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Corona

Frankfurt: Ein anderes Fest der Liebe

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Die Situation in Pflegeheimen ist angespannt, es wird aber regelmäßig getestet. Doch jetzt ist allerorten Eigenverantwortung gefragt.

Frankfurt -Weihnachten kommt in diesem Jahr zur Unzeit, nämlich zum Augenblick anhaltend hoher Infektionszahlen mit Corona. Die Sieben-Tage-Inzidenz für Frankfurt weist die hessische Landesregierung, Stand gestern, mit knapp 164 Fällen pro 100 000 Einwohnern aus. Im Odenwaldkreis ist sie mit 329 hessenweit am höchsten, im Hochtaunuskreis mit 107 am niedrigsten. Mit dem Lockdown erreicht werden soll eine Inzidenz von maximal 50.

Die Feiertage sollten "in Ruhe und wirklich nur im kleinsten Kreis" begangen werden, rät eindringlich der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, auch die hohe Zahl von Covid-Todesopfern vor Augen. Wieler spricht von einer "sich verschlechternden Situation und appelliert eindringlich an alle, Kontakte auch über Weihnachten auf das "absolute Minimum" zu reduzieren.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Weihnachten naht, das Fest, an dem Familien mit vielen Angehörigen zusammenkommen. Auch die Alten sollen dabei sein. Verwandte, ob alleinlebend oder in Betreuungseinrichtungen, werden in die Mitte der Familien geholt. Doch die aktuelle Landesverordnung schränkt Familienfeiern ein: Lediglich der eigene "Hausstand" und vier weitere Personen anderer "Hausstände", Kinder bis 14 Jahren nicht mitgezählt, dürfen sich an den Weihnachtsfeiertagen im privaten Rahmen treffen.

Den Ernst der Pandemie-Lage bekommt zu spüren, wer Angehörige in einem Frankfurter Altenheim besucht. Die Anzahl der Besuche und der Besucher ist in den Häusern limitiert, es gelten strenge Hygienevorschriften, das Tragen von Mund-Nase-Bedeckung ist für Besucher obligatorisch. Für die vier Wohnbereiche im Pflegezentrum der Henry-und-Emma-Budge-Stiftung gilt die Regel: Zweimal pro Woche dürfen nach Anmeldung maximal fünf Besucher kommen - für insgesamt 40 Heimbewohner. Alle Besucher würden vom Haus mit FFP2-Masken ausgestattet, sagt der Geschäftsführer Thorsten Krick und auch, dass das Personal gerade viel Überzeugungsarbeit zu leisten habe: Dass Besuche bevorzugt im Freien stattfinden sollten, auch während der Wintermonate. Und auch, dass Bewohner über die Feiertage nicht in die Familien geholt werden sollten. Alles im Sinne des Infektionsschutzes. Krick: "Klar ist aber auch: Wir können und wollen es nicht verbieten. Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Bewohner und ihrer Familien."

Die Budge-Stiftung sei das Zuhause vieler Bewohner, auch solcher, die zur "Hochrisikogruppe" gehörten und deshalb besonders vor einem Infektionsrisiko geschützt werden müssten. Das Personal werde standardmäßig mittels PCR-Test getestet, regelmäßig alle zwei Wochen. Bewohner, die von Familienbesuchen zurückkehrten, einem Test zu unterziehen, sei nicht vorgesehen, auch nicht, sie zum Schutz der Wohngemeinschaft zu einer Art Selbst-Quarantäne anzuhalten. "Wir sind keine Vollzugsanstalt, sondern das Zuhause betagter Menschen", sagt Krick. In den Wohnbereichen tue das Personal alles, um den Bewohnern das Weihnachtsfest so schön wie möglich zu machen. Zur Einstimmung soll es heute musikalische Darbietungen geben, draußen auf dem Gelände des Hauses, dass es alle hören könnten.

Nebenbei laufen die Vorbereitungen für die Corona-Impfungen der Bewohner auf Hochtouren. Sie sollen direkt nach Weihnachten starten. Da müsse gerade viel organisiert und aufgeklärt und Rücksprache mit Hausärzten und Betreuern genommen werden, erklärt Krick.

Auf die Verständigung mit den Angehörigen der Bewohner ihrer drei Altenpflegeeinrichtungen setzt auch die Caritas. Die aktuell eingeschränkte Besuchsregelung unter strengen Hygienevorgaben solle auch während der Feiertage aufrecht erhalten werden, wie ein Sprecher des Trägerverbandes auf Anfrage erklärt. Den Besuch von Heimbewohnern in ihren Familien könne man in diesem Jahr unter den aktuellen Umständen nicht empfehlen, aber auch nicht verbieten. "Auch wenn es besser wäre, wenn die Menschen in ihrem direkten Umfeld blieben und den Kontakt zu den Familien per Telefon oder Video hielten." Nach aktueller Lage seien es "weniger als fünf Personen", die an den Weihnachtstagen in ihre Familien gingen. Besondere Maßnahmen bei ihrer Rückkehr wie Schnelltest oder die Anregung zur Selbstisolation seien nicht vorgesehen.

Im Altenhilfezentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat man mit dem Eintrag von Corona-Infektion in den vergangenen Wochen bereits leidvolle Erfahrungen gemacht. Bei einem Screening aller 205 Bewohner seien 30 positiv getestet worden, so Pflegedienstleiter Jörg Wilhelm. Erst vor wenigen Tagen sei das Haus aus der behördlich angeordneten Quarantäne entlassen worden. Entsprechend groß sei die Besorgnis vor einer Wiederholung dieser für Bewohner wie Personal belastenden Situation.

Bewohner, die an den Feiertagen in ihre Familien geholt würden, bekämen alle ein "Safety-Pack" mit, darin enthalten seien fünf FFP2-Masken und Desinfektionsmittel. Nach der Rückkehr in die Einrichtung sollten die Bewohner "ein bisschen mehr auf ihrem Zimmer bleiben", so Wilhelm. So lange, bis nach fünf Tagen der erste und nach weiteren zwei Tagen der zweite Schnelltest vorgenommen worden sei. Um in der Einrichtung das Fest so schön wie möglich zu machen, gebe es Bescherung und festliches Essen. enz

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