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Elifs Wasserhäuschen auf dem Grünstreifen der Holbeinstraße ist ein beliebter Treffpunkt für Nachbarn, für Schüler und Radfahrer. Die Pächterin gibt den Betrieb jetzt weiter an ein junges Pärchen - aus der Nachbarschaft.

Pächterin in Sachsenhausen

Eine Frankfurter Tradition endet: Elif gibt ihr Wasserhäuschen auf

Elif Kalkan war fünf Jahre jeden Tag in ihrem Wasserhäuschen in der Holbeinstraße anzutreffen. Jetzt gibt sie an jüngere Nachfolger weiter, die sich um den beliebten Treffpunkt kümmern.

Sachsenhausen - Noch sieht alles aus wie immer am Wasserhäuschen in der Holbeinstraße: Elif Kalkan räumt mit dem Getränkelieferanten Bier- und Colakisten ins Lager ein, draußen am Biertisch sitzen drei Gäste, rauchen, trinken Kaffee oder ein Bier. Elif setzt sich dazu. Sie ist ein bisschen traurig, sagt sie: "Das tut schon weh, ich werde die Menschen vermissen. Ich habe viele schöne Tage gehabt in den ganzen Jahren und bin meinen treuen Kunden sehr dankbar. Sie haben mich immer unterstützt."

Aber zum 30. Juni gibt Elif das Büdchen auf. Sie schaffe die viele Arbeit nicht mehr allein, sagt sie. Mit der kleinen Tochter daheim wird es für sie zu viel, jeden Tag von morgens früh bis teils spät in die Nacht hinein das Wasserhäuschen offen zu halten. 13 Arbeitsstunden am Stück hatte sie manchmal. Immer öfter musste sie in letzter Zeit kurzerhand die Klappläden dicht machen und einen Zettel mit einer Nachricht, etwa "Ich bin um 14 Uhr wieder da", daran kleben.

Wasserhäuschen: Elif war jeden Tag präsent

"Ich bewundere, was Elif alles geleistet hat", sagt Michael Hamm, einer der Bierbank-Gäste, und nimmt einen Schluck aus der Flasche. "Sie war immer präsent und hat daheim noch den Haushalt geschmissen. Hamm sitzt öfter hier, am liebsten nach Feierabend, "um von Arbeit auf Freizeit umzuschalten, einfach ein bisschen zu quatschen." Hamm ist Wasserhäuschen-Fan, er dokumentiert das Leben rund um die Buden auf seiner Facebook-Seite "Frankfurter Wasserhäusjer".

Dass der Job als Büdchenpächter hart sein kann, weiß auch Rebecca, die zusammen mit ihrem Freund Michael die Nachfolge von Elif antritt. Das junge Paar wohnt direkt gegenüber, hatte jahrelang vom Dachfenster aus beste Sicht auf den Kiosk und verbrachte viele Abende bei Elif. "Wir hatten schon lange die Idee, eines Tages das Büdchen zu übernehmen. Erst war es mehr aus Spaß, jetzt ist es plötzlich wahr geworden," erzählt Rebecca. Ihren derzeitigen Job will sie an den Nagel hängen. Ihr Freund führt selbstständig ein Bauunternehmen und will ihr tatkräftig zur Seite stehen. "Außerdem kann meine Mutter aushelfen", berichtet Rebecca.

Wasserhäuschen: Mehr Kaffee und Kuchen

Ein bisschen umräumen wollen sie im Büdchen, die abgeklebten Fenster neu gestalten. Da es erst im August offiziell losgeht, sind sie noch nicht fertig mit der Planung. Die 28-Jährige freut sich darauf, kreativ zu werden und das Angebot zu erweitern. "Wir wollen eine Siebdruck-Kaffeemaschine anschaffen und neben gutem Kaffee, Croissants und Kuchen auch Snacks, zum Beispiel Panini anbieten."

Damit liegen die beiden im Trend, findet Michael Hamm: "Die Leute wollen morgens schnell einen Kaffee mitnehmen. Die Wasserhäuschen sind längst nicht mehr nur für Biertrinker. Und die Pächter müssen gucken, dass sie ihr Geld verdienen, um die Pacht zahlen zu können."

Da war doch was: Vor gut einem Jahr sprach der Oberbürgermeister Peter Feldmann vor Elifs Wasserhäuschen in die Kameras, sagte zu, dass die drohende Pachterhöhung um 40 bis 70 Prozent für Wasserhäuschen nicht kommen werde. Die Radeberger, Vermieterin der Buden, hatte vorgehabt, die Mieterhöhung durch die Stadt direkt an die Pächter weiterzugeben. Der mediale Aufschrei aus Frankfurt reichte bis ins Magazin "Der Spiegel". Die Mieterhöhung wurde ausgesetzt, die Verhandlungen laufen derzeit noch. "Wir machen uns aber nicht allzu große Sorgen, weil wir keinen Zeitvertrag unterschreiben, sagt Rebecca.

Das Wasserhäuschen an der Holbeinstraße ist "wie aus dem Bilderbuch: vorne halbrund mit Fensterklappen und Holzbalken an der Seite", schwärmt Hamm. Auch Radeberger habe ein Interesse daran, dass die Häuschen vermietet bleiben, denn "der Boom ist ja unverkennbar", sagt Hamm.

Wasserhäuschen gehören traditionell zum Frankfurter Stadtbild

Sie gehören traditionell zum Frankfurter Stadtbild und sind auch heute für viele Einheimische mehr als nur reine Kioske. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden diese Trinkhallen, die damals nach ihrem Gründer Adam Jöst auch "Jöst-Hüttchen" oder "Jöst-Häuschen" genannt wurden. Zu dieser Zeit war das Trinken von nicht abgekochten Leitungswasser hygienisch bedenklich, doch konnte erstmals Mineralwasser unter Beibehaltung des Gasdrucks in Flaschen abgefüllt werden. Die städtisch genehmigten Wasserhäuschen sollten durch den Verkauf dieser Flaschen dazu beitragen, dass die Arbeiter verstärkt Wasser tranken und nicht - wie so oft - Bier und Schnaps. Im Volksmund wurde es auch "Bitzelwasser" genannt. Da die Wasserhäuschen nicht an die offiziellen Ladenschlusszeiten gebunden waren, gab es zeitweise bis zu 800 Trinkhallen im Stadtgebiet. Noch bis in die 70er-Jahre gehörten alle Wasserhäuschen der Jöst GmbH.

Heutzutage gibt es noch fast 300 Wasserhäuschen, die zumeist von Großbrauereien und Getränkeverlagen an Betreiber verpachtet werden. Elf davon werden heute von der Firma Binding/Radeberger verpachtet. red

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