Klemens Rolf auf seinem Frankfurter Balkon mit Hündin Lola.
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Klemens Rolf auf seinem Frankfurter Balkon mit Hündin Lola.

„Ich wollte nur eine Zigarette rauchen“

Frankfurter erzählt skurrile Geschichte: Mann springt von fremdem Balkon in die Falle

  • vonSabine Schramek
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Ein verwirrter Mann in schwarzem Mantel springt aus dem sechsten Stock eines Wohnhauses in Frankfurt auf ein anderes Dach, landet in der Sackgasse und später im Krankenhaus. Die Polizei rätselt.

  • In Frankfurt hat ein Mann für Aufsehen gesorgt.
  • Er sprang aus dem sechsten Stock eines Hauses auf ein anderes Dach und landet in der Falle.
  • Der vewirrte Mann gibt der Polizei Rätsel auf.

Frankfurt – Lola bellt. Das Herrchen der schwarz-weißen Mischlingshündin ist auf dem Balkon seiner Wohnung im sechsten Stock in der Moselstraße in Frankfurt und bepflanzt einen Blumenkasten. Klemens Rolf (62) lobt die Hündin, weil er denkt, dass der Paketbote geklingelt hat und er es überhört hat. Als er zur Tür gehen will, traut er seinen Augen kaum. Auf seiner Dachterrasse auf der anderen Seite steht ein Mann in schwarzem langem Mantel auf Strümpfen. "Der Typ sagte, er sei oben auf dem Dach zum Rauchen gewesen und runtergefallen", erinnert sich Rolf. "Oben" ist mehr als drei Meter hoch über der Terrasse.

Rolf reagiert geistesgegenwärtig, schließt die Terrassentür und lässt den Mann samt Lola draußen auf der Terrasse voller Apfelbäumchen und Bambus in Töpfen. Aus Angst vor dem bellenden Hund springt der Mann auf den wackeligen Balkontisch, greift sich eine große Deko-Flasche mit aufgemaltem Flamingo und versucht, nach Lola zu schlagen. Gleichzeitig zieht er das Ruder-Fitnessgerät ans Geländer und will sich mit dem Seilzug abseilen.

Frankfurt: Eindringling springt in die Tiefe – und steckt in einer Sackgasse

"In dem Moment dachte ich, der bricht sich ja den Hals, ich lasse ihn lieber durch die Wohnung fliehen und öffnete die Tür", erzählt Rolf. In diesem Moment kam die Polizei Frankfurt.

"Der ist einfach runtergesprungen. Auf das Flachdach des zweistöckigen Gebäudes nebenan. Das waren mindestens 4,50 bis 5 Meter in die Tiefe. Danach lief er in seinem langen schwarzen Mantel zur Feuerleiter, ist hochgeklettert und schließlich noch einmal tief in den Hof der ehemaligen ,Ritmo Latino Bar' gesprungen. In die Sackgasse. Endstation. Er ist in den Hinterhof des leerstehenden Gebäudes geflüchtet und hat sich da quasi selbst eingeschlossen. Alles ist zugesperrt, Fenster gibt es nicht", so Rolf. "Gesehen habe ich ,Batman' nicht mehr, aber er hat geschrien."

Eine Frankfurter Mieterin rief die Polizei – Ungebetener Besucher muss ins Krankenhaus

Von Rolfs Terrasse in Frankfurt aus haben Polizeibeamte per Funk Kollegen dirigiert. "Von außen kamen sie allerdings auch nicht an ihn ran. Niemand hatte einen Schlüssel und das Haus steht leer." Erst mussten sie die Feuerwehr rufen, die dann mit einem Spreizgerät die schwere Eisentür geöffnet hat. "Rettungskräfte haben ihn dann mit einer Trage zum Krankenwagen gebracht. Er musste ins Krankenhaus, damit festgestellt werden konnte, ob und wie schwer er verletzt ist", erzählt Rolf und krault seine Hündin Lola am Kopf.

Gerufen hatte die Polizei eine Mieterin weiter unten in dem Gebäude. Der Mann hatte versucht, in ihre Wohnung einzudringen, indem er sich als Paketbote ausgegeben hatte. Er flüchtete erfolglos mit dem Aufzug in den sechsten Stock. Die Frau sah, dass der Aufzug mit ihm nach oben fuhr und tätigte den Notruf. Oben angekommen, gelang es dem Einbrecher, die Dachluke zu öffnen und über eine hälftig verschlossene Leiter und von dort aus mit einem hohen Sprung auf das Dach zu gelangen.

Frankfurt: Gewagter Sprung erinnert an „Spiderman“, der den Frankfurter Silberturm erkletterte

Wie diese Sprungkraft möglich ist, kann Rolf nicht nachvollziehen. "So etwas kann kein normaler Mensch, auch wenn er schlank und drahtig ist", sagt er kopfschüttelnd. "Vielleicht hat ihn der ,Spiderman' aus Frankreich, der vormittags den Silberturm der Deutschen Bahn in Cowboystiefeln hochgeklettert ist, inspiriert. Bei ,Batman' in Socken endeten die Sprünge allerdings im Krankenwagen", so Rolf. Der Schrecken sitzt noch tief. "Ich bin zwar froh, dass Lola und mir nichts passiert ist, aber dass der Mann in die Tiefe gesprungen ist, finde ich furchtbar."

Die Polizei bestätigt den Vorfall in Frankfurt. Bei dem Mann im Mantel soll es sich um einen 17-Jährigen handeln. "Er war offenbar verwirrt", sag ein Sprecher der Polizei. "Er ist verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Der junge Mann hatte wohl einen Schutzengel dabei", so der Sprecher. Gegen den ungebetenen Besucher wird nun wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. (Von Sabine Schramek)

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