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Der Nieder Christian Massieu bietet älteren Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen wollen, an, ihre Einkäufe für sie zu erledigen. Der 37-Jährige will andere dazu motivieren, es ihm gleich zu tun.

Frankfurt-Nied

„Ich will nicht, dass der Egoismus gewinnt!“: Einkauf-Service für Risikogruppen

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Christian Massieu setzt in Frankfurt Nied mit seinem Hilfsangebot ein Zeichen in der Corona-Krise. Für Alte, Schwache, Kranke und andere Risikogruppen bietet er sich als Kurier an. Dabei erledigt er Einkäufe und kümmert sich um andere wichtige Besorgungen.

Frankfurt - Manche jammern, stöhnen und ächzen unter den Einschränkungen der Corona-Krise. Nicht so Christian Massieu. Während andere spekulieren, ob die ungewohnte Gefahrenlage die Bürger wohl spalten oder zusammenbringen wird, will der Mann aus Nied nur eins: Anpacken und helfen. Deshalb hat er einen Aufruf in einer Nieder Facebook-Gruppe veröffentlicht: "Ich biete mich und mein Auto an, um für die Alten, Kranken und/oder Schwachen unter uns einkaufen zu gehen oder andere wichtige Dinge zu erledigen, wie Besorgungen in der Apotheke." Auch Familienmitglieder, die es nicht schafften, für ihre Eltern oder Großeltern Dinge zu erledigen oder einkaufen zu gehen, dürften ihn gerne anschreiben.

Frankfurt: Appell an andere, ihre Hilfe anzubieten

Gleichzeitig versteht er sein Angebot auch als Appell für andere Gesunde, "die ihre Hilfe ohne Probleme anbieten können", es ihm gleich zu tun. Denn: "Es ist ein Geben und Nehmen! Jetzt ist die Zeit zu geben! Lasst uns alle bitte dafür sorgen, dass die Hilfsbedürftigen unter uns nicht alleine gelassen werden."

In einer Zeit, in der die Gedanken mancher Bürger nur um Hamsterkäufe und das eigene Wohl kreisen, fällt das Zeichen von Christiane Massieu auf. Viele "Likes" und lobende Kommentare hat er auf der sozialen Plattform bekommen. Noch aber haben sich keine Hilfebedürftigen gemeldet. Dabei schreibt Massieu ausdrücklich: "Niemand, der Hilfe braucht, soll das Gefühl haben, sich schämen zu müssen! Greift zu, ohne nachzudenken!"

Was vielen als Ausdruck bemerkenswerter Selbstlosigkeit erscheint, ist für den 37-Jährigen selbstverständlich: Im vergangenen Jahr, berichtet er, habe er beide Großeltern nach langer Krankheit verloren. "In den Monaten und Jahren davor habe ich miterlebt, wie viel Hilfe gerade die ältere Generation von uns benötigt", erklärt er. Momentan sei es besonders wichtig, "den Alten und den Schwachen unsere Hände reichen".

Frankfurt: Gut vernetzt im ganzen Stadtteil

Seit seiner Geburt lebt Massieu in Nied und ist bestens vernetzt: Sein Stiefvater Holger Hauke ist seit 21 Jahren Wirt der Gaststätte "Niddakampfbahn" an der Oeserstraße und mit einem Freund zusammen Pächter des "Niddastrands". Er und die ganze Familie packen in beiden Lokalen an, "weil man das als Familienmitglied einfach tut." Das Helfen beschäftigt ihn auch im Hauptberuf für eine Bank, die sich sehr für soziales Engagement einsetze. "Zu Weihnachten beschenken wir Waisenkinder, kranke Kinder, hilflose und kranke ältere Mitmenschen", erzählt er. Auf das Jahr verteilt gebe es außerdem Aktionen, bei denen die Mitarbeiter ihre Arbeitskraft dafür einsetzen, Dinge mit aufzubauen, Gebäude zu streichen, Menschen zu unterstützen.

In der Gaststätte wiederum sammeln er und seine Familie auch Geld für krebskranke Kinder. "Meine Mutter denkt sich immer wieder etwas neues aus, damit die Leute motiviert werden zu spenden", erzählt er. "Aber es wird getan!"

Ob er glaubt, dass die Corona-Krise letztlich helfen wird, Menschen zusammenzubringen und die Gesellschaft vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgeht? Christian Massieu hat da seine Zweifel, vergleicht die momentane Notsituation mit Banken- und Wirtschaftskrise: "Wir ändern nichts an unserem Verhalten. Wir werden uns wieder wegen Kleinigkeiten profilieren, Freundschaften vorspielen und in der nächsten Krise wieder das gleiche Verhalten an den Tag legen. Das macht traurig und lässt leider tief blicken!" Das klingt nach einer ernüchternden Erkenntnis. Vom Helfen und Flagge zeigen hält sie Christian Massieu nicht ab. "Ich will nicht, dass der Egoismus gewinnt", sagt er. Und hofft in den nächsten Tagen auf viele Hilfsbedürftige, die ihn in der Facebook-Gruppe oder per E-Mail unter massieu2005@hotmail.de kontaktieren können. 

Von Michael Forst

Praktische Hilfe auch vom Volkshausverein Sossenheim

Eine praktische Hilfe bietet der Volkshausverein Sossenheim seinen Mitgliedern an: Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Sonntag hat der Vorsitzende Roger Podstatny diese neue Initiative des Vorstands vorgestellt: Mitglieder, die in häuslicher Quarantäne sind oder vorsichtshalber ihre Wohnung derzeit nicht verlassen wollen, bekommen einen selbstverständlich kostenlosen Einkaufs- und Besorge-Service angeboten. Unter der Telefonnummer (069) 34 82 86 00 (Peter Donath) können sich Mitglieder melden. 

red

Auch für Supermärkte stellt die Corona-Krise eine große Herausforderung dar - vor allem mit Blick auf Einkäufe an Ostern.

Aldi Süd hat wegen der Corona-Krise eine spezielle Filiale in Frankfurt eröffnet. Die Aldi-Filiale ist aber nicht für alle zugänglich.

Auch in der Hanauer Landstraße leiden die Läden. Der direkte Autoverkauf ist wegen der Corona-Krise in Frankfurt eingestellt.

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