Einkaufswagen
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Einkaufswagen werden an vielen Orten in Frankfurt wild abgestellt. (Symbolbild)

Verboten

Bürger verärgert: Zurückgelassene Einkaufswagen „vermüllen“ Frankfurt

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Wild abgestellte Einkaufswagen sorgen in ganz Frankfurt für Probleme. 60 Wagen hat die FES allein in Fechenheim abgeholt

Frankfurt - Sie stehen am Straßenrand, liegen in Grünanlagen und rosten vor sich hin: zurückgelassene Einkaufswagen. Was überall in Frankfurt ein Problem ist, hat in Fechenheim nun gigantische Ausmaße angenommen. 60 Einkaufswagen, zusammen eine Tonne schwer, haben Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgung und Service (FES) dort abgeholt, nachdem eine Bürgerinitiative die FES angefordert hatte. "Wir haben mit vielleicht 20 Wagen gerechnet", schildert FES-Sprecher Stefan Röttele. "Dann waren es drei Mal so viele."

Die Bürgerinitiative Fechenheim-Nord hatte sich schon lange über die vielen zurückgelassenen Einkaufswagen im Stadtteil geärgert. "Wir beobachten das seit etwa drei Jahren", sagt Andrea Zilcher, Stadtbezirksvorsteherin in Fechenheim und Mitglied in der Bürgerinitiative. "Die Wagen stehen in der Birsteiner Straße, in der Lauterbacher, der Steinauer und der Meerholzer Straße", hat sie beobachtet. Zilcher stört diese "Vermüllung" sehr.

Zurückgelassene Einkaufswagen vermüllen Frankfurt-Fechenheim: Kaufland-Markt als Hauptquelle

Als Hauptquelle des Unheils hat sie den Kaufland-Markt in der Wächtersbacher Straße ausgemacht. "Wir haben schon mit dem Filialleiter gesprochen, haben ihm vorgeschlagen, bestimmte Wege zu sperren, Schilder aufzustellen, seine Security darauf achten zu lassen." Vergeblich. Andere Märkte täten dies, das sei mit nur wenig Aufwand verbunden. "Ein Markt hat doch Verantwortung für den Stadtteil", findet Zilcher.

60 Einkaufswagen hat die FES in Fechenheim abgeholt.

Die Pressestelle von Kaufland teilt auf Anfrage mit: "Das Abhandenkommen unserer Einkaufswagen ist für uns aus zweierlei Gründen immer sehr unglücklich. Zum einen möchten wir unseren Kunden immer eine ausreichende Anzahl an Einkaufswagen zur Verfügung stellen. Zum anderen können Einkaufswagen, die außerhalb unseres Geländes abgestellt werden, eine Gefahrenquelle darstellen." Im Allgemeinen gelte, dass die Mitarbeiter für Hinweise zu Standorten von "wild abgestellten Einkaufswagen" immer sehr dankbar sind. "Unsere Mitarbeiter sammeln diese herrenlosen Einkaufswagen ein und bringen sie an die Filiale zurück."

Frankfurt-Fechenheim: FES muss zurückgelassene Einkaufswagen verschrotten

In Fechenheim waren es nun Freiwillige aus der Bürgerinitiative, die die Wagen in den vergangenen Tagen aus allen Anlagen und Hinterhöfen zusammengeschoben haben. "Sie haben die Wagen gesammelt und an einen Ort gebracht, wo wir sie abgeholt haben", berichtet Röttele. Nun würden sie verschrottet, was weder umweltfreundlich noch kostendeckend sei. "Wir sind darüber nicht froh." Besser für alle Beteiligten wäre es, wenn die Märkte die Wagen zurücknähmen, sagt Röttele. Doch die Bereitschaft dazu sei bei den Märkten gering, hat der FES-Sprecher beobachtet. Das sei nicht nur in Fechenheim ein Problem, sondern stadtweit. Rund 500 Einkaufswagen sammeln Mitarbeiter der FES im Lauf eines Jahres ein. Zurückgelassen werden sie laut Röttele oftmals in der Nähe großer Märkte.

Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, rechnet vor, weshalb das für die Märkte am Ende die kostengünstigste Lösung sein dürfte: "500 Wagen? Wie viele Verbrauchermärkte gibt es in Frankfurt? 50? 100? Rewe, Aldi, Lidl, Edeka, Kaufland, Media-Markt - wenn man es herunterrechnet, sind es vielleicht fünf bis zehn Wagen pro Markt und Jahr." 300 bis 350 Euro kostet ein neuer Einkaufswagen - Schwellen einzurichten, wie manche Märkte es getan haben, dürfte teurer sein.

"Technische Alternativen wie Wegfahrsperren sehen wir nur als Einzelfalllösung, da wir unsere Kunden weder unter Generalverdacht stellen noch beim Einkauf behindern wollen", erklärt auf Anfrage Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Er versichert aber: "Informieren uns Kunden oder Dritte, dass ein Einkaufswagen ,herrenlos' zum Beispiel in einer Straße steht, so organisieren wir den Rücktransport, respektive die Abholung. Zur Rewe-Group gehören auch Penny, Nahkauf und der Baumarkt Toom.

Wild abgestellte Einkaufswagen nicht nur in Frankfurt ein Problem: Umwelt wird verschandelt

Bundesweit summiert sich der Einkaufswagenschwund: Etwa 100.000 pro Jahr kämen abhanden, schätzte Frank Host, Leiter vom EHI Retail Institute in Köln, für die Zeitung "Neue Westfälische" schon im Jahr 2018: "Die Schwundrate liegt bei gut zwei Prozent jährlich."

Die Fechenheimer Stadtbezirksvorsteherin Andrea Zilcher will die Müllsünder nicht alle über einen Kamm scheren, sie habe sogar ein wenig Verständnis, etwa für Senioren, die schwere Gegenstände mit dem Wagen nach Hause oder ins Seniorenheim in der Lauterbacher Straße schieben, einfach, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Indes, rechtlich ist die Sache klar: Wer einen Einkaufswagen mitnimmt, macht sich strafbar. Und die Umwelt verschandeln die metallenen Gefährte außerdem. (Thomas J. Schmidt)

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