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So wie man Eddy Hausmann kennt: als Festwirt des Oktoberfestes in Frankfurt.

Gastronomie

Frankfurt: Eddy Hausmann, bekanntester Festwirt der Stadt, wird 70

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Seit Jahrzehnten ist Eddy Hausmann auf den Volksfesten in Frankfurt eine feste Größe.

Frankfurt - Dippemess, Wäldchestag, Oktoberfest, Weihnachtsmarkt - sie und viele andere Volksfeste im Rhein-Main-Gebiet hat Eddy Hausmann geprägt wie sonst kaum jemand. Seit einem halben Jahrhundert ist er Schausteller aus Leidenschaft: "Dazu muss man geboren sein." Heute wird Frankfurts bekanntester Festwirt 70 Jahre alt.

Ende 2015 hat er sein erfolgreiches Unternehmen an seine Söhne Dennis (44) und Patrick (32) übergeben, die den traditionsreichen Familienbetrieb nun in der fünften Generation führen. Seit seinem Rückzug ist die Entschleunigung der Taktgeber im Leben des gebürtigen Darmstädters, 14-Stunden-Tage und Terminhetze sind Vergangenheit.

Dass es an seinem runden Geburtstag aber derart ruhig zugehen würde, hat Hausmann natürlich nicht ahnen können. Doch die von seinen Söhnen geplante große Geburtstagsfeier im Dippemess-Festzelt am Ratsweg musste wegen der Corona-Pandemie ebenso abgesagt werden, wie die Dippemess selbst.

Stattdessen wird der große Eintracht-Fan und -Förderer heute im Garten seines Hauses in Walldorf südlich von Frankfurt nur mit den Söhnen und Ehefrau Lydia gemütlich zusammensitzen. Sein Leben war immer geprägt von der Familie: "Sie gibt mir Kraft." Mit seiner Entscheidung, sich aus der ersten Reihe zurückzuziehen, kann Hausmann gut leben: "Meine Söhne ergänzen sich, sie machen das prima." Er mischt sich nicht ein, "aber sie wissen, dass sie mich immer anrufen können".

Hausmann geht's gut. Er genießt seine Fahrten mit dem E-Bike durch Walldorf und die Umgebung, hat auch seine Frau inzwischen fürs neue Hobby gewinnen können. Demnächst will er sich auf zwei Rädern an die "Fernfahrt" nach Frankfurt wagen. Im neu angelegten Garten hat Hausmann zudem die Gartenarbeit für sich entdeckt. Morgens wird in Ruhe gefrühstückt, das Handy bleibt bis zehn Uhr aus.

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt 2019 war die letzte Veranstaltung, bei der die Hausmanns Einnahmen hatten, danach hat Corona alle Volksfeste aus ihrem Terminkalender gefegt. Abgesagt wurden in Frankfurt bisher die Frühjahrs-Dippemess, der Wäldchestag und das Mainfest, doch auch das Oktoberfest dürfte wohl kaum stattfinden. Derzeit bringen die Hausmann-Söhne ihr Walldorfer Lager auf Vordermann und erledigen Reparaturen, fürs Stammpersonal wurde Kurzarbeit angemeldet. Das Coronavirus hat die Schausteller ausgebremst, die Betriebe schwer getroffen. Eddy Hausmann: "Die ganze Branche ist in ihrer Existenz bedroht."

Die Erfolgsgeschichte der ursprünglich aus Amorbach im Odenwald stammenden Hausmanns als Markthändler hat vor etwa 120 Jahren mit Eddys Uroma begonnen, die um 1900 mit einem Bauchladen auf dem Wiesenmarkt in Erbach unterwegs war. Eddys Eltern Friedrich und Anna-Elisabeth Hausmann verkauften auf Kirmesplätzen rund um ihren Wohnort Langen Speiseeis, später auch Obst, Süßigkeiten und Spielwaren. 1959 kam der erste Imbisswagen hinzu. Eddy und seine drei Brüder Heinrich, Manfred und Wenzel mussten früh im elterlichen Betrieb mithelfen, durften nach der Schulzeit keine Lehre beginnen. Die Familie war gut im Geschäft, als Vater Friedrich 1973 mit nur 59 Jahren plötzlich starb. Gemeinsam mit ihrer Mutter kämpften sich die vier Brüder durch, kauften 1974 ihr erstes eigenes Festzelt. Anna-Elisabeth Hausmann, von ihren Söhnen respektvoll nur mit "Chefin" angeredet, hat bis zuletzt im Imbiss mitgeholfen. Sie starb 2007 im Alter von 89 Jahren.

In den 1980er Jahren startete Eddy Hausmann so richtig durch. 1986 stieg er auf der Dippemess mit seinem neuen Zelt, der Festhalle Hausmann, ein. Seit 1989 betreibt er seinen großen Imbissstand auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Römer.

Vor zehn Jahren, zu seinem 60. Geburtstag, stand Amateurfußballer Eddy Hausmann zum letzten Mal als Torwart von Rot-Weiß Walldorf zwischen den Pfosten - gegen die Traditionsmannschaft der Eintracht. Zum Team der Adlerträger gehörten Legenden wie Uli Stein, Andy Möller und Charly Körbel. Der Erlös ging an die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung. Seit Jahrzehnten ist Hausmann bei der alljährlichen Sammlung der Hilfsaktion auf der Freßgass' dabei, seit einigen Jahren hilft auch Sohn Patrick mit.

Bei Hausmanns Abschiedsspiel war auch Kult-Trainer Dragoslav "Stepi" Stepanovic unter den etwa 500 Zuschauern, denn "Stepi" und Eddy sind seit Jahren gute Freunde. 1992, als "Stepi" Eintracht-Trainer war und den Frankfurtern die Deutsche Meisterschaft sicher schien, war Hausmann nicht mit zum letzten Spiel nach Rostock gefahren, denn er bereitete auf dem Römerberg die Siegesfeier vor. Nach der 1:2-Pleite und dem verpassten Titel prägte "Stepi" jenen legendären Spruch, der auch zu Hausmanns Motto geworden ist: "Lebbe geht weider." Von Jürgen Walburg

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