sicher, werden viele Stammgäste kommen. „Nassauer“, betont er, „brauche ich nicht.“ Am Ende werde er einfach die Tür zusperren. Nur mit dem Unterschied, dass danach hier nie mehr bei Ebbelwei und Schnitzel gebabbelt werden wird. (Katja Sturm)

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