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Eher skeptisch, was die Zukunft betrifft: Wirt Marcel Smutny (li.) und Thomas Budenz, Vorsitzender des TSV Ginnheim. foto: Enrico sauda

Gastronomie

Frankfurt: Einfach Pech mit der Planung gehabt

  • vonBrigitte Degelmann
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Das Vereinslokal des TSV Ginnheim wurde ausgerechnet zwei Wochen vor dem Teil-Lockdown renoviert - und ist jetzt schon wieder geschlossen.

Wenn sich Marcel Smutny in der Küche der Pizzeria 6611 in Ginnheim umsieht, dann ist er hin- und hergerissen: "Es ist ein Traum, wie es jetzt hier aussieht. Jetzt könnten wir richtig schön Gas geben." Könnten, wohlgemerkt - wenn da nicht der Lockdown wäre, der seit Montag gilt. Den ganzen November über müssen Gaststätten, Cafés und viele andere Einrichtungen geschlossen bleiben, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Küche auf neuestem Stand

Auch die Pizzeria 6611, das Vereinslokal des TSV Ginnheim, das Smutny gepachtet hat, ist von dieser Anordnung betroffen. Eine Maßnahme, die Pächter und Verein umso härter trifft, weil sie überhaupt nicht damit gerechnet hatten. Sonst wäre das Timing ein anderes gewesen. Zwei Wochen war das Lokal im Oktober geschlossen, um den lange geplanten Umbau zu verwirklichen. Vor allem in der Küche hat sich in diesen 14 Tagen viel getan: Die Elektrik wurde erneuert, sämtliche Leitungen unter Putz gelegt, die Wände wurden bis unter die Decke gefliest, die Lampen erneuert. Auch im Keller wurde renoviert, jetzt sind noch die Lagerräume an der Reihe. Die Kosten für die Maßnahmen kann Vereinsvorsitzender Thomas Budenz noch nicht beziffern.

Im Gastraum hat sich ebenfalls einiges getan. Vier große Tische hat Smutny herausgenommen und durch zwei kleinere Exemplare ersetzt - wichtig, um die Abstände in Corona-Zeiten einhalten zu können. Mit dem Zollstock sei er herumgelaufen, um genau auszumessen, wie die Möbel am besten stehen sollen, erzählt er. Statt 50 Sitzplätzen gibt es jetzt nur noch gut 30. Außerdem besorgte er Plexiglasscheiben, die jetzt zwischen den Sitzgruppen hängen, um so für zusätzliche Sicherheit zu sorgen.

Nicht die einzigen Investitionen im Zuge der Corona-Pandemie. Auf der großen Terrasse stehen jetzt drei Heizpilze, außerdem liegen auf den Stühlen kuschelige Felle parat. Denn manche Gäste wollten in den vergangenen Wochen trotz kühler Temperaturen lieber draußen speisen, um auf Nummer sicher zu gehen, erzählt der Wirt: "Es saßen schon welche in Mütze und Schal da." Rund 2500 Euro habe er für alle diese Maßnahmen investiert, rechnet Smutny vor. Und: Bislang habe sich in seinem Lokal noch niemand angesteckt.

Dass all das ihn nicht vor dem Lockdown bewahrt hat, will ihm nicht in den Kopf: "Ich habe mir so viel Mühe gegeben. Und ich verstehe nicht, warum jetzt alle über einen Kamm geschoren werden." Nach Ende der Renovierung konnte er ein paar Tage öffnen, dann musste er erneut zusperren.

Schere bleibt erst einmal liegen

Dass das Lokal am vergangenen Wochenende praktisch ausgebucht war, weil viele Gäste vor der Schließung noch einmal eine Portion Lasagne oder eine seiner berühmten Pizzen mit dem knusprigen Boden genießen wollten - der übrigens so dünn ist, dass man ihn tatsächlich mit der Schere schneiden kann -, ist da nur ein schwacher Trost. Denn ob die Gastronomen im Dezember wieder Gäste empfangen dürfen, kann momentan niemand sagen. "Es wird wohl nicht bei diesem einen Monat bleiben", befürchtet Smutny. "Ich geh' davon aus, dass es länger dauern wird."

Auch Thomas Budenz kann die Schließungsanordnungen nicht nachvollziehen. Zumal diese nicht nur Gastronomie und Kultur treffen, sondern auch die Vereine, die schon im Frühjahr und Sommer wochenlang zum Pausieren gezwungen waren. Eine Folge davon: Mitglieder zogen sich zurück. Auf zehn bis 15 Prozent beziffert Budenz den Schwund beim TSV Ginnheim: "Diese Beiträge fehlen uns." Jetzt könnte sich dieser Trend womöglich wiederholen, befürchtet er. Dabei habe sich in den vergangenen Wochen alles so schön eingespielt. Nach und nach habe man in fast allen Sportarten den Betrieb wieder aufgenommen - unter Einhaltung der Mindestabstände und Hygieneregeln, versteht sich. Außerdem hielten sämtliche Übungsleiter Desinfektionsmittel bereit. Budenz' Fazit: "Der Lockdown schadet Frankfurt."

Pächter Marcel Smutny baut derweil auf seinen Abhol- und Lieferservice zwischen Montag und Samstag, wie schon im vergangenen Frühjahr. Und auf die Treue seiner Gäste: "Wir haben es einmal überlebt, jetzt hoffe ich, dass wir das wieder schaffen werden." Brigitte Degelmann

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