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In den Jöst-Kiosk wurde eingebrochen. Inhaber Hans-Jürgen Hammerschmiedt (rechts) und Sohn Sven sind traurig.

Drama Frankfurts ältestes Wasserhäuschen

Einbruch bringt Kult-Wasserhäuschen in Not - „Es tut mir so leid für meinen Papa“

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In den Traditions-Kiosk „Jöst Nr. 1“ in Frankfurt wurde eingebrochen. Der Diebstahl bringt den Inhaber des Kult-Wasserhäuschens in finanzielle Not. 

  • Im Traditions-Kiosk „Jöst Nr. 1" in Frankfurt hat es einen Einbruch gegeben
  • Es werden große Teile der Warenbestände aus Frankfurts ältestem Wasserhäuschen gestohlen
  • Der Inhaber kommt dadurch in große finanzielle Nöte

Frankfurt - Hans-Jürgen Hammerschmiedt (56) gießt Kaffee in einen Becher, füllt Milch dazu und reicht ihn über den Tresen. Sein Lächeln ist zaghaft. "Es gibt Dinge, die man nicht braucht", sagt er zu dem Mann mit schwarzer Mütze, der den Kaffee entgegennimmt. Der Einbruch in den Kiosk „Jöst Nr. 1", das älteste Wasserhäuschen, ist Thema der Männer. 

Frankfurt: Einbruch in Traditions-Kiosk „Jöst Nr. 1"

Auch Hammerschmiedts Sohn Sven (30) stimmt in das Gespräch ein. "Würstchen, vakuumierte Wurst, Käse, 15 Kilo Kaffee, Zigaretten, Süßigkeiten und kleine Schnapsflaschen sind weg. Warenwert 2000 Euro. So viel, wie er sonst in einem guten Monat zum Leben hat. Es tut mir so leid für meinen Papa", sagt der Gastronom, der wegen Corona zur Zeit keine Arbeit hat. Der Kioskbetreiber lehnt sich auf den Tresen. "Immerhin haben sie nichts verwüstet oder randaliert", tröstet er sich und seinen Sohn nach dem Einbruch halbherzig.

Einbruch in Traditions-Kiosk in Frankfurt: „Jöst Nr. 1" ist das ältestes Wasserhäuschen der Stadt

Seit neun Jahren steht er in Frankfurt in dem rot-weißen Wasserhäuschen aus dem Jahr 1912. Vor allem Lkw-Fahrer stoppen an dem Kiosk, decken sich mit Kaffee, heißen Würstchen und belegten Brötchen für den Tag ein. Und, um ein paar Minuten zu plaudern. Seit der Corona-Krise werden sie weniger. "Wir fahren statt fünf bis sechs Mal nur noch drei Mal in der Woche", bestätigt Trucker Janusz und startet den Motor. Hammerschmiedt berichtet, dass es vor Jahren schon einmal einen versuchten Einbruch bei ihm gegeben hat, "aber ohne Erfolg. Jetzt wurde die dicke Eisenstange über den Sicherheitsschlössern aufgesägt. Mein Arbeitsmaterial wurde geklaut". 

Nach Einbruch in Traditions-Kiosk in Frankfurt: „Komplette Nachkauf der Ware finanziell unmöglich"

Eine Versicherung hat Hammerschmiedt nicht. "Viel zu teuer", sagt er. Sven erzählt von zwei Jahren Durststrecke, als die Honsellbrücke in Frankfurt wegen Bauarbeiten zu war und der Kiosk in einer Sackgasse ohne Durchgangsverkehr stand. "Jetzt haben wir wieder weniger Umsatz wegen Corona plus den Einbruch. Auch falls es jemand gewesen sein sollte, der wirklich Hunger hat, trifft es meinen Papa schwer." Sven versucht, seinen Vater moralisch zu unterstützen. "Die Miete für den Platz an die Stadt ist fällig, der komplette Nachkauf der Ware finanziell unmöglich. Hoffentlich kriegen wir das hin."

Nach Einbruch in Traditions-Kiosk in Frankfurt: Polizei ermittelt

Die Polizei Frankfurt hat den Einbruch aufgenommen. "Es sei ihr erster Einsatz seit Ausbruch der Corona-Krise gewesen, dass in ein Wasserhäuschen eingebrochen wurde", so Hammerschmiedt. Ein Sprecher der Polizei bestätigt, "dass sich im Gegensatz zu anderen Läden verglichen mit der Zeit vor Corona nicht allzu viel geändert hat". Der Inhaber des Kult-Kiosks hofft auf Aufklärung. Und auf die Umsetzung seiner Pläne. "Wir wollen für die Bauarbeiter für das neue Hotel an der EZB einen Schiffscontainer als Imbiss umbauen. Und ihn auch für die Busfahrer, die hier für die Fremdenverkehrstouren parken, nutzen. Seit eineinhalb Jahren spare ich dafür. Ob und wann es damit weitergeht, steht in den Sternen", sagt der schmale Mann mit gepflegtem Bart hinter dem Schild, auf dem um zwei Meter Abstand gebeten wird.

Einbruch in Traditions-Kiosk in Frankfurt: Solidarität in der Nachbarschaft

"Der Bauantrag ist gestellt, der Schiffscontainer bezahlt. Das ist alles schon sehr bitter, aber wir müssen positiv denken. Unsere Nachbarn hier haben uns geholfen." Der Schlosser nebenan war sofort nach dem Einbruch da und hat eine neue, noch dickere Türsicherung für mich geschweißt. Der Abschleppdienst auf der anderen Seite hat seine Kameras ausgelesen, um herauszufinden, ob ein Täter zu identifizieren ist. Ein dritter Nachbar hat mit neuen Schlössern ausgeholfen.

Vater und Sohn sind glücklich darüber, dass die Nachbarn zusammenhalten und auch die Kunden des Kiosk im Augenblick Verständnis für weniger Ware haben. Hammerschmiedt atmet tief ein. "Anders könnten wir Kleinstunternehmen jetzt gar nicht überleben. Vielleicht sollten wir auch mit anderen Wasserhäuschen eine freundschaftliche wechselseitige Unterstützung anfangen."

Trotz Einbruch in Traditions-Kios: Laut Polizei ist Frankfurt zurzeit so sicher wie nie. Die Gewalt gegen Polizeibeamter steigt allerdings.

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